Nur Siege zählen, am besten strahlende Siege? Leser Jürgen Albers sieht das anders. Auch Mittelmäßigkeit und Niederlagen sollten Anerkennung finden.
Es gab eine Schlagzeile in den vergangenen Tagen, die lautete: "Gründe für die EM-Pleite". Pleite? Gemeint war die Deutsche Nationalelf, die nach einer grandiosen Qualifikation in dem Turnier der 16 besten europäischen Teams unter den ersten vier landete. Wenn das schon eine Pleite ist, was sollen Länder sagen, die die Teilnahme nicht geschafft haben? Oder die Niederlande, die nach drei Niederlagen wieder nach Hause gehen durften? Jahrhundertkatastrophe?
Gut ist auch anderen nicht gut genug. EBay Händler flehen um Bestbewertungen, weil alles darunter schon Nachteile brächte. Man spürt den Druck, die Angst förmlich: "Bitte bewerten Sie mich sehr gut. Schreiben Sie mich lieber vorher an."
Wir freuen uns, wenn uns Überdurchschnittliches gelingt. Wir bewundern Höchstleistungen. Schön und gut. Aber das Besondere kann nur herausragen, wenn das Ausreichende den Maßstab bildet.
Die Fans des FC Bayern beispielsweise bewundern ihr Team nur noch, wenn es jedes Jahr Meister und Pokalsieger wird. Alles andere ist schon eine Krise.
Haben wir das Maß verloren? Wir schaffen es nicht mehr, uns zu sagen, dass wir gut sind, wenn wir uns redlich bemühen. Niemand findet, dass es in Ordnung ist, auch mal einen Fehler zu machen. Dabei können wir doch gut miteinander leben, wenn jeder mit Verantwortungsgefühl und gutem Willen seinen Job erledigt, privat und beruflich. Doch akzeptiert wird nur der, der "alle Erwartungen mehr als erfüllt". Lob gibt es nur, wenn "mal wieder ein Meisterwerk vollbracht" wurde oder etwas der Top-Seller ist.
Es herrscht ein Gefühl von Zwang und permanenter Kontrolle. Die Freiheit, einfach sein zu dürfen, ging irgendwo im Wettbewerb verloren. Was bleibt, ist die Angst, nicht gut genug zu sein – trotz Anstrengung und sichtbarer Erfolge. Schließlich gilt die Maxime, es gehe alles noch besser.
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Ständig Unvermögen zu spüren und nur in seltenen Momenten die volle Anerkennung zu erfahren, kann zerstörerisch wirken. Vor allem, wenn man fürchten muss, dass einem die Anerkennung gleich wieder entzogen wird.
Aber wer ist Schuld an diesem permanenten Druck? Die Unternehmen, die sich die Allerbesten und Motiviertesten aussuchen? Wir selbst mit unseren hochfliegenden Erwartungen an Beruf und Partner, an die materielle Situation und unsere Kinder?
Trotz Erschöpfung und Frustration schaffen es zu wenige Menschen, Mittelmaß oder Scheitern bei sich selbst und anderen anzuerkennen. Dabei wäre so vieles einfacher, wenn wir uns mehr am Tun erfreuen würden – und nicht nur am Siegen.








Ein wirklich schöner Leserartikel dem ich in den meisten Dingen zustimme. Keine herausragenden neuen Gedanken oder Infos, keine "Spitzenleistung" ;-) Aber eben trotzdem gut!
Zitat ruipaulo: "Keine herausragenden neuen Gedanken oder Infos, keine "Spitzenleistung" ;-) Aber eben trotzdem gut!"
Das Verdienst des Artikels besteht darin darin, dass er auf die "top-oder-hop"-Mentalität eingeht, die sich in unserer Gesellschaft etabliert hat, durchaus mit freundlicher Unterstützung der Medien, und dass er aufzeigt, wie fragwürdig sie ist.
Das Beispiel des Autors, dass es in Medien zur Pleite herabgewürdigt wurde, dass die Deutsche Fußballnationalmannschaft bei der EM "nur" Platz 4 erreicht hat, ist gut gewählt.
Zitat ruipaulo: "Keine herausragenden neuen Gedanken oder Infos, keine "Spitzenleistung" ;-) Aber eben trotzdem gut!"
Das Verdienst des Artikels besteht darin darin, dass er auf die "top-oder-hop"-Mentalität eingeht, die sich in unserer Gesellschaft etabliert hat, durchaus mit freundlicher Unterstützung der Medien, und dass er aufzeigt, wie fragwürdig sie ist.
Das Beispiel des Autors, dass es in Medien zur Pleite herabgewürdigt wurde, dass die Deutsche Fußballnationalmannschaft bei der EM "nur" Platz 4 erreicht hat, ist gut gewählt.
...eine Diskrepanz zwischen medial transportierten Inhalten und der Realität. Während tatsächlich in den Medien nur noch die absolute Spitzenleistung (oder das genaue Gegenteil anatomisch seziert) Beachtung findet, ist in der Realität (sowohl beruflich als auch privat) Mittelmäßigkeit und underachievement das Motto der meisten. Beruflich würde ich mich freuen, wenn die meisten, mit denen ich zu tun hätte, in der Lage wären, die Grundanforderungen ihres Jobs in Regelmäßigkeit zu erfüllen. Im Privaten muss ich auch feststellen, dass die Bequemlichkeit, z.B. der Glotze, von den meisten vorgezogen wird gegenüber den anstrengenderen Tätigkeiten wie z.B. Nachdenken und sich bilden...
Vielen Dank für diesen tollen Leserartikel.
Der einzige Kritikpunkt ist, dass sich der Artikel selbst widerspricht. Die Aussage durchschnittliche Leistungen sind auch gut, aber dann einen sehr sehr guten Artikel schreiben ;)
Schade, dass es nur wenige gibt, die diese Einstellung leben. Natürlich ist es gut wenn man in gewissen Situationen die Messlatte über den guten Durschnitt legt. Dies kann anspornend wirken und wenn man nach dem Besten strebt, dann kommt meistens auch etwas gutes dabei raus.
Was kurzfristig sehr motivierend sein kann, kann langfristig sehr demotivierend sein. Wenn man sich ständig dem Druck aussetzt - oder ausgesetzt wird -, überall zu den Besten zu gehören führt dies automatisch zu Frustration. Man kann schließlich nicht immer zu den Besten gehören.
Gute Leistungen sollten auch dementsprechend honoriert werden. Wenn man an sich selbst den Anspruch stellt immer Bestleistungen zu verbringen, dann kann dies quasi zu einem "Suchtzustand" werden. Ein Erfolgsentzug wirkt sich dann sehr deprimierend aus.
Ich glaube man fährt ganz gut damit, wenn man sich den (guten) Durchschnitt als Ziel setzt und auf diesem Weg dahin einfach das Beste gibt. Am Ende gibt es dabei mehr Erfolgserlebnisse als Niederlagen.
Ich merke das auch im Studium. Wenn man eine 2,7 erreichen möchte und eine 1,7 schafft, dann hat man unglaubliche Glücksgefühle. Wenn man dagegen nach einer 1,3 strebt,dann folgt daraus maximal eine gemäßigte Zufriedenheit oder sogar kleine Enttäuschung.
Ist auch der einzige Grund, wieso Computerspiele die man völlig allein spielt, Spaß machen.
Natürlich versuchen einige Unternehmen dies auszunutzen, aber Freiheit bedeutet Verantwortung auch für sich selbst.
in Computer-Einzelspielen zu gewinnen ist absoluter
Durchschnitt, das schaffen ja die meisten
erst im Vergleich mit anderen, hier also vornehmlich
Online-Spiele, kommt der Druck, andere zu überflügeln, dazu
in Computer-Einzelspielen zu gewinnen ist absoluter
Durchschnitt, das schaffen ja die meisten
erst im Vergleich mit anderen, hier also vornehmlich
Online-Spiele, kommt der Druck, andere zu überflügeln, dazu
Wurde früher in Schule, Beruf und Sport bewertet, so ist inzwischen das Bewerten und Bewertetwerden im Unterhaltungsprogramm vieler Menschen dominant: sie streben bei Computerspielen nach dem nächsten Level, schauen sich Castingshows an oder Sendungen, in denen die Einrichtung, das Outfit von Menschen, ein Menü, das sie kochen, ihr Gang, ihr Gesang .... bewertet und optimiert werden. Was geschieht mit Menschen, die sich dem regelmäßig aussetzen - ob vor der Kamera oder vor der Glotze? Mein Verdacht: man bleibt lieber Publikum. Aber dass man frei bleibt von permanenter Selbstbeobachtung und Selbstbewertung, glaube ich nicht.
Meiner Ansicht nach haben wir uns in kleinen Stücken, und auf lange Sicht in großen Schritten : uns an eine Lebensfeindlichkeit angepasst.
Die ganze Gesellschaftsstruktur und Moral ist aus einer Mischung von Angst und Erfolgsgeilheit.
Wer unbedingt Siegen muss, um Spaß an einer Sache zu haben, füllt sie nicht aus, und ist nicht von der Sache ausgefüllt. Es herrscht heute viel zu sehr das Ergebnis, als das Wie.
Als Künstler träume ich von einer Welt, in der wir zurück zu elementarer Liebe und Freude finden, weil uns die Gesellschaftsordnung das erlaubt.
Das Geschäftemachen und die Gebundenheit an Existenzangst suggerieren uns zudem, dass wir unbedingt dazu gehören müssen. In jeder Gesellschaft gibt es die Tendenz, die Anderen auszuschliessen, die nicht zu der eigenen Moral passen. Erst subtil und hintergründig, und manchmal ganz.
Andererseits sind manche auch Erfolgsgeil und bewerten die Bewertungen über. Das hat so eine Art Psychologie als Grundlage , aber massgeblich ist für mich bei allem die Existenznot, aus der heraus wir auch regelrecht gedrängt werden, krumme Geschäfte zu machen. Krumme Geschäfte mit uns selbst, mit anderen, mit der Umwelt.
Ja, wir haben ein Mars-Gen, ein Sieger -Gen. Dies aber ist absolut frei anwendbar. In der Steinzeit Köpfe einschlagen, heute Existenzen vernichten. Nur weil man selbst siegen will.
Teamwork, Kooperation gehen uns völlig ab. Eine kapitalistische Gesellschaft findet keine Übung in Kooperation.
Entfernt. Bitte äußern Sie Kritik respektvoll. Danke, die Redaktion/mk
Haben Sie sich auch ueber diese Wortkombination gewundert? Inder und Chinesen dekadent? Nein, dekadent sind die nicht (wir schon), aber denselben Wohlstand wie wir wollen Sie. Und so einige ander Staaten und Milliarden von Menschen auch. Und darum strengen sie sich an, mit allen legalen und halblegalen Mitteln. Und wenn die gewinnnen, werden wir ein grosses Stueck verlieren: Arbeitsplaetze, Wohlstand, politische Stabilitaet, innere Sicherheit, Zufriedenheit.
Also, jetzt setzen Sie mal rationeles Denken ein und nicht Gefuehlsduselei, dann muss Ihnen doch klar werden, dass gut eben nicht gut genug ist. Aber eigentlich wissen Sie das ja auch so, denn sonst muessten Sie - wenn Sie wirklich konsequent waeren - ja wie Diogenes in der Tonne leben.
eine sehr gute Analyse. Danke schön!
Entfernt. Bitte äußern Sie Kritik respektvoll. Danke, die Redaktion/mk
Haben Sie sich auch ueber diese Wortkombination gewundert? Inder und Chinesen dekadent? Nein, dekadent sind die nicht (wir schon), aber denselben Wohlstand wie wir wollen Sie. Und so einige ander Staaten und Milliarden von Menschen auch. Und darum strengen sie sich an, mit allen legalen und halblegalen Mitteln. Und wenn die gewinnnen, werden wir ein grosses Stueck verlieren: Arbeitsplaetze, Wohlstand, politische Stabilitaet, innere Sicherheit, Zufriedenheit.
Also, jetzt setzen Sie mal rationeles Denken ein und nicht Gefuehlsduselei, dann muss Ihnen doch klar werden, dass gut eben nicht gut genug ist. Aber eigentlich wissen Sie das ja auch so, denn sonst muessten Sie - wenn Sie wirklich konsequent waeren - ja wie Diogenes in der Tonne leben.
eine sehr gute Analyse. Danke schön!
in Computer-Einzelspielen zu gewinnen ist absoluter
Durchschnitt, das schaffen ja die meisten
erst im Vergleich mit anderen, hier also vornehmlich
Online-Spiele, kommt der Druck, andere zu überflügeln, dazu
Entfernt. Bitte äußern Sie Kritik respektvoll. Danke, die Redaktion/mk
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