ExistenzgründerMehr Migranten machen sich selbständig

Einwanderer wagen deutlich öfter als Deutsche den Schritt in die Selbstständigkeit, so eine IAB-Studie. Allerdings gründen die Migranten oft aus Mangel an Alternativen.

Immer mehr Migranten machen sich selbständig. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag in Nürnberg vorgestellte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) und des Instituts für Wirtschafts- und Kulturgeographie der Leibniz-Universität Hannover. In den vergangenen dreieinhalb Jahren machten sich rund sieben Prozent der Migranten selbstständig oder waren dabei, es zu tun. Bei den Menschen ohne Migrationshintergrund waren es unter fünf Prozent.

Als Gründe nannte die Studie zum einen das höhere Arbeitslosigkeitsrisiko von Einwanderern und deren Schwierigkeit, eine Stelle als Arbeitnehmer zu bekommen. Vielfach würden ausländische Berufsabschlüsse nicht anerkannt, es fehle an Sprachkenntnissen oder Ausländer würden diskriminiert. Viele Migranten machten deshalb "aus der Not eine Tugend und entscheiden sich für die Selbständigkeit anstelle von Arbeitslosigkeit", erklärten die Autoren.

Anzeige

Zum anderen spielten offenbar auch kulturelle Faktoren eine wichtige Rolle. Weil viele Migranten aus Ländern stammten, in denen berufliche Selbständigkeit weitaus verbreiteter sei als in Deutschland, orientierten sie sich an diesen Vorbildern. Unternehmen von Migranten seien zudem häufiger international aktiv. Da sie häufig noch lange sehr eng mit ihren Herkunftsländern verbunden blieben, seien sie mit deren kulturellen Besonderheiten und Märkten besonders vertraut.

Als Migranten gelten in der Studie alle, die nicht in Deutschland geboren wurden sowie jene in Deutschland geborenen Menschen mit Migrationshintergrund, die von sich selbst sagen, sie fühlten sich dem Kulturkreis ihrer Eltern näher als dem deutschen. Als Grundlage dienten Bevölkerungsumfragen aus den Jahren 2009 und 2010, die im Rahmen des internationalen Global Entrepreneurship Monitor (GEM) erhoben worden waren.

 
Leserkommentare
  1. Wenn ich eine Parallelgesellschaft etabliere, so habe ich einen neuen, ungesättigten Markt. Und dieser wird logischerweise zuerst von denen besetzt, die die Strukturen der Paralellgesellscahft kennen und Wettbewerbsvorteile durch kriminierende Förder-Subventionen bekommen.

    Eine Schlussfolgerung zwischen den Genen der Gesellschaften ist nur dann möglich, wenn ein gleiches Biotop geschaffen wird. So sollte man zB. nur die Gründungen mit gesamtgesellschaftlichen Nutzen vergleichen, sowie deren Bilnazhöhen...

  2. Zitat: "Als Migranten gelten in der Studie alle, die nicht in Deutschland geboren wurden sowie jene in Deutschland geborenen Menschen mit Migrationshintergrund, die von sich selbst sagen, sie fühlten sich dem Kulturkreis ihrer Eltern näher als dem deutschen"

    Warum wurden die in Deutschland geborenen Migranten von der Studie ausgeschlossen die von sich sagen, dass sie in zwei Kulturen zuhause sind? Oder die, die sich ihrer Herkunftskultur näher fühlen.
    Zu welchen Ergebnissen führt eine Studie, die alle "Migranten" einbezieht?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service