Tiere im BüroKollege Hund

Haustiere können im Arbeitsalltag Stress lindern und das Team zusammenschweißen. Sogar der Tierschutzbund propagiert den Bürohund - wenn die Voraussetzungen stimmen. von 

Das Bürohunde-Rudel der Stephan GmbH in Gackenbach hat auf dem Firmengelände einen eigenen Auslauf.

Das Bürohunde-Rudel der Stephan GmbH in Gackenbach hat auf dem Firmengelände einen eigenen Auslauf.  |  © Bianka Gerharz

Wenn sie nicht gerade schlafen, klauen Paul, Ellie, Jette, Remo, Smoky, Jamy und Abby in Ilka Dorns Werbeagentur schon mal Kekse vom Konferenztisch. Kommt Besuch, verbellen sie ihn. Ihre Mitarbeiter und Kunden, sagt Dorn, sind daran gewöhnt, sie nehmen es mit Humor. 13 Mitarbeiter und sieben Hunde gehören zu der Firma; wer bei Ilka Dorn anfangen will, darf, was die Vierbeiner angeht, weder Angst noch Allergie haben. Drei Setter und einen Labrador bringt die Geschäftsführerin selbst mit zur Arbeit, ein Beagle und zwei Mischlinge gehören ihren Mitarbeitern. Dorn ist überzeugt von den Vorteilen. Klar, manchmal nerve das Kläffen. "Aber man hat immer ein Ventil." Einen Hund zu streicheln, sagt Dorn, könne Trost spenden und Stress abbauen.

Studien geben ihr Recht: Eine Forschergruppe an der Buffalo University New York fand etwa 2001 heraus, dass die Anwesenheit von Haustieren in Stresssituationen den Blutdruck senken kann. Die Wissenschaftler verordneten Börsenmaklern einen Hund oder eine Katze. Gerieten die Geschäftsleute in Stress, stieg der Blutdruck der Haustierhalter nicht einmal halb so stark an wie der Blutdruck der Makler in der Kontrollgruppe. Vor allem diejenigen, die sonst wenige soziale Kontakte pflegten, profitierten von der Interaktion mit den Tieren.

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Arbeitspsychologe Tim Hagemann überraschen solche Ergebnisse nicht. "Soziale Interaktion wirkt eigentlich immer positiv", sagt er. Hunde würden in Unternehmen häufig regelrecht Mitglieder des Teams. Für viele Mitarbeiter bedeute es eine Entlastung, ihr Haustier mitnehmen zu können; gleichzeitig könne dessen Anwesenheit das Betriebsklima verbessern. Und wenn sich Kollegen gemeinsam um ein Tier kümmern, trage das zur Teambildung bei.

Nur Hunde fühlen sich im Büro wohl

Dass das funktionieren kann, bestätigt Bianka Gerharz. Sie arbeitet bei einem Familienunternehmen, das Medizintechnik herstellt und auf dem Firmengelände ein kleines Hundeparadies geschaffen hat: Acht weiße Schäferhunde haben dort ihr eigenes, eingezäuntes Grundstück mit Gartenhütte. Im Winter bekommen sie einen kleinen Ofen. Und wenn ein Hund mal kränkelt, darf er mit ins Büro. "Das hat mit Sicherheit einen positiven Effekt auf die Gemeinschaft", sagt Gerharz. Die Kollegen gingen zusammen Gassi und träfen sich auch mal am Wochenende gemeinsam mit ihren Hunden. 

Ein ähnlich positiver Effekt aufs Team wäre zwar auch denkbar, wenn Katzen und Kaninchen das Büro bevölkern. Laut Tierschutzbund ist der Hund aber das einzige Tier, das sich dort wohlfühlt: Katzen blieben am liebsten im vertrauten Revier, Kleintiere reagierten sensibel auf Stress, nachtaktive Tiere kämen vom Rhythmus her nicht infrage. Und kein anderes Tier fahre gern mit dem Auto hin und her. Hunde im Büro findet der Tierschutzbund aber sogar so gut, dass er einen eigenen Aktionstag veranstaltet, um für sie zu werben.

Das Argument der Tierschützer: Kann der Hund mit ins Büro, muss er nicht alleine zu Hause bleiben. Das mag er nämlich nicht. Trotzdem geben sie einige Dinge zu bedenken: Ein Bürohund brauche einen ruhigen Platz zum Liegen, frisches Wasser und Futter zu den gewohnten Zeiten. Außerdem sollte das Gassigehen geregelt sein – und der Hund gut erzogen.

Dabei kann eine Hundeschule helfen. Es gibt mittlerweile eigene Trainings für Bürohunde, zum Beispiel an der Hundeschule Baden-Württemberg. Deren Leiterin Monika Lanaridis-Weiss sagt: Auf die Rasse komme es beim Bürohund nicht an, eher auf den Charakter. In ihren Kursen bringt sie den Hunden zum Beispiel bei, auf leise Kommandos zu hören, damit niemand durchs Büro brüllen muss. Außerdem, sagt Lanaridis-Weiss, müssten sie mit klingelnden Telefonen klarkommen und dürften nicht jeden Besucher anspringen. "Die Hunde müssen eine hohe Reizschwelle haben."

Stimmen die Voraussetzungen, steht dem Hund als blutdrucksenkende Teambildungsmaßnahme nichts mehr im Wege – außer vielleicht der Vorgesetzte. Ohne seine Zustimmung geht gar nichts. Noch sind Tiere im Büro aber hauptsächlich bei jungen, kreativen Unternehmen akzeptiert und bei Chefs, die selbst welche haben. Zwar berichten Ilka Dorn und Bianka Gerharz, dass auch eher ängstliche Kollegen die Firmenhunde zu schätzen gelernt hätten. Aber ein Chef, der mit den Vierbeinern nichts am Hut hat, wird nur schwierig von ihren Vorzügen am Arbeitsplatz zu überzeugen sein – was wiederum Allergiker freuen dürfte. Eine Ausnahme ist Google: Der Konzern hat eine weltweite dog policy . Dort sind Hunde in jeder Abteilung willkommen.

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Leserkommentare
    • oma007
    • 02. September 2011 12:10 Uhr

    ich denke mir immer "warum zum Geier, schleppen die hier Tiere rein???"

    • kapomuk
    • 02. September 2011 12:35 Uhr

    "Aber ein Chef, der mit den Vierbeinern nichts am Hut hat, wird nur schwierig von ihren Vorzügen am Arbeitsplatz zu überzeugen sein – was wiederum Allergiker freuen dürfte. Eine Ausnahme ist Google: Der Konzern hat eine weltweite dog policy. Dort sind Hunde in jeder Abteilung willkommen."

    ... und Allergiker also nicht! Muss man in Zukunft bei jeder Bewerbung auf einen Bürojob fragen, ob Tierhaare am Arbeitsplatz zu erwarten sind?

    Man kann auch alles übertreiben!

    2 Leserempfehlungen
    • Arrian
    • 02. September 2011 13:58 Uhr

    ... die für den einen oder anderen aus gesundheitlichen oder sonstigen Gründen nicht in Frage kommen. In Anbetracht der zahlreichen Vorteile wird man also mit diesem kleinen Nachteil leben können.

    Danke für diesen Artikel.

    3 Leserempfehlungen
  1. Ich hab selbst meinen Hund mit auf meinem Arbeitsplatz/Büro. Ist echt schön. Ohne fehlt mir inzwischen was.
    Ist aber nur eine kleine franz. Bulldogge.

    Alle Mitarbeiter, alte und neue Kunden sowie Dienstleister bis hin zum Briefträger mögen Sie und der Hund ist schon ne Art "Mitarbeiter".

    Ich weiß es ist ein Privileg und vom Chef/Firma abhängig aber ehrlich gesagt ich würde nicht mehr ohne wollen.

    So lange die Arbeit weiterhin klappt, der Hund erzogen ist und nicht stört glaube ich kann dies nur gut für ein Unternehmen sein.

    Aber klar, wenn man Allergiker hat/ist geht das natürlich nicht.

    • Maeva_8
    • 02. September 2011 14:47 Uhr

    ... einfach mal arbeiten, wenn man im Job angekommen ist?

    Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum immer mehr Leute dabei Radio hören müssen, ihren Hund mitnehmen, sich persönlich / häuslich einrichten ...

    Ich denke, wenn man einfach mal akzeptiert, dass diese Zeit dafür da ist, den Job zu erfüllen, für den man unterschrieben hat, dann ist die ganze Kompensation nicht mehr notwendig.

    Vielleicht lernt man dann, sich auf eine Sache wirklich zu konzentrieren und vielleicht schlägt sich das auch positiv auf die Qualität oder Quantität der Arbeitsergebnisse nieder.

    Es gibt sicher eine - prozentual geringe - Gruppe Arbeitnehmer, die gerade vor wirklichen Problemen steht. Alle anderen haben - wenn überhaupt - "Luxus"probleme.

    Das ist meine ganz persönliche Meinung - und mit dieser Einstellung habe ich bisher immer sehr gute Arbeitsergebnisse und damit auch Zufriedenheit im Job erreicht.

    Schönes Wochenende!
    Jetzt ist (für die meisten) Zeit für alles Andere

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ja, das sagen viele wenn man noch keine Erfahrung mit diesem Thema hat.
    Die Arbeitsleistung bleibt aber gleich bis etwas höher und man kann "theoretisch" länger bleiben weil man sich ja eh um das Tier gekümmert hat.

    Die Motivation der Mitarbeiter ist ne andere und die allgemeine Stimmung wird auch besser.

    Aber Voraussetzung ist aber wie oben beschrieben das dass Tier erzogen ist und nicht quängelt, ablenkt oder die Mitarbeiter nervt.

    • snoek
    • 16. September 2011 10:36 Uhr

    "Ich verstehe ehrlich gesagt nicht, warum immer mehr Leute dabei Radio hören müssen, ihren Hund mitnehmen, sich persönlich / häuslich einrichten ..."

    Und wehe es wird geschwätzt bei der Arbeit. Klopausen werden von der Arbeitszeit subtrahiert. Arbeitsbedingungen wie in China. Das steigert die Effizienz ungemein.

    Neben der eigentlichen Arbeit hat die Arbeit auch eine soziale Komponente. Die ist Ihnen offensichtlich nicht so wichtig. Aber vielen anderen Menschen schon. Radio hören pusht mich, völlige Stille, höchstens ausgeweicht vom Lärm der Straße, wäre für mich eine beklemmende Arbeitsatmosphäre.

    Zum Artikel:

    Es wäre ein Traum den Hund mitzunehmen. Es ist bei uns leider nicht erlaubt, deshalb habe ich den Hund bisher nur stundenweise zur Überbrückung von Betreuungsengpässen rein geschmuggelt. Das war toll. Meine Kollegen lieben den Hund, die Stimmung hebt sich mit seinem Erscheinen augenblicklich. Glücklicherweise hat keiner (mehr) eine Tierhaarallergie, ich habe vorher alle gefragt.

    Ich bin verhältnismäßig produktiv, obwohl ich mich jeder erdenklichen Ablenkung hingebe. So waren auch die Zeiten, als der Hund da war, kein Einbruch meiner Arbeitsleistung. Das ist gut nachweisbar, weil wir Statistiken führen. Statt zu bloggen habe ich mit dem Hund getobt.

  2. Ja, das sagen viele wenn man noch keine Erfahrung mit diesem Thema hat.
    Die Arbeitsleistung bleibt aber gleich bis etwas höher und man kann "theoretisch" länger bleiben weil man sich ja eh um das Tier gekümmert hat.

    Die Motivation der Mitarbeiter ist ne andere und die allgemeine Stimmung wird auch besser.

    Aber Voraussetzung ist aber wie oben beschrieben das dass Tier erzogen ist und nicht quängelt, ablenkt oder die Mitarbeiter nervt.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wie wäre es mit ..."
  3. Auch in meinem Unternehmen haben wir Mitarbeiter, die regelmäßig ihre Hunde mitbringen, wenn sie niemand haben, der sonst auf sie aufpasst. Eine echte Bereicherung und sehr vorteilhaft auf die gesamte Arbeitsatmosphäre.

    Eine Leserempfehlung
  4. Wer während der Arbeit gerne Tiere um sich hat, sollte sich entweder eine Stelle im Zoo oder im Schlachthof besorgen.
    Ansonsten gilt doch wohl immer noch: Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps.

    2 Leserempfehlungen
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    sie böser Mensch, Sie ;-) Klasse!

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