FrauenquoteScheitern gehört zum Plan

Zehn EU-Staaten lehnen die Pläne der Kommissarin Reding für eine europaweite Frauenquote ab. Gerade deshalb lohnt es sich weiterzukämpfen, kommentiert Wenke Husmann. von 

Viviane Reding ist als Justizkommissarin der EU für die Grundrechte und die Bürgerschaft zuständig.

Viviane Reding ist als Justizkommissarin der EU für die Grundrechte und die Bürgerschaft zuständig.  |  © GEORGES GOBET/AFP/GettyImages

Für die Gleichstellung der Frauen in Europa zu sorgen, ist also kein Thema. So könnte man interpretieren, was am Dienstag in Brüssel vor sich ging. Da haben zehn Mitgliedsstaaten der EU ihr Contra abgegeben, als Justizkommissarin Viviane Reding , wie schon lange angekündigt , ihre Pläne zur Förderung von Frauen in Führungspositionen vorlegte. Eine Quote von 40 Prozent der Sitze im Aufsichtsrat börsennotierter Unternehmen fordert sie. Ausnehmen will sie kleinere Betriebe mit weniger als 250 Beschäftigten, ebenso Familienunternehmen.

Redings Pläne werden irgendwann im Ministerrat vorgelegt und zur Abstimmung gebracht werden. Großbritannien , Bulgarien , Tschechien , Dänemark , Ungarn , Litauen , Malta , die Niederlande , Schweden , Slowenien sind schon jetzt dagegen. Sie haben im Rat einen Anteil von 104 Stimmen. 91 reichten aus, um Redings Vorschlag zu stoppen. Mit einem Brief an die Kommission bis Ende dieser Woche wollen die Gegner die Verhandlungen über die Reding-Quote möglichst sofort zum Erliegen bringen.

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Man könnte also sagen: Es steht schlecht um eine europaweite Frauenförderung.

Man kann es aber auch als Säbelrasseln sehen. Kaum fällt das böse Wort Quote , das nicht einmal viele ihrer Verfechterinnen mögen, (Reding selbst formulierte einmal: " Ich bin kein Fan von Quoten . Aber ich mag die Ergebnisse, die Quoten bringen"), da ist der Aufschrei groß.

Der Widerstand der zehn Länder ist kein generelles Nein zu mehr Gleichberechtigung. Vielmehr hat jedes Land seine eigenen Gründe, Redings Vorhaben abzulehnen. Großbritannien etwa setzt auf Freiwilligkeit. Die Argumente der Quotengegner dort und in anderen Ländern sind bekannt: Für das Besetzen einer Stelle solle allein die Qualifikation den Ausschlag geben, in die Personalpolitik von Unternehmen habe sich der Staat nicht einzumischen.

Für eine Frauenquote
  • Es geht um Chancengleichheit und Gleichberechtigung: Frauen stellen die Hälfte der Bevölkerung und sie sind genauso gut ausgebildet wie Männer.
  • Unternehmen, deren Führungsspitze aus Männern und Frauen besteht, erzielen bessere Ergebnisse.
  • Ein Großteil der Kaufentscheidungen wird von Frauen getroffen. 
  • Durch einen höheren Frauenanteil verbessert sich das Betriebsklima, die von Männern geprägten Spielregeln in Kommunikation und Karriereverhalten ändern sich mit mehr Frauen an der Spitze. 
  • Männer fördern eher Männer – und weil die Führungspositionen überwiegend mit Männern besetzt sind, rücken Frauen bei der Besetzung der Spitzenposten weniger ins Blickfeld. Es handelt sich um ein sich selbst erhaltendes System.
  • Frauen sind aufgrund ihrer geschlechtsspezifischen Sozialisierung oft nicht so stark darin, ihre Stärken und Erfolge zu kommunizieren. Sie machen weniger stark auf sich aufmerksam.
  • Es gibt viele Karrierenetzwerke und Eliteklubs, zu denen nur Männer Zutritt haben. Hier findet informelles Mentoring statt und hier werden die entscheidenden Karrierekontakte gemacht. Weil Frauen keinen oder nur schwer Zugang zu den Männernetzwerken haben, können sie von den Netzwerken kaum profitieren.

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Gegen eine Frauenquote
  • Eine Frauenquote diskriminiert Männer.
  • Eine gesetzliche Quote greift in die unternehmerische Freiheit ein.
  • Durch die Quote wird Geschlecht zum Kriterium für die Besetzung einer Spitzenposition. Dabei sollte die Leistung und die Qualifizierung entscheidend sein.
  • Frauen werden als Quotenfrau in Unternehmen stigmatisiert.
  • In einigen Branchen und Unternehmen gibt es nicht ausreichend qualifizierte Frauen, um eine Quote einzuführen und einzuhalten.
  • Mädchen und junge Frauen wählen immer noch traditionelle Frauenberufe, aus denen heraus eine Karriere in eine Führungsposition unwahrscheinlich ist.
  • Viele Frauen wollen gar keine Karriere machen, sondern entscheiden sich bewusst für Familie.

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In Dänemark und den Niederlanden gibt es bereits gesetzliche Regelungen, die bestimmte Firmen zu einer ausgeglicheneren Geschlechterrepräsentanz verpflichten. In Schweden will man noch bis 2014 auf Freiwilligkeit setzen, wenn die nicht ausreicht, soll auch dort ein Gesetz folgen.

Man muss Viviane Reding – darin ihrer deutschen Mitkämpferin für eine feste Quote, Ursula von der Leyen , nicht unähnlich – zugestehen, dass sie diese ablehnende Reaktion sehr wohl vorausgeahnt haben dürfte. Kaum droht sie mit einer festen gesetzlichen Vorgabe, bäumen sich etliche nationale Regierungen auf und knurren ganz laut. Gut so, mag sie denken und ihre Pläne weiter bearbeiten. Denn dann hört man es endlich: Die Gleichstellung der Frau ist sehr wohl ein Thema für die EU.

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Leserkommentare
  1. Die Frauenquote diskriminiert vor allem und in erster Linie Mütter. Damit wird die Ursprungsidee ad absurdum gekehrt. Eine Frauenquote wird ja nicht deshalb eingeführt, weil Frauen den Anforderungen "qua Frau" (aus welchen Gründen auch immer) nicht gerecht werden würden, sondern weil sie parallel einer Doppelbelastung als Mutter (oder potentieller Mutter) ausgesetzt sind. Dies führt zu Benachteiligungen im Berufsleben. Wird nun eine Frauenquote eingeführt (stellvertretend für eine nicht zu realisierende Mütterquote) gerät die Mutter doppelt ins Hintertreffen: Denn die Quotenstelle wird nun von einer Frau ausgefüllt werden, die keine Mutter ist. Diese erfüllt die zeitlichen Voraussetzungen in gleicher Weise wie Männer. Damit ist die Mutter nicht nur ihrer Position, sondern auch allen rechtlichen Ansprüchen beraubt, da man ihr gegenüber mit der Erreichung der Frauenquote argumentieren wird. Man sieht also ganz klar, daß eine Verbesserung der staatlichen Kinderbetreuung immer noch der gerechtere Weg ist, als eine "Frauenquote". Eine Frauenquote ist falsch! Sie widerspricht dem ethischen Gleichheitsgebot und führt zu einer Verschärfung des Problems. deshalb ist sie sowohl aus konsequentialistischer Sicht, als auch aus deontologischer Sicht entschieden abzulehnen. Die meisten Ethiker tun dies auch!

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    ....denn väter sind ja für kinder nicht zuständig. ich erkenne hier lediglich ein tiefsitzendes, nationales mentalitätsproblem.

    • DerDude
    • 08. September 2012 0:07 Uhr

    Und wie wird daraus jetzt ein Argument für die Quote?

    Ich verstehe es nicht, klären Sie mich doch bitte auf.

  2. ...die dieser Kommentar verfolgt.

    Aber das scheint ja irgendwie bei den ganzen Vertretern dieser Weltsicht normal zu sein. Wenn die anderen dagegen sind, dann liege ich nicht falsch, dann schreie ich einfach lauter. vdL hört damit ja nicht mal auf, nachdem sie das Thema gewechselt hat.

    • Lukan
    • 05. September 2012 15:00 Uhr

    Alter oder sonstwas, sind niemals gut, weil die zu vergebenen Posten nicht mehr nach dem Leistungs- bzw. Eignungsprinzip vergeben werden.

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    • etiam
    • 05. September 2012 15:07 Uhr

    bedeutet, dass das Geschlecht, die Religion oder andere physische Merkmale KEINE Rolle spielen dürfen. Auch wenn mir die teleologische Argumentation der Quotenbefürworter durchaus einleuchten mag, sie richtet sich gegen die Grundidee der Gleichberechtigung.
    Man macht ein Unrecht (faktische aber nicht rechtliche Benachteiligung von Frauen) nicht durch ein anderes ("ausgleichende" rechtliche Benachteiligung von Männern) wett.
    Wer so denkt, versteht nicht den tieferen Sinn des Gleichheitsgrundsatzes!

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  3. 5. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/mak

  4. ......Die Gleichstellung der Frau ist sehr wohl ein Thema für die EU........

    Ja, fast alles, was von der EU kommt enpfinden die meisten Bürger doch inzwischen als abstruß, extrem bürokratisch und v.a. demokratisch kaum legitimiert. Das geht vom Glühbirnenverbot - über zweifelhaft riesige Subventionströme, Pleitenrettung ganzer Staaten bis zur Frauenquote. Und dann haben wir dort auch solche hochbezahlten Vertreter wie Frau Koch-Mehrin, auch ein ganz leuchtendes Quotenbeispiel.

    [...]

    Gekürzt. Bitte setzen Sie sich auf eine konstruktive Weise mit dem Inhalt des Artikels auseinander. Die Redaktion/mak

  5. "Es steht schlecht um eine europaweite Frauenförderung."

    Das "Gender Paradox" - im Quotenmutterland Norwegen nachgewiesen - hat sich offensichtlich noch nicht in den Schaltzentralen der hiesigen Main Stream Medien rumgesprochen. Je größer die Wahlfreiheit für Frauen desto stärker die weibliche Neigung zu klassisch weiblichen Tätigkeiten.

    http://agensev.de/agens-m...

    Wann wird endlich das zur Kenntnis genommen? [...] In Norwegen wurde diesen Leuten inzwischen der Geldhahn abgedreht und 56 Mio. Euro gestrichen. Da tritt den hiesigen Kostgängern natürlich der Angstschweiss auf die Stirn.

    Gekürzt. Verzichten Sie auf haltlose Unterstellungen. Die Redaktion/mak

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    Nicht nur ich wäre dankbar, wenn die haltlosen Unterstellungen genannt "gläserne Decken" endlich auch von den hiesigen Medien und nicht nur von der norwegischen Politik als solche erkannt werden würde.

    ...ist alles, was mir zu diesem artikel einfällt. arbeite einmal ein paar jahre in norwegen, und du wirst den unterschied sehen.

    - vollzeitarbeitende mütter: kein problem
    - väter in karenz: kein problem
    - frauen in technischen jobs zu finden: kein problem

    lässt sich beliebig fortsetzen. deutschland befindet sich im gleichstellungstechnischen mittelalter verglichen mit norwegen.

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