Bundeswehrsoldaten sind wegen der stetigen Reformen zunehmend von Burn-out bedroht. Der Bundeswehrverband hat vor einer "noch nie dagewesenen Belastungsprobe" gewarnt.

Laut dem Vorsitzenden Ulrich Kirsch "ist der Dienst in der Bundeswehr zu einem Dauerprovisorium geworden". Es gebe keine verlässlichen Strukturen mehr, nach denen die Männer und Frauen planen könnten. Das sorge bei den Soldaten und ihren Familien für Frust, Unruhe und Erschöpfung, die Motivation gehe verloren, die Effektivität der Arbeit sinke. Konkrete Zahlen darüber, wie viele Soldaten bereits an einem Burn-out leiden, nannte Kirsch nicht. Es handele sich um eine "Grauzone".

Soldaten seien laut Kirsch besonders hinsichtlich ihrer Zukunft unsicher. Auch seien viele unzufrieden mit dem täglichen Dienst. Es sei viel Vertrauen verlorengegangen, viele überlegten, die Truppe zu verlassen. Kirsch kritisierte, dass die Zahl der Soldaten zwar massiv abgebaut werde, die Aufgaben aber dieselben blieben. Damit die Soldaten die Umstrukturierung als Chance sähen, müsse es jetzt Signale geben, allen voran einen besseren Ausgleich für Überstunden, forderte er. "Es darf keine Reformverlierer geben", sagte der Kirsch.

Sechs Bundeswehrreformen seit 1990

Die Bundeswehr hat nach Kirschs Angaben seit 1990 sechs Reformen erlebt. Aus jeder Reform gebe es noch heute "Altlasten" abzuarbeiten, was aber immer schwieriger werde. Auch die Aussetzung der Wehrpflicht sei "politisch unglücklich gelaufen". Über einen ganz kurzen Zeitraum hinweg hätten sich die Streitkräfte dadurch völlig verändert. Zum 1. Juli war nach mehr als 50 Jahren die Wehrpflicht offiziell ausgesetzt worden und die Bundeswehr zu einer Freiwilligenarmee geworden.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will die Truppe von derzeit 200.000 auf 175.000 bis 185.000 Soldaten verkleinern. Die Entscheidung darüber, welche Standorte geschlossen werden, soll am 26. Oktober veröffentlicht werden.

Stress ist zunehmend der Grund für Arbeitsausfälle. Während klassische Unfälle wie Stürze oder Quetschungen seltener werden, nehmen einer Studie der Dekra zufolge Burn-out und innere Kündigungen zu. Durch Ausfallzeiten entstehe der deutschen Wirtschaft jährlich ein Schaden von 43 Milliarden Euro.