Jahresrückblick 2010Von Bagatellkündigungen und cholerischen Chefs
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April bis August

  April: Die Lage am Arbeitsmarkt verbessert sich allmählich, die Zahl der Menschen in Kurzarbeit sinkt. Aufgrund der positiven Entwicklung beginnt eine Debatte über einen möglichen künftigen Fachkräftemangel. Ein Ergebnis: Ausländische Bildungsabschlüsse sollen künftig unkomplizierter und schneller anerkannt werden . Die Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone bleibt gleichzeitig auf Rekordniveau . Im Schnitt liegt die Quote bei zehn Prozent, in Spanien sogar bei über 20 Prozent. 

Ganz andere Sorgen haben Tausende von Arbeitnehmern, die wegen der Aschewolke über Europa in Übersee festsitzen und nicht zur Arbeit erscheinen können. Die Zwangspause kostet sie entweder Urlaubstage oder Gehalt. Noch härter trifft es die Unternehmen und Airlines, die unter den wirtschaftlichen Einbußen leiden .

Vor dem Arbeitsgericht in Stuttgart wird ein ganz besonderer Diskriminierungsfall verhandelt: Eine Frau hatte nach einer erfolglosen Bewerbung ihre Unterlagen inklusive des Vermerks "Ossi" und einem Minuszeichen zurückbekommen. Sie zog vor Gericht und klagte . Als Teil einer "ethnischen Gruppe" sei sie diskriminiert worden. Das Gericht sah die Sache nicht ganz so: Zwar sei das Wort "Ossi" diskriminierend, doch Ostdeutsche an sich seien keine ethnische Gruppe. Die Klage scheiterte aus formal-juristischen Gründen .

Mai: Am 1. Mai zieht es wieder Hunderttausende auf die Straße. Die Gewerkschaften machen mobil und fordern eine neue Solidarität . Gute Nachrichten gibt es für Elektriker: Für ihre Branche wird ein Mindestlohn eingeführt . Fortan erhalten sie einen Stundenlohn von 10,10 Euro im Westen und 9,35 Euro im Osten.

Juni: Der plötzliche Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler führt zu einer Diskussion über Stress und Einsamkeit von Menschen in Führungspositionen .

Vor dem Bundesarbeitsgericht in Erfurt wird der Fall der Kassiererin "Emmely" verhandelt: Die Frau war wegen Unterschlagung von Pfandbons im Wert von 1,30 Euro nach 31 Jahren von ihrem Arbeitgeber fristlos entlassen worden. Ist es zulässig, einen Mitarbeiter nach so vielen Jahren der Betriebszugehörigkeit wegen einer Bagatelle zu entlassen? Oder ist das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch den Vorfall unwiederbringlich zerstört ? Der Arbeitsrechtsstreit endet mit einem Sieg der Kassiererin . Ihre Lohneinbußen werden ausgeglichen und sie kehrt nur wenige Wochen später an ihren Arbeitsplatz zurück.

Juli: Zum 1. Juli steigt der Beitrag zur Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen um ein Vielfaches. Für viele freiberufliche Geburtshelferinnen sind die Beiträge kaum noch zu bezahlen. Nach monatelangem Ringen um bessere Arbeitsbedingungen erstreiten die Hebammen schließlich zumindest etwas mehr Geld für Geburten .

Pünktlich zur nahenden Urlaubszeit kommt eine Studie auf den Markt: Smartphones werden zur Jobfessel . Jeder zweite Arbeitnehmer soll im Urlaub berufliche E-Mails abrufen, jeder dritte sogar dienstliche Telefonate führen.

August: Am 1. August tritt der Mindestlohn für die Pflegebranche in Kraft: Fortan erhalten Pflegekräfte einen Stundenlohn von 8,50 Euro im Westen und 7,50 Euro im Osten. Fachkräfte in der Branche sind rar. Der Beruf gilt als unattraktiv, schlecht bezahlt und körperlich anstrengend. In kaum einer anderen Branche gehen so viele Beschäftigte in Frührente oder wechseln den Beruf.

Passend zum Beginn des neuen Ausbildungsjahres klagen Arbeitgeber darüber, dass die Jugendlichen nicht ausbildungsreif seien. So würden immer mehr Unternehmen Nachhilfeunterricht für ihre Lehrlinge organisieren. Zumindest ist die Lage auf dem Ausbildungsmarkt erstmals seit Jahren deutlich entspannter: Besonders im Osten suchten viele Firmen wegen des teils dramatischen Rückgangs der Schulabgängerzahlen händeringend nach qualifizierten Bewerbern, gibt die DIHK bekannt.

Leserkommentare
  1. Die Konjunktur zieht weiter an unddie Arbeitslosigkeit sinkt auf den niedrigsten Stand seit 1992.

    2005 hatten wir rund 5 Mio Arbeitslose und 2010 sind es immer noch zwischen 4,5 bis 5 Mio - wenn man sich die Zahlen der BA ausgiebig anschaut. Und Kurzarbeiter gibt es auch noch. Der Trick sind die Änderungen der Definitionen.

    Nun könnte es für Hunderttausende Leiharbeiter Lohnrückzahlungen geben

    Frau Goll, hier sind sicherlich NACHZAHLUNGEN gemeint und keine Rückzahlungen - oder? Denn letzeres würde allem die Krone aufsetzen.

    Ansonsten wünsche ich einen guten Rutsch nach 2011

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