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Die Anzahl der Arbeitnehmer, die wegen psychischer Erkrankungen lange ausfällt, steigt stetig. Seit dem Jahr 2000 haben sich die Fehltage aufgrund seelischer Leiden fast verdoppelt, teilte die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) mit . 12,5 Prozent aller Krankheitsausfälle gingen demnach auf psychische Erkrankungen zurück, die Tendenz sei sogar steigend. Seit 2004 habe die Zahl der Krankschreibungen aufgrund von Burn-out-Symptomen wie Erschöpfung und Antriebslosigkeit drastisch zugenommen. Habe es 2004 bei 100 Versicherten wegen solcher Symptome nur 0,6 Fehltage im Jahr gegeben, seien es 2011 rund 9 Tage gewesen.

Der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Rainer Richter, sieht die Ursache dafür vor allem in wachsendem Druck am Arbeitsplatz. Er verwahrte sich gegen den Vorwurf der Krankenkassen, dass immer mehr Arbeitnehmer wegen seelischer Leiden krankgeschrieben würden, weil auch die Zahl der Psychotherapeuten (derzeit knapp 22.000 mit Kassenzulassung) steige. Psychotherapeuten können ihre Patienten nicht krankschreiben, das könnten nur die Ärzte selbst.

Psychische Erkrankungen führten dem BPtK zufolge zu besonders langen Fehlzeiten von durchschnittlich 30 Tagen im Jahr, bei Depressionen seien es sogar 39 Tage. Die volkswirtschaftlichen Kosten beliefen sich auf 26 Milliarden Euro.

Die Bundespsychotherapeutenkammer hat für Unternehmen deshalb eine Liste mit Beratungsangeboten zur raschen Hilfe für betroffene Mitarbeiter erstellt . Bei niedergelassenen Psychotherapeuten gebe es dagegen meist monatelange Wartezeiten. Die Arbeitgeber begrüßten das Angebot zur Förderung der psychischen Gesundheit im Betrieb.