Burn-out : Bundeswehrverband warnt vor Überlastung der Soldaten

Die vielen Reformen strapazieren die Soldaten zu sehr, kritisiert der Bundeswehrverband. Besonders Überstunden und Zukunftsängste setzten ihnen zu.
Bundeswehrsoldaten warten während einer Vereidigung in Berlin (Archiv). © Andreas Rentz/Getty Images

Bundeswehrsoldaten sind wegen der stetigen Reformen zunehmend von Burn-out bedroht. Der Bundeswehrverband hat vor einer "noch nie dagewesenen Belastungsprobe" gewarnt.

Laut dem Vorsitzenden Ulrich Kirsch "ist der Dienst in der Bundeswehr zu einem Dauerprovisorium geworden". Es gebe keine verlässlichen Strukturen mehr, nach denen die Männer und Frauen planen könnten. Das sorge bei den Soldaten und ihren Familien für Frust, Unruhe und Erschöpfung, die Motivation gehe verloren, die Effektivität der Arbeit sinke. Konkrete Zahlen darüber, wie viele Soldaten bereits an einem Burn-out leiden, nannte Kirsch nicht. Es handele sich um eine "Grauzone".

Soldaten seien laut Kirsch besonders hinsichtlich ihrer Zukunft unsicher. Auch seien viele unzufrieden mit dem täglichen Dienst. Es sei viel Vertrauen verlorengegangen, viele überlegten, die Truppe zu verlassen. Kirsch kritisierte, dass die Zahl der Soldaten zwar massiv abgebaut werde, die Aufgaben aber dieselben blieben. Damit die Soldaten die Umstrukturierung als Chance sähen, müsse es jetzt Signale geben, allen voran einen besseren Ausgleich für Überstunden, forderte er. "Es darf keine Reformverlierer geben", sagte der Kirsch.

Sechs Bundeswehrreformen seit 1990

Die Bundeswehr hat nach Kirschs Angaben seit 1990 sechs Reformen erlebt. Aus jeder Reform gebe es noch heute "Altlasten" abzuarbeiten, was aber immer schwieriger werde. Auch die Aussetzung der Wehrpflicht sei "politisch unglücklich gelaufen". Über einen ganz kurzen Zeitraum hinweg hätten sich die Streitkräfte dadurch völlig verändert. Zum 1. Juli war nach mehr als 50 Jahren die Wehrpflicht offiziell ausgesetzt worden und die Bundeswehr zu einer Freiwilligenarmee geworden.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) will die Truppe von derzeit 200.000 auf 175.000 bis 185.000 Soldaten verkleinern. Die Entscheidung darüber, welche Standorte geschlossen werden, soll am 26. Oktober veröffentlicht werden.

Stress ist zunehmend der Grund für Arbeitsausfälle. Während klassische Unfälle wie Stürze oder Quetschungen seltener werden, nehmen einer Studie der Dekra zufolge Burn-out und innere Kündigungen zu. Durch Ausfallzeiten entstehe der deutschen Wirtschaft jährlich ein Schaden von 43 Milliarden Euro.

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16 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Arme Soldaten

Mir kommen echt die Tränen, denn in dem jungen Alter und dann mit einem Sold, den so mancher ältere Arbeitnehmer nicht verdient, der rund um die Uhr für seinen Chef in "Hab-Acht-Stellung" verbringen muss, würde so mancher "Alte" sicherlich tauschen.

Na ja, solange in den meisten Teilen der Bundeswehr von Freitag 13.00 Uhr bis Montag 08.00 Uhr sowieso kein Kriegsausbruch geplant ist, können unsere Salon-Soldaten wenigstens in der Heimat ihren Streß abbauen - vielen Angestellten in den Dienstleistungssektoren und im Verkehrswesen ist das nicht gegönnt.

Ein Berufskraftfahrer hat nach 6 Arbeitstagen lediglich 45 Stunden frei, wenn überhaupt und er noch auf "Scheibe" und nicht auf "Karte" fährt!

Willkommen im 21. Jahrhundert

Wenn man sich heutzutage mal so in den Medien umschaut, könnte man meinen, dass inzwischen 90% aller Arbeitnehmer burnout- und depressionsgefährdet sind.

"Es gebe keine verlässlichen Strukturen mehr, nach denen die Männer und Frauen planen könnten. Das sorge bei den [HIER BELIEBIGE BERUFSGRUPPPE EINSETZEN] und ihren Familien für Frust, Unruhe und Erschöpfung, die Motivation gehe verloren, die Effektivität der Arbeit sinke. Konkrete Zahlen darüber, wie viele [HIER BELIEBIGE BERUFSGRUPPPE EINSETZEN] bereits an einem Burn-out leiden, nannte Kirsch nicht. Es handele sich um eine "Grauzone".[HIER BELIEBIGE BERUFSGRUPPPE EINSETZEN] seien laut Kirsch besonders hinsichtlich ihrer Zukunft unsicher. Auch seien viele unzufrieden mit dem täglichen Dienst."

BRD = Burn-out Republik Deutschland?

Dass die Betroffenen unter der Erkrankung leiden ist eine schlimme Sache und man sollte sie ernst nehmen und die notwendigen Schritte zur Linderung des Problemes ergreifen.

Trotzdem frage ich mich, wieso plötzlich jeder mit diesem Modewort um die Ecke kommt? Wieso nennt keiner die wirklichen Krankheiten, die sich dahinter verbergen?

Mir kommt diese ganze Burn-out Diskussion so vor, als ob es um die Verleihung eines Ordens ginge. Sozusagen als Auszeichnung für besonders leistungsstarke und engagierte Menschen, denn andere bekommen ja keinen Burn-out, sondern eher eine Depression oder Angststörung. Mich erinnert das an die Sichtweise des Herzinfarktes als Indikator für hohe Leistung.

Sagt man, man habe eine Angststörung oder Depression wird man eher ausgelacht oder vielleicht sogar verachtet, spricht man hingegen von Burn-out erhält man dafür eher Anerkennung.

Dass sich hinter dem Begriff Burn-out nichts anderes verbirgt als eine Depression oder Angststörung und dass Burn-out nicht notwendigerweise die Folge einer hohen Arbeitsleistung sein muss, das verschweigt man besser, denn es könnte dem guten Image des Begriffes abträglich sein.