Jahresrückblick 2010Von Bagatellkündigungen und cholerischen Chefs
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September bis Dezember

  September: Im September werden gleich mehrere kuriose Kündigungsfälle vor dem Arbeitsgericht verhandelt. Ein Mann klagt gegen seine Entlassung wegen Stromklaus . Der Mitarbeiter hatte sein Handy am Arbeitsplatz aufgeladen und seinem Arbeitgeber damit Kosten in Höhe von 1,8 Cent verursacht. Für diesen war es Grund genug, ihn nach 19 Jahren Betriebszugehörigkeit zu entlassen. Das Landgericht Hamm hob die Kündigung auf. Auch im Fall einer Kasserierin aus Leipzig, die wegen eines alten Brotes entlassen worden war, hob das Gericht die Kündigung auf. Die Frau sollte das Brot in der Biotonne entsorgen, der Arbeitgeber entdeckte es dann aber in der Tasche der 44-Jährigen.

Sogar bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zieht ein Kirchenmusiker, der seinen Arbeitsplatz wegen Ehebruchs verloren hatte . Der Musiker bekam Recht: Mit der Kündigung sei gegen das Grundrecht auf Schutz des Privatlebens verstoßen worden. Das Urteil bedeutet aber nicht, dass die besonderen Rechte der Kirche als Arbeitgeber nicht mehr gültig sind.

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Oktober:Die Lohnsteuerkarte fällt weg , das gibt im Oktober das Bundesfinanzministerium bekannt. Ab 2012 wird auf ein komplett digitales Verfahren umgestellt.

Das Familienministerium und der DIHK starten im Oktober eine Kampagne für Teilzeitstellen bis 35 Stunden pro Woche. So sollen Eltern Beruf und Familie leichter vereinbaren und mehr Berufstätige ihre Angehörigen pflegen können.

November: Die Konjunktur zieht weiter an und die Arbeitslosigkeit sinkt auf den niedrigsten Stand seit 1992 . Von der guten Lage am Jobmarkt merken die Praktikanten in den Bundesministerien allerdings wenig. Im November wird bekannt, dass die meisten Ministerien ihren Praktikanten keinen Lohn zahlen .

Vor der versammelten Hauptstadtpresse düpiert Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble seinen Pressesprecher. Das Verhalten des Ministers löst eine Diskussion über den richtigen Führungsstil aus.

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes startet das Projekt anonymisierte Bewerbungen . Mit einem Standardbogen, der keine Rückschlüsse auf das Geschlecht, das Alter, die Herkunft oder Religion des Bewerbers zulässt und somit das Augenmerk auf seine Qualifikationen lenkt, sollen die am Modellprojekt beteiligten Unternehmen unter den Bewerbern auswählen.

Dezember: Fast wie ein Weihnachtsgeschenk wirkt das Urteil, welches das Bundesarbeitsgericht am 14. Dezember fällt: Die christlichen Gewerkschaften CGZP ist nicht tariffähig . Die Spitzenorganisation der Christlichen Zeitarbeitsgewerkschaften hätte nie Tarife für Leih- und Zeitarbeiter abschließen dürfen, entscheiden die Richter. Nun könnte es für Hunderttausende Leiharbeiter Lohnrückzahlungen geben .

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Leserkommentare
  1. Die Konjunktur zieht weiter an unddie Arbeitslosigkeit sinkt auf den niedrigsten Stand seit 1992.

    2005 hatten wir rund 5 Mio Arbeitslose und 2010 sind es immer noch zwischen 4,5 bis 5 Mio - wenn man sich die Zahlen der BA ausgiebig anschaut. Und Kurzarbeiter gibt es auch noch. Der Trick sind die Änderungen der Definitionen.

    Nun könnte es für Hunderttausende Leiharbeiter Lohnrückzahlungen geben

    Frau Goll, hier sind sicherlich NACHZAHLUNGEN gemeint und keine Rückzahlungen - oder? Denn letzeres würde allem die Krone aufsetzen.

    Ansonsten wünsche ich einen guten Rutsch nach 2011

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