Es gab eine Schlagzeile in den vergangenen Tagen, die lautete: "Gründe für die EM-Pleite". Pleite? Gemeint war die Deutsche Nationalelf, die nach einer grandiosen Qualifikation in dem Turnier der 16 besten europäischen Teams unter den ersten vier landete. Wenn das schon eine Pleite ist, was sollen Länder sagen, die die Teilnahme nicht geschafft haben? Oder die Niederlande, die nach drei Niederlagen wieder nach Hause gehen durften? Jahrhundertkatastrophe? 

Gut ist auch anderen nicht gut genug. EBay Händler flehen um Bestbewertungen, weil alles darunter schon Nachteile brächte. Man spürt den Druck, die Angst förmlich: "Bitte bewerten Sie mich sehr gut. Schreiben Sie mich lieber vorher an."

Wir freuen uns, wenn uns Überdurchschnittliches gelingt. Wir bewundern Höchstleistungen. Schön und gut. Aber das Besondere kann nur herausragen, wenn das Ausreichende den Maßstab bildet.

Die Fans des FC Bayern beispielsweise bewundern ihr Team nur noch, wenn es jedes Jahr Meister und Pokalsieger wird. Alles andere ist schon eine Krise.

Haben wir das Maß verloren? Wir schaffen es nicht mehr, uns zu sagen, dass wir gut sind, wenn wir uns redlich bemühen. Niemand findet, dass es in Ordnung ist, auch mal einen Fehler zu machen. Dabei können wir doch gut miteinander leben, wenn jeder mit  Verantwortungsgefühl und gutem Willen seinen Job erledigt, privat und beruflich. Doch akzeptiert wird nur der, der "alle Erwartungen mehr als erfüllt". Lob gibt es nur, wenn "mal wieder ein Meisterwerk vollbracht" wurde oder etwas der Top-Seller ist.

Es herrscht ein Gefühl von Zwang und permanenter Kontrolle. Die Freiheit, einfach sein zu dürfen, ging irgendwo im Wettbewerb verloren. Was bleibt, ist die Angst, nicht gut genug zu sein – trotz Anstrengung und sichtbarer Erfolge. Schließlich gilt die Maxime, es gehe alles noch besser.

Ständig Unvermögen zu spüren und nur in seltenen Momenten die volle Anerkennung zu erfahren, kann zerstörerisch wirken. Vor allem, wenn man fürchten muss, dass einem die Anerkennung gleich wieder entzogen wird.

Aber wer ist Schuld an diesem permanenten Druck? Die Unternehmen, die sich die Allerbesten und Motiviertesten aussuchen? Wir selbst mit unseren hochfliegenden Erwartungen an Beruf und Partner, an die materielle Situation und unsere Kinder?

Trotz Erschöpfung und Frustration schaffen es zu wenige Menschen, Mittelmaß oder Scheitern bei sich selbst und anderen anzuerkennen. Dabei wäre so vieles einfacher, wenn wir uns mehr am Tun erfreuen würden – und nicht nur am Siegen.