Mit Frauen in der Führungsetage wirtschaften Unternehmen erfolgreicher. Das ist das Kernergebnis einer Untersuchung des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young bei den 300 größten börsennotierten Unternehmen Europas. Sie vergleicht die Jahre 2005 und 2010 und lässt den Schluss zu, dass – zumindest rein statistisch gesehen – Frauen an der Unternehmensspitze ein eindeutiger Erfolgsgarant sind.

Demnach entwickelten sich die wichtigen Kennzahlen Umsatz, Gewinn, Mitarbeiterzahl und Börsenwert positiver als der Durchschnitt aller Unternehmen, wenn in den Führung sowohl 2005 als auch 2010 wenigstens eine Frau saß. Besonders groß ist der Abstand bei Umsatz und Gewinn, bilanziert die Studie. Selbst wenn mindestens eine Frau erst bis 2010 in die frühere Männerdomäne kam, wirkte sich das spürbar auf den Gewinn der untersuchten Firmen aus.

Vernichtend ist das Urteil für Konzernspitzen, die auch 2010 noch reine Männerzirkel waren. Umsatz, Gewinn, Börsenwert oder Beschäftigung: Alles ist dort schlechter als der Durchschnitt.

Frauen beeinflussen auch Teams positiv

Die Ergebnisse dürften die Diskussion um eine Frauenquote wieder beleben. Allerdings hat die Studie methodisch gesehen das Problem mit der Henne und dem Ei. Fakt ist: Dort wo Frauen in den obersten Etagen sitzen, läuft es einfach besser. Ungeklärt bleibt aber, wie groß der Anteil der weiblichen Kompetenz an diesem Phänomen ist. Sorgen die Frauen für einen wirtschaftlichen Schub? Oder ist es vielmehr so, dass in wirtschaftlich ohnehin erfolgreichen Unternehmen ein moderneres Klima herrscht, das Personalentscheidungen auch an der Managementspitze nicht vom Geschlecht abhängig macht?

Unabhängig davon haben wissenschaftliche Studien mehrfach belegt, dass Frauen Teams positiv beeinflussen – auch ein Vorstand sollte schließlich ein Team sein. So zeigten US-Wissenschaftler Mitte 2011, dass der Erfolg einer Gruppe nicht vom Intelligenzquotienten ihrer einzelnen Mitglieder abhängt. Kommen aber mehr Frauen in das Team, schneidet die Gruppe besser ab. Mehr noch: Je mehr Frauen, desto besser wird es. Die Autoren der Studie sehen einen Grund dafür in dem bei Frauen für gewöhnlich besseren "sozialen Gespür". Das wirke sich positiv auf die Gruppenprozesse aus.

In Deutschland stagniert der Frauenanteil in Vorständen

Derweil veröffentlichte auch das Deutsche Instituts für Wirtschaftsforschung ( DIW ) eine Studie zu dem Thema. Darin heißt es, die Hoffnung auf mehr Frauen in deutschen Vorständen habe sich nicht erfüllt. Ende 2011 waren nur 28 von insgesamt 943 Vorstandsposten der Top-200-Unternehmen mit Frauen besetzt. Damit liege der Frauenanteil in der Führungsetage unverändert bei etwa drei Prozent, sagte DIW-Forschungsdirektorin Elke Holst. Hier herrsche "eine männliche Monokultur". Bei den nach Umsatz größten 200 Unternehmen außerhalb des Finanzsektors gebe es nur eine weibliche Vorstandsvorsitzende.

In den Aufsichtsräten der 200 umsatzstärksten Unternehmen dagegen sind Frauen deutlich öfter vertreten. Hier habe der Anteil im vergangenen Jahr bei 11,9 Prozent gelegen – ein leichter Zuwachs von 1,3 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. "Weiterhin sind aber mehr als zwei Drittel der Frauen in Aufsichtsräten Vertreter der Arbeitnehmer und nur durch Mitbestimmungsregelungen in den Gremien", betonte die Wissenschaftlerin. In mehr als einem Viertel der Top-200-Firmen sitze noch immer keine einzige Frau im Aufsichtsrat.