KrankenstandArbeitnehmer fehlen im Durchschnitt acht Tage

Der Krankenstand verzeichnet im ersten Halbjahr einen rapiden Anstieg bei den Fehltagen wegen psychischer Erkrankungen. Das zeigt eine Studie der Betriebskrankenkassen. von reuters

Im ersten Halbjahr waren die Arbeitnehmer im Durchschnitt 16 Tage krankgeschrieben, zeigt eine Studie des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen (BKK) . Dies entspricht zwar dem Vorjahreszeitraum, allerdings sind 2012 die Krankmeldungen aufgrund psychischer Erkrankungen um acht Prozent gestiegen. Mittlerweile machen Burn-out, Depressionen und andere psychische Leiden 13,2 Prozent aller Krankheitstage aus und stehen damit an dritter Stelle nach Muskel- und Skeletterkrankungen (26,3 Prozent) sowie Atemwegserkrankungen (14,4 Prozent).

Der Krankenstand in Deutschland ist der Statistik zufolge so hoch wie zuletzt im Jahr 1999. In den Krisenjahren waren die Fehltage der Arbeitnehmer stark gesunken.

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Vor allem Männer fehlen wegen Problemen mit der Psyche immer häufiger im Job. Im Jahr 2011 gab es laut BKK-Verband bei ihnen einen Zuwachs um 20 Prozent, bei Frauen um 18 Prozent. Der starke Anstieg von Fehltagen aufgrund psychischer Erkrankungen hatte sich bereits im ersten Quartal angekündigt .

Psychisch Erkrankte fallen ähnlich lange wie Krebspatienten aus

Eine Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Leiden dauert mit durchschnittlich 37 Tagen am längsten. Ähnlich lange Fehlzeiten gibt es nach Krebsbehandlungen mit 36 Tagen je Fall. Ansonsten dauert eine Krankschreibung im Durchschnitt 13 Kalendertage.

Der BKK Bundesverband analysiert nach eigenen Angaben die Befunde von jedem fünften sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Auswertung gilt als repräsentativ.

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Leserkommentare
  1. Wem wundert es?
    Immer mehr Arbeit für immer weniger Mitarbeiter, nach dem Motto "wir müssen sparen...". Das heißt konkret, es gibt zuviel Arbeit für zu wenig Mitarbeiter bzw. das Arbeitsvolumen ist von der geringeren Zahl an Mitarbeitern NICHT in der gegebenen Zeit zu erledigen.
    Es resultiert einen immensen Druck und Stress, der Körper und Psyche leiden lassen. Die Folge ist, meiner Meinung nach, logisch.
    Wem wundert es?
    Jeden Tag treffe ich Menschen, die genau in diesen Mühlen stecken. Es sind tatsächlich keine Märchen sondern die tägliche Realität. Es scheint ein Teil der momentanen Evolution in unserer Arbeitswelt. Bis wann? Bis wohin?
    Für die Betroffene, die nicht mitmachen wollen, herrschen noch harte Zeiten. Beschwerden oder sogar neutrale Äußerungen über die Fakten führen oft zu "maskierten" Kündigungen (auch mehrfach gehört).

    Und dann werden die Patienten wirklich Arbeitsunfähig!

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    ... unsere Arbeitnehmerlein. Und seitdem der "burnout" als Krankheit erfunden wurde, sind es halt noch ein paar mehr. Wundert mich nicht.

  2. Nun will ich gar nicht bezweifeln, dass die Arbeitsbelastung und damit verbunden psychische Belastungen zugenommen haben. Aber im Moment habe ich das Gefühl, jeder, der mal einen schlechten Tag hat, leidet gleich unter einem Burn Out. Es gibt eben auch Modekrankheiten. Es wird mehr über das Phänoment Burn Out in den Medien berichtet und schon wird jede schlechte Stimmung gleich als Burn Out diagnostiziert. Vor ein paar Jahren hatte es jeder mit der Bandscheibe, jetzt hat es jeder mit der Psyche. Was kommt als nächstes.

    Was haben eigentlich unsere Vorfahren gemacht, die vierzehn und mehr Stunden pro Tag geschuftet haben und wenig Aussicht auf Urlaub, freie Tage und einer Vermehrung ihres Vermögens hatten?

    2 Leserempfehlungen
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    • Karl7
    • 14. August 2012 8:28 Uhr

    "Was haben eigentlich unsere Vorfahren gemacht, die vierzehn und mehr Stunden pro Tag geschuftet haben und wenig Aussicht auf Urlaub, freie Tage und einer Vermehrung ihres Vermögens hatten?"

    Nun, ich würde sagen, mit ca. 55 Jahren den Lebensabend beendet. Sie haben bis zu ihrem Tod gearbeitet, wenn sie nicht schon vorher aufgrund der schweren Arbeitsbedingungen und daraus folgenden körperlichen Schäden arbeitsunfähig waren.
    So gut wie heute hatten es die Menschen noch nie, was schon allein aus der kontinuierlich steigenden durchschnittlichen Lebenserwartung ersichtlich ist. Einzig was ein jeder aus seiner Zeit macht, ist ihm selbst überlassen. Das beginnt schon in der Schule.

    Freundlichst
    Karl7

    "Unsere Vorfahren" haben wohl gar nicht so viel gearbeitet. Das habe ich jedenfalls in dem schönen Buch "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin" von Kathrin Passig und Sascha Lobo gelesen. Demnach sind die von Ihnen beschriebenen Arbeitsbedingungen erst in der Frühphase der Industrialisierung aufgekommen, weil die Maschinen optimal ausgelastet werden sollten.

    Im Mittelalter lag die Arbeitszeit wohl weit darunter, eher bei 6 Tagen. Gerade im Winter wurde nur das Notwendigste erledigt, die meiste Zeit verbrachte man im Bett. Ich habe das Buch jetzt grad nicht hier, sonst könnte ich präzisere Angaben machen, vielleicht hole ich das bei Interesse noch nach.

    Erst die vermaledeite protestantische Arbeitsethik hat uns mit der Vorstellung "beglückt", nur hartes Schuften ohne Freude daran könne uns irgendwie Gott oder wem auch immer gefällig machen.

    • toni23
    • 14. August 2012 13:41 Uhr

    Sind nach einem stumpfen dahinmalochen mit 38 gestorben. Nur mal so...

    • Karl7
    • 14. August 2012 8:28 Uhr

    "Was haben eigentlich unsere Vorfahren gemacht, die vierzehn und mehr Stunden pro Tag geschuftet haben und wenig Aussicht auf Urlaub, freie Tage und einer Vermehrung ihres Vermögens hatten?"

    Nun, ich würde sagen, mit ca. 55 Jahren den Lebensabend beendet. Sie haben bis zu ihrem Tod gearbeitet, wenn sie nicht schon vorher aufgrund der schweren Arbeitsbedingungen und daraus folgenden körperlichen Schäden arbeitsunfähig waren.
    So gut wie heute hatten es die Menschen noch nie, was schon allein aus der kontinuierlich steigenden durchschnittlichen Lebenserwartung ersichtlich ist. Einzig was ein jeder aus seiner Zeit macht, ist ihm selbst überlassen. Das beginnt schon in der Schule.

    Freundlichst
    Karl7

    Antwort auf "Modekrankheiten"
  3. "Unsere Vorfahren" haben wohl gar nicht so viel gearbeitet. Das habe ich jedenfalls in dem schönen Buch "Dinge geregelt kriegen - ohne einen Funken Selbstdisziplin" von Kathrin Passig und Sascha Lobo gelesen. Demnach sind die von Ihnen beschriebenen Arbeitsbedingungen erst in der Frühphase der Industrialisierung aufgekommen, weil die Maschinen optimal ausgelastet werden sollten.

    Im Mittelalter lag die Arbeitszeit wohl weit darunter, eher bei 6 Tagen. Gerade im Winter wurde nur das Notwendigste erledigt, die meiste Zeit verbrachte man im Bett. Ich habe das Buch jetzt grad nicht hier, sonst könnte ich präzisere Angaben machen, vielleicht hole ich das bei Interesse noch nach.

    Erst die vermaledeite protestantische Arbeitsethik hat uns mit der Vorstellung "beglückt", nur hartes Schuften ohne Freude daran könne uns irgendwie Gott oder wem auch immer gefällig machen.

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Modekrankheiten"
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    Entschuldigung, eben erst gesehen.

    Die Arbeitszeit vor der Industrialisierung hat wohl eher bei sechs Stunden täglich, nicht sechs Tagen gelegen.

  4. Vielleicht habe ich ja was übersehen, aber in der Überschrift fehlen Arbeitnehmer im Durchschnitt 8 Tage, während sie im ersten Satz im Durchschnitt 16 Tage krankgeschrieben sind.

    Dass die Fehlzeiten bei psychischen Erkrankungen so lang sind, ist eigentlich selbsterklärend. Eine Depression kuriert man nun einmal nicht mit einer Woche Betthüterei (im Gegenteil). Selbst wenn man "nur" Medikamente bekommt, brauchen die einige Wochen, um anzuschlagen. Bei schweren Fällen sind stationäre Aufenthalte eigentlich unabdingbar.

    4 Leserempfehlungen
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    Arbeitnehmer fehlten im ersten Halbjahr im Durchschnitt acht Tage. Hochgerechnet auf das Jahr also durchschnittlich 16 Tage.

  5. Wenn einen die Mama schon zu Schulzeiten bei kleinsten Anzeichen eines Schnupfens immer zum Arzt geschleppt hat, und/oder eine Entschuldigung für die Schule geschrieben hat, dann prägt das einfach.

    Wenn man sich dann später im Berufsleben mal nicht so frisch fühlt, geht man leidend zum Arzt und wird ein paar Tage krankgeschrieben. Fertig ist der kleine "Urlaub".
    Jeder Mensch hat sicherlich hin und wieder einfach keine Lust zur Arbeit zu gehen, aber hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Der Eine geht halt trotzdem hin, denkt vielleicht nicht mal entfernt daran, zu Hause zu bleiben; der Andere wählt den bequemeren Weg.

    Eine Leserempfehlung
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    • Feo
    • 14. August 2012 11:22 Uhr

    Also meine Mutter hat mich immer in die Schule geschickt mit dem Hinweis "Versuch es, und wenn es gar nicht geht, komm wieder nach Hause."

    Daraus resultierte dann, dass ich mich für wenig Geld abrackerte, Kündigungsdrohungen vom Chef einstecken musste. Keine Lust zur Arbeit dort hatte ich auch, hingegangen bin ich trotzdem, dank des Mottos "Da musst du durch." Bis mir dann mein Arzt den Vogel zeigte und mir riet, dort zu kündigen, andernfalls werde ich wohl unschöne Erfahrungen mit Burn-out machen.

    Ihre Theorie in Ehren, wegen jedem Zipperlein sollte niemand zum Arzt gehen. Aber der heutige Psychodruck in vielen Unternehmen sollte nicht kleingeredet werden bzw. die Konsequenzen daraus, nämlich Burn-out, sollten ernstgenommen werden. Gerade von solchen Unternehmen, in denen "Chefs" keine Schulungen zur Mitarbeiterführung o.Ä. mitgemacht haben ist oft Psychodruck vorhanden, auch wenn man sich anfangs sagt "alles nicht so schlimm, stell dich mal nicht so an".

    Das Gefährliche ist an der Psyche nämlich, dass der Betroffene es selbst erst zu spät bemerkt. Aber dann ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.

    Gerade jetzt in der Möchtegern-Wachstumsphase und sämtlichen Finanz-, Schulden- und Staatenkrise ist der Druck auf Mitarbeiter nicht zu unterschätzen.

    • Feo
    • 14. August 2012 11:22 Uhr

    Also meine Mutter hat mich immer in die Schule geschickt mit dem Hinweis "Versuch es, und wenn es gar nicht geht, komm wieder nach Hause."

    Daraus resultierte dann, dass ich mich für wenig Geld abrackerte, Kündigungsdrohungen vom Chef einstecken musste. Keine Lust zur Arbeit dort hatte ich auch, hingegangen bin ich trotzdem, dank des Mottos "Da musst du durch." Bis mir dann mein Arzt den Vogel zeigte und mir riet, dort zu kündigen, andernfalls werde ich wohl unschöne Erfahrungen mit Burn-out machen.

    Ihre Theorie in Ehren, wegen jedem Zipperlein sollte niemand zum Arzt gehen. Aber der heutige Psychodruck in vielen Unternehmen sollte nicht kleingeredet werden bzw. die Konsequenzen daraus, nämlich Burn-out, sollten ernstgenommen werden. Gerade von solchen Unternehmen, in denen "Chefs" keine Schulungen zur Mitarbeiterführung o.Ä. mitgemacht haben ist oft Psychodruck vorhanden, auch wenn man sich anfangs sagt "alles nicht so schlimm, stell dich mal nicht so an".

    Das Gefährliche ist an der Psyche nämlich, dass der Betroffene es selbst erst zu spät bemerkt. Aber dann ist das Kind schon in den Brunnen gefallen.

    Gerade jetzt in der Möchtegern-Wachstumsphase und sämtlichen Finanz-, Schulden- und Staatenkrise ist der Druck auf Mitarbeiter nicht zu unterschätzen.

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  6. Entschuldigung, eben erst gesehen.

    Die Arbeitszeit vor der Industrialisierung hat wohl eher bei sechs Stunden täglich, nicht sechs Tagen gelegen.

    Antwort auf "relativ"
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    Hafensonne schreibt: "Die Arbeitszeit vor der Industrialisierung hat wohl eher bei sechs Stunden täglich, nicht sechs Tagen gelegen."

    Ich nehme mal an, diese 6 Stunden sind bezogen auf eine 5-Tage-Woche, also mit komplett arbeitsfreiem Samstag und Sonntag. Dann kommt man auf 30 Arbeitsstunden wöchentlich bzw. 1560 Arbeitsstunden jährlich.

    Laut Wikipedia (habe leider auf die schnelle keine Originalquelle gefunden) betrug die durchschnittliche Arbeitszeit in Deutschland im Jahr 2003 insgesamt 1361 Stunden.

    So viel zu Ihrem "Früher-war-alles-besser"-Argument.

    Ansonsten muss man bei dieser Statistik hier - wie bei jeder anderen auch - die Frage nach Ursache und Wirkung stellen: Macht lange Arbeitszeit unzufrieden, depressiv und krank? Oder sind es die schon von Haus aus strebsamen, deswegen aber auch oft unzufriedenen und depressiven, die sich auf der Suche nach Bestätigung und Anerkennung einen besonders anspruchsvollen Job suchen?

    So lange man sich nicht zumindest bemüht, auch die Kausalität zu ergründen, sind solche Studien leider ziemlich nutzlos. Denn je nachdem, ob eine depressive Verstimmung die Folge von überlanger Arbeitszeit oder individuellem Erfolgsstreben ist, muss sie vollkommen anders behandelt werden. Im ersten Fall hilft sicher eine Verkürzung der Arbeitszeit gegen die Depression, im zweiten Fall macht weniger Arbeiten (und folglich weniger Erfolg) die Sache möglicherweise noch schlimmer.

    Jag

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Arbeitnehmer | Depression | Krankenstand | Psyche | Statistik | Studie
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