Hubertus Meyer-Burkhardt Quälend wie ein Kündigungsgespräch

In seinem Roman "Die Kündigung" beschreibt Hubertus Meyer-Burckhardt, was der Verlust der Arbeit bedeutet. Herausgekommen ist ein eitles und langweiliges Buch.

Romane über Kündigungen liegen im Trend. Geschrieben werden sie häufig von erfolgreichen Karrieremenschen, oft aus der Medienbranche. Die RTL-Einrichtungsexpertin Tine Wittler hat schon eins verfasst. Und nun ist Hubertus Meyer-Burckhardt dran: Die Kündigung ist das Romandebüt des TV-Moderators, seines Zeichens Produzent und Vorstandsmitglied im Springer-Verlag und der ProSiebenSat.1-Gruppe. Er führt seit Jahren durch die NDR-Talkshow. Der Mann hat schon viel gesehen, viel gehört und noch mehr wegmoderiert.

Eine ordentliche Kündigungsszene gibt es in seinem Buch auf allen 160 Seiten nicht. Der Protagonist Simon Kannstatt hat seinen Managerposten in einer internationalen Investmentfirma bereits verloren. Nur einmal denkt er ans Gespräch, in dem der Chef von "Freisetzung" spricht und er, der Erfolgreiche, nicht versteht, was das heißt. Mit seiner Entlassung bricht für ihn eine Welt zusammen. Er hat nichts außer seiner Arbeit und kann dem Verlust der Karriere nichts entgegensetzen. Man könnte auch sagen: Kannstatt ist eine arme Sau.

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Weil er nicht weiß, wohin, macht er erst einmal weiter. Er, der Vielflieger, fühlt sich nur in der Business-Class wohl und an Flughäfen, wo er durch endlose Korridore irrt. Was er wirklich denkt und fühlt, bleibt dem Leser ein Rätsel. Kannstatt ist der Prototyp eines Verdrängers. Einer, der die Verantwortung für sein Leben an andere abgegeben hat. Einer, der emotionaler Konfrontation aus dem Weg geht und der außer Verachtung und Zorn der Welt nicht viel zu geben hat.

Buchcover "Die Kündigung" von Hubertus Meyer-Burckhardt

Buchcover "Die Kündigung" von Hubertus Meyer-Burckhardt

Schließlich unternimmt er eine Reise ins Innere, auf der er seinen Träumen nachspürt. Diese Reise führt ihn vom Flughafen in Zürich nach New York, wo er in Flughafennähe in einer schäbigen Pension absteigt. Der Eigentümer dieser Pension ist ein selbst ernannter Retter des Rock'n'Roll, und er besitzt, welch ein Zufall, auch einen Plattenladen. Dort hängt Kannstatt fortan ab, lernt die lesbische Platten-Verkäuferin Patti kennen und erinnert sich an die Ideale seiner Jugend: Rock'n'Roll. Alles ist wahnsinnig cool, wahnsinnig urban und wahnsinnig stereotyp.

Meyer-Burckhardt hat in der Figur des Simon Kannstatt nicht nur einen holzschnittartigen Protagonisten erschaffen, dessen trauriges Dasein er aus der Perspektive des Ich-Erzählers darstellt. Er setzt ihm auch noch genauso holzschnittartige Figuren entgegen: Der gelackte Businesstyp trifft abgehalfterte Rock'n'Roller. Seitenlang lässt Meyer-Burckhardt die Figuren über Rock- und Popkultur diskutieren. Doch daraus ergibt sich nichts. Man fragt sich, wozu das gut sein soll. Will Hubertus Meyer-Burckhardt etwa beweisen, dass er ein echter Rock'n'Roller ist?

Ansonsten zeigt Meyer-Burckhardt, dass er nicht gerade subtil mit Sprache und Symbolik umgeht. Überall verkleckert er überflüssige Adverbien. Mal tasten sich Kannstatts Blicke "vorsichtig" durch den Raum, dann läuft Kannstatt "hastig" hin und her oder er wird "unsanft" am Unterarm gestoßen. Meyer-Burckhardt versucht krampfhaft, sein Buch feuilletonistisch aufzuwerten. Darum hat er seinem Werk wohl auch das Gedicht Der Panther von Rainer Maria Rilke vorangestellt: "Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe so müd geworden, dass er nichts mehr hält. Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gebe und hinter tausend Stäben keine Welt." 

Nicht dass der Leser noch vergisst, dass das hier nicht nur die Geschichte von einem ist, der mit dem Job auch den Sinn seines Lebens verliert, sondern vor allem ein Stück Literatur! Dabei schleppt sich die Handlung quälend wie ein Kündigungsgespräch dahin. Auch nach 160 Seiten ist Simon Kannstatt nicht geläutert. Sympathischer ist er einem auch nicht geworden. Aber das war wohl auch nicht Sinn des Buches. Kannstatt findet übrigens weder eine neue Herausforderung noch bekommt er seine Aggressionen in den Griff. Er verschwindet einfach.

Meyer-Burckhardt wechselt an dieser Stelle – sozusagen als fulminantes Ende – die Erzählebene und berichtet, dass die von Kannstatt getrennt lebende Ehefrau vermute, der Ex-Manager lebe unter einer neuen Identität im Ausland.

Schön für ihn.

 
Leser-Kommentare
  1. Redaktion

    Lieber ChristofKehr,

    Sie haben Recht! Natürlich handelt es sich um Adverbien und keine Adjektive, das ist mir im Eifer des Verrisses durchgerutscht, Herr Meyer-Burckhardt sieht also: auch diejenigen, die das Buch nicht so gelungen finden, sind selbst nicht perfekt. Ich nehme aber an, er wird dies verschmerzen. Immerhin als Moderator gefällt er ja einem Massenpublikum.

    Und Ihnen danke ich für das aufmerksame Lesen und auch den netten Kommentar.

    Herzlich aus der ZEIT-ONLINE-Redaktion in Berlin,

    Tina Groll

    Antwort auf "ich lese gerne ...."
  2. Ich möchte doch zu bedenken geben: Die Wörter "vorsichtig", "hastig" und "unsanft" sind Adjektive und keine Adverbien. Außerdem funktioniert das "Verkleckern" bei Adverbien nicht gut, weil diese sich nicht gar so gern reihen lassen, bei Adjektiven geht das jedoch ausgezeichnet, glänzend, ganz wunderbar, prächtig, prachtvoll.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Da liegen Sie falsch! An der äußeren Form allein kann man nicht erkennen, ob es sich hier um ein Adjektiv oder ein Adverb handelt, anders als z.B. im Englischen , wo ein angehängtes "ly" aus einem Adjektiv ein Adverb macht (etwas, worüber viele Deutsche im Englischen stolpern, wohl auch Sie, da Sie den Unterschied nicht einmal im Deutschen kennen).

    Ein Adjektiv beschreibt ein Objekt oder einen Zustand, ein Adverb dageben eine Tätigkeit, daher Ad-verb.
    Wenn also jemand "hastig läuft", dann ist "hastig" in diesem Fall ein Adverb, da die Tätigkeit des Laufens näher beschrieben wird. Wenn aber "der Gang hastig" ist, dann wird ein Objekt, nämlich der Gang, näher beschrieben, "hastig" ist also in diesem Fall ein Adjektiv.

    Also, liebe(r) lyriost, erst wissen, dann posten, gelle? ;-)

    Da liegen Sie falsch! An der äußeren Form allein kann man nicht erkennen, ob es sich hier um ein Adjektiv oder ein Adverb handelt, anders als z.B. im Englischen , wo ein angehängtes "ly" aus einem Adjektiv ein Adverb macht (etwas, worüber viele Deutsche im Englischen stolpern, wohl auch Sie, da Sie den Unterschied nicht einmal im Deutschen kennen).

    Ein Adjektiv beschreibt ein Objekt oder einen Zustand, ein Adverb dageben eine Tätigkeit, daher Ad-verb.
    Wenn also jemand "hastig läuft", dann ist "hastig" in diesem Fall ein Adverb, da die Tätigkeit des Laufens näher beschrieben wird. Wenn aber "der Gang hastig" ist, dann wird ein Objekt, nämlich der Gang, näher beschrieben, "hastig" ist also in diesem Fall ein Adjektiv.

    Also, liebe(r) lyriost, erst wissen, dann posten, gelle? ;-)

  3. Mir fällt folgendes auf: alle möglichen aus dem Fernsehen bekannte Menschen schreiben in einer Schwemme Romane und finden damit große Verlage. Mathieu Carriere ist ein anderer. Boris Becker kommt auch irgendwann. Naja, warum wird so ein Buch in der ZEIT besprochen? Warum nicht mal ein spannendes Buch aus kleinen Verlagen ausgraben? Ich weiß, zumindest die erste Frage ist eine fiese.

    • hagego
    • 08.04.2011 um 17:06 Uhr

    .
    Natürlich schreibt ein Schriftsteller nicht nur über das, was er selbst erlebt hat. Sonst dürfte es ja kaum so viele Krimi-Autoren geben.

    Aber wenn man nicht von den eigenen Erfahrungen spricht, braucht man eben außer einer gewissen "Sprachbegabung" sehr viel Fantasie. Und später einen guten Lektor, der diese überbordende Fantasie wieder ein wenig abschmirgelt.

    Wer es als Moderator gewohnt ist, "Klappentexte" über seine Gäste voranzustellen, der wird es, wenn er selbst mit dem Schreiben beginnt, schwer haben, sich davon zu lösen. Hellmuth Karasek kann ein Lied davon singen. Und jetzt hat es auch Hubertus Meyer-Burckhardt erwischt.

  4. Nach dem nun auch der Talkmaster Hubertus Müller-Burghard ein Buch geschrieben hat,auf das niemand gewartet und auch niemand braucht,wird er ja durch die Talkshows seiner befreundeten Kumpanen der anderen Sender ziehen und mit riesigem Tamtam kostenlose Werbung bekommen.
    Es wird mir übel,wenn ich sehe,mit welch einer Abgebrühtheit und Arroganz die Damen und Herren auf Kosten der Gebührenzahler nicht nur exorbitante Gehälter beziehen, sondern auch noch unverfroren sonstige Einkünfte generieren.
    Kann mir mal jemand erklären,ob es da keine Kontrollgremien gibt.

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