Als Carla Große* ihren ersten Job nach der Universität begann, war sie hoch motiviert. Die Sozialwissenschaftlerin hatte in einem großen Unternehmen einen befristeten Vertrag als Projektassistentin unterschrieben. Sie kniete sich in ihre Aufgabe rein. Wegen der befristeten Beschäftigung brachte sie noch mehr Leistung, immer mit der Hoffnung, einen unbefristeten Job zu bekommen. Der Projektleiter merkte schnell, was er an ihr hatte und zog sich immer mehr aus dem Projekt zurück – noch mehr Arbeit für Große. Bald fühlte sich die junge Frau erschöpft, litt unter Schlafstörungen, fand kaum noch Erholung. Nach mehreren Monaten ging sie schließlich zum Arzt. Der diagnostizierte Burn-out, verschrieb leichte Antidepressiva, empfahl ihr Psychotherapie und Coaching .

Burn-out trifft nicht mehr nur Führungskräfte oder Menschen in sozialen Berufen im mittleren Alter. Auch immer mehr Berufsanfänger leiden unter dem Ausgebranntsein. Nach Studien der Krankenkassen DAK, TK und AOK leidet jeder zehnte Berufstätige unter 30 Jahren unter Schmerzen ohne organische Ursachen, meist begleitet von Burn-out und Depressionen. Auch der Betriebskrankenkassen Bundesverband beobachtet, dass seit 2004 immer mehr junge Arbeitnehmer mit der Diagnose Burn-out krankgeschrieben werden.

Die Psychologin Heike Haker wundert es nicht, dass auch schon die Jungen psychisch krank werden: "Berufsanfänger kommen vollgestopft mit Wissen in die Unternehmen, wollen was verändern, zeigen, dass sie etwas können. Und dann kommt der Praxisschock." Menschen, die schon lange im Unternehmen sind und idealistische Berufsanfänger – "da prallen Kulturen aufeinander." Ernüchterung macht sich breit, das Arbeitsleben ist anders als erwartet. Entscheidungen dauern länger, Abstimmungsprozesse müssen eingehalten werden, frische Ideen werden abgetan.

Verschärft wird dieser Prozess durch prekäre Beschäftigungsverhältnisse , Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt und doppelte Tarifstrukturen. Vor allem Berufsanfänger bekommen befristete, deutlich schlechter bezahlte Stellen. "Die Befristung potenziert den Perfektionismus, den viele Berufsanfänger an den Tag legen . Sie denken, dass sie ständig beweisen müssen, dass sie die Richtigen für den Job sind", sagt Haker. Aus Angst davor, dass der Vertrag nicht verlängert wird oder jemand anders den nächsten befristeten Vertrag bekommt, gehen viele ans Limit ihrer Leistungsgrenzen. "Gerade wenn man noch nicht gearbeitet hat, kann man seine Energieressourcen schlecht einschätzen", sagt Haker. "Aus dem Studium kennen junge Menschen zwar die intensiven Lernphasen vor Prüfungen. Dann denken viele, dass sie es auch dauerhaft im Beruf schaffen, 14 Stunden am Tag zu arbeiten. Aber das geht eben nicht."

Während es an der Universität oder in der Ausbildung nach Prüfungsphasen eindeutige Ergebnisse und oft auch Wertschätzung für das Geleistete gibt, kennt das Arbeitsleben einen solchen Rhythmus nicht. Bleibt Lob aus, steigt der Stress zusätzlich. Die meisten Berufsanfänger haben zudem noch nicht die nötige Distanz zum Arbeitsplatz. Sie werten Kritik häufiger als ein persönliches Scheitern.

Dabei ist es für Hochschulabsolventen und junge Facharbeiter gleichermaßen schwierig einzusteigen, sagt Haker. "Junge Menschen hatten in ihrer Ausbildung zwar schon einen Einblick in das Berufsleben, in den einzelnen Bereichen aber oft nur für kurze Zeit." Zugleich haben sich auch die Anforderungen verschärft.