GehaltWenn Studieren sich nicht rechnet

Je länger du lernst, desto mehr verdienst du später – diese Regel gilt für ganze Berufsgruppen längst nicht mehr. Unternehmen suchen mehr Praktiker als Akademiker.

Knapp 28.000 Kinder werden dieses Jahr allein in Berlin eingeschult. Ausstaffiert mit Ranzen und Federmäppchen treten sie an dem Tag ein in ein Bildungssystem, das sie Lesen, Schreiben und Rechnen lehren und langfristig ihre Existenz sichern soll. Je nach Fähigkeiten und Neigung werden sie zehn, zwölf oder noch mehr Jahre in staatlichen oder privaten Bildungseinrichtungen verbringen. Allgemein galt dabei immer die Regel: Je länger und je mehr du lernst, desto weiter wirst du es bringen – und desto besser wirst du bezahlt, wenn du im Berufsleben bist. Recherchen des Tagesspiegel haben allerdings ergeben: Längeres Büffeln rechnet sich längst nicht mehr für jeden.

Zwar erwarten Menschen, die nach der Pflichtschulzeit von zehn Jahren noch das Abitur oder eine Berufsausbildung machen, im Durchschnitt immer noch 26 Prozent mehr Gehalt als diejenigen, die mit dem Realschulabschluss aufhören. "Wer noch ein Studium draufsetzt, hat im Schnitt sogar 75 Prozent mehr Geld in der Tasche", sagt Axel Plünnecke, Wirtschaftsexperte am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Allerdings, das belegen Erhebungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Hochschulinformationssystems (HIS), gibt es ganze Berufsgruppen, die das Studium finanziell keineswegs besserstellt.

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So bekommt ein Versicherungskaufmann, der nach der Schule eine zwei- bis dreijährige berufliche Ausbildung absolviert hat, laut DIW netto 12,41 Euro die Stunde. "Ein Geschichtsstudent, der nach dem Abitur noch bis zu fünf Jahre weitergelernt hat, kriegt nur 10,39 Euro", sagt Johanna Storck, die am DIW zu Löhnen forscht. Die Elektrotechnikerlehre bringt 9,93 Euro pro Stunde, eine Maschinenbaustudentin verdient nach dem Abschluss 71 Cent weniger. Politik-, Literatur- oder Geowissenschaftler kommen schlechter weg als Arbeitnehmer ohne Studium in Speditionsbranche, Buchhaltung und Bergbau. Bei einer 40-Stunden-Woche macht das im Monat mitunter mehr als 350 Euro Unterschied aus – zugunsten der Nichtakademiker. Es gibt etliche weitere Beispiele.

Mittelstand sucht Macher

Dabei zeigt sich, dass auch der Weg über das Gymnasium nicht grundsätzlich zu mehr Geld führt. Für eine Anstellung in den genannten nichtakademischen Berufen reicht die mittlere Reife. "Im Fernverkehr verdienen sogar Kraftfahrer zuweilen mehr als Akademiker bestimmter Berufsgruppen", sagt Storck. Diese Ungleichheit wird noch größer, wenn man berücksichtigt, dass Akademiker erheblich später ins Berufsleben einsteigen als sogenannte Geringqualifizierte. "Dadurch entgehen ihnen an die sieben Jahre Gehalt. Das ist richtig viel Geld", sagt IW-Experte Plünnecke.

Auch wer in einem Handwerksberuf nach der Lehre noch eine Ausbildung zum Meister absolviert, verzichtet auf Einkommen. Eine Erhebung des IW zeigt aber, dass sich für Meister und Techniker dieses während der Ausbildung entgangene Einkommen deutlich besser verzinst. Die fünfjährige Ausbildung bringt ihnen eine Rendite von 8,3 Prozent. Akademikern steht nach fünf bis sieben Jahren im Schnitt dagegen nur eine Rendite von 7,5 Prozent in Aussicht.

Für eine Ursache hält Plünnecke den sich ankündigenden Fachkräftemangel. "Die Menschen, die händeringend gesucht werden, sind zum Großteil Praktiker. In Zukunft bieten darum gerade berufliche Ausbildungen glänzende Perspektiven." Weil immer mehr junge Menschen eine Akademikerlaufbahn einschlagen, darauf verweisen alle befragten Experten, wird ein Studienabschluss generell immer seltener als exklusive Qualifikation wahrgenommen. Andere Kriterien wie die soziale Herkunft treten in den Vordergrund.

"Heute muss niemand mehr studieren", sagt Christian Pape, Personalberater in München. "Viel wichtiger als Universitätsabschlüsse sind Firmen Bewerber, die schon in anderen Unternehmen gearbeitet haben." Auch ein Doktortitel bringt nach Ansicht der Experten nicht immer Vorteile. "Für manche Berufe sind promovierte Akademiker überqualifiziert", sagt Tiemo Kracht, Geschäftsführer der Kienbaum Personalberatung in Gummersbach. Wer als Controller oder Einkäufer arbeiten wolle, brauche vor allem praktische Erfahrung. Gerade der Mittelstand sucht Macher. Unersetzbar ist der Doktortitel allein für eine wissenschaftliche Karriere.

Leserkommentare
  1. bzw. ich glaube, die Ursachenanalyse greift daneben. Die Lohnspreizeung dürfte bei Ausbildungsberufen wesentlich größer sein als bei Akademikern. Das zweite Problem ist, dass die Babyboomer, die Menschen 40 und älter alle interessanten Stellen besetzt haben und für die nächsten 25 Jahre mindestens besetzt halten werden. für viele von Ihnen gilt, je länger sie im Job sind, desto mehr verdienen sie, TVÖD gilt auch in ehemaligen Staatskonzernen. Da der Lohntopf aber nicht wesentlich größer wird, verdienen die unter 40-jährigen - sofern sie eine Stelle finden - entsprechend weniger, es sei denn, sie machen sich selbständig. Die Studie sagt genau genommen, dass Akademiker weniger erwarten können und nicht, das Ausgebildete in den letzen Jahren Lohnzuwächse hatten. Tatsächlich stagnieren die Löhne in beiden Gruppen in den letzten Jahren, wofür u.a. der von mir beschriebene Umstand verantwortlich sind.

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    • rws
    • 05.08.2012 um 22:45 Uhr

    "Die Lohnspreizeung dürfte bei Ausbildungsberufen wesentlich größer sein als bei Akademikern."
    Sicher nicht. Akademikern steht mit ihrer Ausbildung das gesamte Spektrum vom prekären Dauerpraktikanten bis Konzernvorstand offen. Zwischen einem auskömmlichen Job als Dipl.-Ing. (Univ) mit E13 im öffentlichen Dienst und Dipl.-Ing.(Univ) im Vorstand liegen aber immer noch Welten (100 000€ und mehr) - bei gleicher Ausbildung.

    "Menschen 40 und älter alle interessanten Stellen besetzt haben " Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Auf "interessante Stellen" (=Personal- und Budgetverantwortung) kommt man nicht als Jungspund (<35). Ab 55 wird man wieder uninteressant für den Arbeitsmarkt - ich darf an die Entlassungswellen bei der Generation 58+ in den 90ern erinnern. Das wird heute nur etwas diskreter gehandhabt.

    Die Stagnation der Löhne hat auch wenig mit einem "Topf" zu tun. Wir haben keine Planwirtschaft. Vielmehr liegt es an der "freiwilligen" Lohnzurückhaltung der letzten 10+ Jahre.

    • Chali
    • 06.08.2012 um 9:21 Uhr

    wikipedia sagt zu "babyboomer"

    "In Deutschland werden die im Zeitraum von 1955 bis 1965 Geborenen von Statistikern als geburtenstarke Jahrgänge bezeichnet."

    Danach gibt es nämlich den "Pillenknick".

    Eine 49-jähriger ist Jahrgang 1972, jemand Jahrganag 1955 isz hingegen jetzt 57.

    Die Löhne werden sowohl für Akademiker und Praktiker ohne besseren Sozialen Background zukünftig noch weiter sinken. Die Wirtschaft ruft mitnichten nach in Deutschland ausgebildeten Ingenieuren, sondern nach Ingenieuren aus den Nicht-Eu-Ländern. Diese sind nicht nur deutlich billiger, als in Deutschland ausgebildete Fachkräfte, sie weisen zudem eine ganz andere Arbeitsauffassung und Mentalität auf: sie hinterfragen nicht, sondern sind in ihrer Ausbildung auf "Befehl und Gehorsam" gedrillt und können somit mit autoritären Strukturen bestens umgehen. Zudem haben sie einen erheblichen Vorteil: nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses müssen sie umgehend das Land verlassen. Hilfsweise unterstützen dann manche Unternehmen Parteien und Gruppierungen im Rechtsaußen-Millieu.

    Unter deutschen Hochschulabsolventen wird dagegen der Konkurrenzkampf v.a. durch das Umsichgreifen sogenannter "Ehrenamtlicher Arbeit" - also "kostenloser Arbeit" weiter verschärft: irgendwo findet sich immer jemand, der einen Arbeit "für lau" macht oder - nach Anweisung des Jobcenters - machen muss. Die von der Wirtschaft viel beklagte "Gratismentalität" wird von vielen Unternehmen gerne angenommen, verspricht man sich davon einen kaufmännischen Vorteil: das Jobcenter zahlt ja.

    Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass wir hier im Lande noch ganz gewaltige Probleme bis hin zum Bürgerkrieg bekommen werden. Aber - so ist bitter zu konstatieren - braucht unsere Gesellschaft das wieder einmal.

    • rws
    • 05.08.2012 um 22:45 Uhr

    "Die Lohnspreizeung dürfte bei Ausbildungsberufen wesentlich größer sein als bei Akademikern."
    Sicher nicht. Akademikern steht mit ihrer Ausbildung das gesamte Spektrum vom prekären Dauerpraktikanten bis Konzernvorstand offen. Zwischen einem auskömmlichen Job als Dipl.-Ing. (Univ) mit E13 im öffentlichen Dienst und Dipl.-Ing.(Univ) im Vorstand liegen aber immer noch Welten (100 000€ und mehr) - bei gleicher Ausbildung.

    "Menschen 40 und älter alle interessanten Stellen besetzt haben " Das war schon immer so und wird immer so bleiben. Auf "interessante Stellen" (=Personal- und Budgetverantwortung) kommt man nicht als Jungspund (<35). Ab 55 wird man wieder uninteressant für den Arbeitsmarkt - ich darf an die Entlassungswellen bei der Generation 58+ in den 90ern erinnern. Das wird heute nur etwas diskreter gehandhabt.

    Die Stagnation der Löhne hat auch wenig mit einem "Topf" zu tun. Wir haben keine Planwirtschaft. Vielmehr liegt es an der "freiwilligen" Lohnzurückhaltung der letzten 10+ Jahre.

    • Chali
    • 06.08.2012 um 9:21 Uhr

    wikipedia sagt zu "babyboomer"

    "In Deutschland werden die im Zeitraum von 1955 bis 1965 Geborenen von Statistikern als geburtenstarke Jahrgänge bezeichnet."

    Danach gibt es nämlich den "Pillenknick".

    Eine 49-jähriger ist Jahrgang 1972, jemand Jahrganag 1955 isz hingegen jetzt 57.

    Die Löhne werden sowohl für Akademiker und Praktiker ohne besseren Sozialen Background zukünftig noch weiter sinken. Die Wirtschaft ruft mitnichten nach in Deutschland ausgebildeten Ingenieuren, sondern nach Ingenieuren aus den Nicht-Eu-Ländern. Diese sind nicht nur deutlich billiger, als in Deutschland ausgebildete Fachkräfte, sie weisen zudem eine ganz andere Arbeitsauffassung und Mentalität auf: sie hinterfragen nicht, sondern sind in ihrer Ausbildung auf "Befehl und Gehorsam" gedrillt und können somit mit autoritären Strukturen bestens umgehen. Zudem haben sie einen erheblichen Vorteil: nach Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses müssen sie umgehend das Land verlassen. Hilfsweise unterstützen dann manche Unternehmen Parteien und Gruppierungen im Rechtsaußen-Millieu.

    Unter deutschen Hochschulabsolventen wird dagegen der Konkurrenzkampf v.a. durch das Umsichgreifen sogenannter "Ehrenamtlicher Arbeit" - also "kostenloser Arbeit" weiter verschärft: irgendwo findet sich immer jemand, der einen Arbeit "für lau" macht oder - nach Anweisung des Jobcenters - machen muss. Die von der Wirtschaft viel beklagte "Gratismentalität" wird von vielen Unternehmen gerne angenommen, verspricht man sich davon einen kaufmännischen Vorteil: das Jobcenter zahlt ja.

    Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass wir hier im Lande noch ganz gewaltige Probleme bis hin zum Bürgerkrieg bekommen werden. Aber - so ist bitter zu konstatieren - braucht unsere Gesellschaft das wieder einmal.

  2. Der Fernfahrer dürfte im Laufe seines Berufslebens keine wesentlichen Lohnsteigerungen mehr erfahren.
    Bei den Akademikern sieht das u. U. anders aus.

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    ... mit Familienleben etc. ist da nicht viel. Außerdem stehen sie in Konkurrenz mit dem osteuropäischen Ausland (man schaue sich nur die Nummernschilder der LKWs auf deutschen Autobahnen an). Ein Akademiker, der unter entsprechenden Bedingungen arbeitet würde sicherlich viel mehr verdienen (Schiffarzt, Ingenieur auf der Bohrinsel etc.). Wer bei der Studienwahl ganz seinen Neigungen nachgeht und (Kunst-)Geschichte studiert, wird natürlich deutlich schlechter verdienen, aber möglicherweise immer noch mehr als derjenige, der in der gleichen Branche eine Ausbildung gemacht hat (als Restaurator, Stuckateur etc.).

    ... mit Familienleben etc. ist da nicht viel. Außerdem stehen sie in Konkurrenz mit dem osteuropäischen Ausland (man schaue sich nur die Nummernschilder der LKWs auf deutschen Autobahnen an). Ein Akademiker, der unter entsprechenden Bedingungen arbeitet würde sicherlich viel mehr verdienen (Schiffarzt, Ingenieur auf der Bohrinsel etc.). Wer bei der Studienwahl ganz seinen Neigungen nachgeht und (Kunst-)Geschichte studiert, wird natürlich deutlich schlechter verdienen, aber möglicherweise immer noch mehr als derjenige, der in der gleichen Branche eine Ausbildung gemacht hat (als Restaurator, Stuckateur etc.).

  3. Jetzt brechen also die Jahre an, in denen geistige Arbeit weniger wertgeschätzt wird als praktische Arbeit. Man kann dies, wie es die FDP tut, natürlich begrüßen. Aber man sollte sich - auch als guter Schumpeterianer - bewusst sein, dass diese Entwicklungen ebenso eine Dynamik der Entfremdung der Eliten vom ökonomischen Modell auslösen werden. Dies war einer der gründe für den Untergang der DDR. Werden die intellektuellen Eliten eines Landes dauerhaft ökonomisch herab gesetzt, wird kurz über lang das System geändert.

    Ich für meinen Teil sehe diese Entwicklung durchaus positiv. Einerseits wird auf diese Weise der Bildungswahnsinn gestoppt, die prekärsten Berufsgruppen (Life science-Branche und Physiker) wurden ja hier überhaupt nicht erwähnt. Andererseits wird das sozialbewusste Restbürgertum wieder engagierter Debatten für eine Wertschätzung geistiger Arbeit anregen. Drittens wird es wohl in Deutschland durchaus wieder Debatten geben (müssen), dass Ungleicheiten in jeglicher Form keine Naturgesetze sind, sondern gemacht werden. Auch durch Öffentliche Tarifsysteme und Marktfehler.

    Ob die politischen Eliten dann so weit entfremdet sein werden von der zunehmend auch in diesem Land existenten Intelligenzija, dass ein großer Umwälzungsprozess noch aufzuhalten sein wird, ist längst nicht mehr klar.

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  4. Da ist ja selbst die Kreditwirtschaft schon weiter....

    Zum Frühstück eine Wochenzeitung kaufen - 4,20 Euro

    Einfach mal Chinesisch lernen - 40 Euro

    Eine philippinische Kampfsportart ausprobieren - 25 Euro

    Die Zeit, solche Angebote zu nutzen, und sich selbst und, im besten Falle, andere damit weiterbringen - unbezahlbar

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  5. Das Geld in den Vordergrund zu stellen ist vielleicht ein wenig zu simple. Wichtig ist es, die richtige Balance zwischen Einkommenshoehe und Zufriedenheit zu finden. Zufriedenheit findet man bekanntlich nicht in finanziellen oder anderen materiellen Werten. Die Wirtschaftskrise hat uns das doch wohl deutlich genug gezeigt.
    Zufriedenheit finden wir durch unsere Beziehungen zu unseren Mitmenschen, durch unseren Beitrag zur Gesellschaft. Dieser Beitrag kann physisch, emotional, spirituell oder intellektuel sein und brauchen tun wir alles. Die Hoehe des Einkommens ist nur ein Bestandteil der Zufriedenheit und auch nur einer der Gruende warum jemand eine akademische Ausbildung waehlt oder waehlen sollte.

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    Aber trotz aller Zufriedenheit sollte der Wunschberuf wenigstens so einträglich sein,dass man angemessen in unserer Gesellschaft leben kann.
    Gerade in sozialen Berufen,kann man aber von Angemessenheit nur träumen.

    Aber trotz aller Zufriedenheit sollte der Wunschberuf wenigstens so einträglich sein,dass man angemessen in unserer Gesellschaft leben kann.
    Gerade in sozialen Berufen,kann man aber von Angemessenheit nur träumen.

  6. Wenn 1/3 die reale Wirtschaftsleistung erbringt, können 2/3 studieren gehen. Dieses Modell hatten wir bereits oft genug, getreu nach dem Motto, verwalten was Dritte erarbeiten. Damit man lange studieren kann, müssen andere von ihrer Wirtschaftleistung abgeben, meistens jene, die ohnehin tiefe Einkommen aufgrund der etablierten Verhältnisse haben. Im letzten Jahrhundert konnte sich nur die Aristokratie ein Studium leisten. Wenn also hier über lange Studienzeiten referiert wird ohne zu berücksichtigen, dass dies auf Kosten der arbeitenden Allgemeinheit geschieht, ist das wirklich ein Standesvorzug, der ausgelebt wird.

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    Was kostet denn ein Student?

    1) Die Uni-Verwaltung wird durch Semesterbeiträge in der Regel überfinanziert (siehe einschlägige Gerichtsurteile hierzu) 2) BAföG hängt nicht nur von der eigenen Vermögenssituation, sondern auch der Einkommenssituation der Eltern ab und gibt es aus gutem Grund deshalb nur für einen eher kleinen Teil der Studenten. Nämlich die, die bedürftig sind - nix mit Aristokratie. 3) Wer keine Kurse in Anspruch nimmt und so sein Studium verschleppt (was heutzutage aufgrund des Bachelor/Mastersystem gar nicht mehr ohne weiteres geht), verursacht im Lehrbetrieb auch keine Kosten (die ohnehin nur bei Naturwissenschaftlern und Medizinern in nennenswertem Umfang anfallen). Ein Bummelstudent, der BAföG bezieht, kann nur bis zum Ende der regulären Studienzeit Unterstützung erhalten - also in der Summe genau soviel wie ein fleißiger Student - und muss sich danach anderweitig finanzieren.
    Aus Ihren Worten spricht der Vater/die Mutter, der/die sich über den Sohn/die Tochter beschwert, der/die ihm/ihr auf der Tasche liegt. Das hat aber gesamtgesellschaftlich keine Entsprechung.

    Die Gesellschaft braucht diese an der Uni ausgebildeten Menschen, selbst wenn sie etwas länger fürs Studium gebraucht haben, und zunächst einmal ist es auch egal, aus welcher sozialen Schicht sie kommen (das ist eine andere Diskussion). Oder möchten Sie in Zukunft zum Gas-Wasser-Installateur gehen, wenn Sie bisher beim Gastroenterologen im Wartezimmer saßen?

    Was kostet denn ein Student?

    1) Die Uni-Verwaltung wird durch Semesterbeiträge in der Regel überfinanziert (siehe einschlägige Gerichtsurteile hierzu) 2) BAföG hängt nicht nur von der eigenen Vermögenssituation, sondern auch der Einkommenssituation der Eltern ab und gibt es aus gutem Grund deshalb nur für einen eher kleinen Teil der Studenten. Nämlich die, die bedürftig sind - nix mit Aristokratie. 3) Wer keine Kurse in Anspruch nimmt und so sein Studium verschleppt (was heutzutage aufgrund des Bachelor/Mastersystem gar nicht mehr ohne weiteres geht), verursacht im Lehrbetrieb auch keine Kosten (die ohnehin nur bei Naturwissenschaftlern und Medizinern in nennenswertem Umfang anfallen). Ein Bummelstudent, der BAföG bezieht, kann nur bis zum Ende der regulären Studienzeit Unterstützung erhalten - also in der Summe genau soviel wie ein fleißiger Student - und muss sich danach anderweitig finanzieren.
    Aus Ihren Worten spricht der Vater/die Mutter, der/die sich über den Sohn/die Tochter beschwert, der/die ihm/ihr auf der Tasche liegt. Das hat aber gesamtgesellschaftlich keine Entsprechung.

    Die Gesellschaft braucht diese an der Uni ausgebildeten Menschen, selbst wenn sie etwas länger fürs Studium gebraucht haben, und zunächst einmal ist es auch egal, aus welcher sozialen Schicht sie kommen (das ist eine andere Diskussion). Oder möchten Sie in Zukunft zum Gas-Wasser-Installateur gehen, wenn Sie bisher beim Gastroenterologen im Wartezimmer saßen?

  7. Was kostet denn ein Student?

    1) Die Uni-Verwaltung wird durch Semesterbeiträge in der Regel überfinanziert (siehe einschlägige Gerichtsurteile hierzu) 2) BAföG hängt nicht nur von der eigenen Vermögenssituation, sondern auch der Einkommenssituation der Eltern ab und gibt es aus gutem Grund deshalb nur für einen eher kleinen Teil der Studenten. Nämlich die, die bedürftig sind - nix mit Aristokratie. 3) Wer keine Kurse in Anspruch nimmt und so sein Studium verschleppt (was heutzutage aufgrund des Bachelor/Mastersystem gar nicht mehr ohne weiteres geht), verursacht im Lehrbetrieb auch keine Kosten (die ohnehin nur bei Naturwissenschaftlern und Medizinern in nennenswertem Umfang anfallen). Ein Bummelstudent, der BAföG bezieht, kann nur bis zum Ende der regulären Studienzeit Unterstützung erhalten - also in der Summe genau soviel wie ein fleißiger Student - und muss sich danach anderweitig finanzieren.
    Aus Ihren Worten spricht der Vater/die Mutter, der/die sich über den Sohn/die Tochter beschwert, der/die ihm/ihr auf der Tasche liegt. Das hat aber gesamtgesellschaftlich keine Entsprechung.

    Die Gesellschaft braucht diese an der Uni ausgebildeten Menschen, selbst wenn sie etwas länger fürs Studium gebraucht haben, und zunächst einmal ist es auch egal, aus welcher sozialen Schicht sie kommen (das ist eine andere Diskussion). Oder möchten Sie in Zukunft zum Gas-Wasser-Installateur gehen, wenn Sie bisher beim Gastroenterologen im Wartezimmer saßen?

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    Was denken Sie denn, wie viel der ganze Universitätsbetrieb d.h. laufende Kosten, Infrastruktur etc. wirklich kostet? Das hat nichts mit BAföG zu tun. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ohne staatliche Subventionen etwas geht. Die Vorleistungen die hier getätigt wurden, kann niemand selbst aufbringen, das scheinen sie aber zu vergessen.

    Die Überversorgung bestimmter Studienabschlüsse zeigt sich auf dem Arbeitsmarkt, wo bestens ausgebildete Akademiker keine Arbeit finden. Die abfällige Bemerkung über Handwerker können sie sich sparen und seien sie froh, dass nächstes Mal, wenn sie einen Installateur brauchen, kein Gastroenterologe kommt, der ihnen eine Koloskopie verpassen möchte, während eigentlich nur ihre Wasserleitung und nicht ihr Darmausgang Beschwerden verursacht.

    Studieren war und ist ein privileg hinsichtlich der sich bietenden Möglichkeiten. Das inflätionäre Steigerung der Akademiker halte ich jedoch für eine falsche Politik. Damit werden andere Ausbildungen benachteiligt. Diesen enormen Aufwand müssen wir zu schätzen wissen, ebenso den Verzicht jener, die täglich dafür arbeiten gehen. Darüber sollten sie wirklich nachdenken.

    Was denken Sie denn, wie viel der ganze Universitätsbetrieb d.h. laufende Kosten, Infrastruktur etc. wirklich kostet? Das hat nichts mit BAföG zu tun. Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass ohne staatliche Subventionen etwas geht. Die Vorleistungen die hier getätigt wurden, kann niemand selbst aufbringen, das scheinen sie aber zu vergessen.

    Die Überversorgung bestimmter Studienabschlüsse zeigt sich auf dem Arbeitsmarkt, wo bestens ausgebildete Akademiker keine Arbeit finden. Die abfällige Bemerkung über Handwerker können sie sich sparen und seien sie froh, dass nächstes Mal, wenn sie einen Installateur brauchen, kein Gastroenterologe kommt, der ihnen eine Koloskopie verpassen möchte, während eigentlich nur ihre Wasserleitung und nicht ihr Darmausgang Beschwerden verursacht.

    Studieren war und ist ein privileg hinsichtlich der sich bietenden Möglichkeiten. Das inflätionäre Steigerung der Akademiker halte ich jedoch für eine falsche Politik. Damit werden andere Ausbildungen benachteiligt. Diesen enormen Aufwand müssen wir zu schätzen wissen, ebenso den Verzicht jener, die täglich dafür arbeiten gehen. Darüber sollten sie wirklich nachdenken.

    • _bla_
    • 05.08.2012 um 21:50 Uhr

    Wenn 1/3 die reale Wirtschaftsleistung erbringt, können 2/3 studieren gehen.

    Das ist doch Unsinn. Der Großteil der Wirtschaftsleistung wird von den Studierten erbracht, nicht von denen die das Ganze am Ende zusammenschrauben. Der manuellen Teil der Arbeit wird ohnehin immer mehr von Maschinen übernommen. Wenn eine deutsche Firma irgendwelche Spezialelektronik herstellt, dann verkauft sie die vielleicht für 1000 Euro pro Stück. Die Teile davon kommen aus dem Ausland für 100 Euro. Für 20 Euro wird das Ganze dann auf einer automatischen Fertigungsstraße zusammengelötetet und am Ende verpackt es eine angelernte Kraft von Hand. Damit aus den Teilen für 100 Euro etwas wird, für das andere Leute gerne 1000 Euro bezahlen haben sich diverse Ingenieure und Forscher langen den Kopf zerbrochen, es wurden lange Handbücher geschrieben, die Salesabteilung hat dem Kunden lange die Vorzüge des Ganzen erklärt und Zertifizierer haben lange geprüft, dass das sicherheitskritische Teil auch wirklich seine Funktion erfüllt. Und da wollen Sie uns erklären, das die eigentliche Wirtschaftsleistung von der angelernten Kraft erbracht wird, der dieses Teil, dessen Funktion sie nicht mal ansatzweise versteht, von der automatischen Fertigungsstraße in einen Pappkarton legt?

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    "Der Großteil der Wirtschaftsleistung wird von den Studierten erbracht, nicht von denen die das Ganze am Ende zusammenschrauben."

    Das Argument taugt genaus so viel wie die Behauptung, die Pharaonen hätten die Pyramiden selbst erbaut.

    Die unverschämten Äusserungen gegenüber einfachen Berufen sollten sie einfach unterlassen.

    Wirtschaftsleistung fängt bei Rohstoffen an und diese holen wir uns aus der Dritten Welt, wie, steht täglich in den Headlines - Wirtschaftsimperialismus. Sie glauben doch nicht ernsthaft, wir hätten unseren Wohlstand selbst erarbeitet. Wir importieren einen Grossteil der Wirtschaftsleistung aus dem Ausland, weil wir dies politisch und militärisch erzwingen. Aber ohne die vielen fleissigen Hände, die für uns arbeiten, geht es nicht.

    Versuchen wir doch einmal einen Generalstreich und sehen dann, wie viel Wirtschaftsleistung noch erbracht wird. Wenn die Eisenbahn nicht mehr fährt, die Tankstellen keinen Treibstoff mehr führen, die Grundnahrungsmittel ausgehen, sie im Unrat versinken, wenden sie sich an die Marketingabteilung, die hilft ihnen weiter. Erst dadurch werden sie erfahren, wie die Wirtschaft funktioniert und durch wen sie aufrecht erhalten wird. Wenn dies in einer Megacitiy geschieht, haben sie Bürgerkrieg, weil sich keiner mehr selbst versorgen kann. Das ist die Realität.

    Diese Diskussion ist ja wohl ziemlich absurd, in einer perfekten Marktwirtschaft (die noch nie existierte und nie existieren wird.) wuerde der oekonomische Beitrag zu einem Produkt auf dem Arbeitsmarkt bestimmt, danach ist erst mal grundsaetzlich alles moeglich. Sind Studierte knapp ist deren Beitrag hoch, gibt es Studierte im Ueberfluss ist deren Beitrag gering. Allerdings wurde schon viel Zeit damit (Marx, Ricardo, Clark, Sraffa etc..) verbracht den Wert von Arbeit zu bestimmen, aber voellig Ueberzeugendes ist noch nicht dabei rausgekommen. Insofern macht die Diskussion wer wieviel zu einem Produkt beitraegt und dessen Wert nicht viel Sinn.

    "Der Großteil der Wirtschaftsleistung wird von den Studierten erbracht, nicht von denen die das Ganze am Ende zusammenschrauben."

    Das Argument taugt genaus so viel wie die Behauptung, die Pharaonen hätten die Pyramiden selbst erbaut.

    Die unverschämten Äusserungen gegenüber einfachen Berufen sollten sie einfach unterlassen.

    Wirtschaftsleistung fängt bei Rohstoffen an und diese holen wir uns aus der Dritten Welt, wie, steht täglich in den Headlines - Wirtschaftsimperialismus. Sie glauben doch nicht ernsthaft, wir hätten unseren Wohlstand selbst erarbeitet. Wir importieren einen Grossteil der Wirtschaftsleistung aus dem Ausland, weil wir dies politisch und militärisch erzwingen. Aber ohne die vielen fleissigen Hände, die für uns arbeiten, geht es nicht.

    Versuchen wir doch einmal einen Generalstreich und sehen dann, wie viel Wirtschaftsleistung noch erbracht wird. Wenn die Eisenbahn nicht mehr fährt, die Tankstellen keinen Treibstoff mehr führen, die Grundnahrungsmittel ausgehen, sie im Unrat versinken, wenden sie sich an die Marketingabteilung, die hilft ihnen weiter. Erst dadurch werden sie erfahren, wie die Wirtschaft funktioniert und durch wen sie aufrecht erhalten wird. Wenn dies in einer Megacitiy geschieht, haben sie Bürgerkrieg, weil sich keiner mehr selbst versorgen kann. Das ist die Realität.

    Diese Diskussion ist ja wohl ziemlich absurd, in einer perfekten Marktwirtschaft (die noch nie existierte und nie existieren wird.) wuerde der oekonomische Beitrag zu einem Produkt auf dem Arbeitsmarkt bestimmt, danach ist erst mal grundsaetzlich alles moeglich. Sind Studierte knapp ist deren Beitrag hoch, gibt es Studierte im Ueberfluss ist deren Beitrag gering. Allerdings wurde schon viel Zeit damit (Marx, Ricardo, Clark, Sraffa etc..) verbracht den Wert von Arbeit zu bestimmen, aber voellig Ueberzeugendes ist noch nicht dabei rausgekommen. Insofern macht die Diskussion wer wieviel zu einem Produkt beitraegt und dessen Wert nicht viel Sinn.

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