Leserartikel

LebensentwürfeIch will nicht arbeiten!

Wir arbeiten zu viel, meint Leser Tobias Häfele. Dabei gebe es viel wichtigere Dinge als Karriere, Erfolg und Wettbewerb. von 

Ich bin 20 und ich will nicht arbeiten. Die meisten halten das für einen schlechten Scherz, für jugendlichen Übermut oder für asozial. Einige reagieren noch negativer. Die Aussage "Ich möchte nicht arbeiten" ist für viele nicht nur politisch inkorrekt, sondern schlichtweg asozial.

Arbeit war nie wichtiger als heute. Der Beruf definiert den sozialen Status, Menschen ziehen für Jobs um die halbe Welt, 80-Stunden-Wochen dienen als Beweis des eigenen Erfolgs und bei MTV werden Praktika verlost – Arbeiten als Hauptgewinn! Arbeit ist zentraler Dreh- und Angelpunkt unserer Gesellschaft; je mehr desto besser.

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Dabei ist Arbeit in ihrer jetzigen Form eine relativ moderne Erscheinung. Naturvölker arbeiten nicht mehr als drei bis vier Stunden täglich und Stämme wie die Nuer halten es sogar für ein böses Omen, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen zu arbeiten. Noch im frühen Mittelalter und in den Hochkulturen der Antike war Arbeit im heutigen Sinne meist unbekannt oder von geringem Wert. Aristoteles war beispielsweise der Ansicht, Lohnarbeit mache das Denken unruhig und niedrig. Nietzsche konstatierte: "Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave."

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Der Tag hat 24 Stunden. Idealerweise schlafen wir acht davon. Drei Stunden gehen für unvermeidliche Dinge wie Hausarbeit, Toilettengänge, Duschen und Nahrungsaufnahme drauf. Zählt man noch Arbeitszeit und Anfahrtswege dazu, sind mindestens 20 Stunden des Tages verschwunden. Es bleiben noch vier Stunden zum Leben!

Ich möchte, dass im Zentrum meines Lebens Dinge stehen, die ich gerne mache, die mich bewegen oder begeistern. Davon gibt es mehr als genug. Klavier spielen, kochen, Squash, Theater und Konzerte besuchen, Tanzen, Freunde treffen, lesen, schwimmen, auch mal gar nichts tun, mich bilden und persönlich weiterentwickeln – man könnte auch sagen: leben. Zeitlich betrachtet ist Arbeit aber wichtiger als alle Interessen meines Lebens zusammengenommen.

Ich verteufle Arbeit nicht per se und bin weder faul noch ein Leistungsverweigerer. Arbeit ist wichtig und viele Annehmlichkeiten unserer Zivilisation sind nur möglich, weil Arbeit geleistet wird. Was mich stört, ist der Umfang und der Stellenwert, den Arbeit in unserer Gesellschaft einnimmt. Wenn ich arbeiten muss, um zu leben, einverstanden. Aber leben um zu arbeiten – nein danke!

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Leserkommentare
  1. Ganz meine Meinung.Und ich bin 32, da ist nix mehr mit jugendlichem Überschwang blablabla. Aber da man heutzutage ja von einer Vollzeitstelle kaum leben kann, ist selbst der Traum vom Halbtagsjob unerreichbar...
    Was ich nicht verstehe, ist Arbeit als Identitätsfaktor. Ich arbeite rein, um nicht zu verhungern, um wohnen zu können und mich nicht der demütigenden Prozedur auf dem Amt unterwerfen zu müssen.
    Gäbe es das BGE, ich wär die erste, die umsattelte...

    51 Leserempfehlungen
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    oder von tätigen Leben. Von Hannah Ahrendt. Sehr zu empfehlen zum Thema!
    wahrer Reichtum ... ist Zeit, die nicht durch unmittelbar produktive Arbeit absorbiert wird, sondern zum Genuss, zur Muße, so dass sie zur freien Tätigkeit und Entwicklung Raum gibt. K. Marx, Theorien über den Mehrwert

    Da gibt es noch viel mehr, was ich nicht verstehe: Zum Beispiel, warum in Deutschland mehr als 2,5 Milliarden Überstunden geleistet werden, die Hälfte davon ohne jede Vergütung. Und warum auf der anderen Seite so viele Leute die wollen keine Arbeit finden.
    Diese ganze Modell von Arbeit, die nur dann etwas wert ist, wenn sie auf dem Arbeitsmarkt gehandelt werden kann. Wir eine Ware. Zu der sie diesen existenziellen menschlichen somit auch degradiert. Das alles stammt aus einer Zeit, die vorbei geht. Davon bin ich überzeugt. Aber weil es so ist, dass das Ganze eine Cashcow darstellt, an der sich viele, die andere für sich arbeiten lassen bereichern, wird sich daran in absehbarer Zeit nichts ändern. Die öffentliche Meinung zu dem Thema, spricht doch für sich und aus den Boulevard Blättern.

    Ich denke, es kommt auch darauf an, wie man "Arbeit" definiert.

    Wennich "Arbeit" als eine Tätigkeit definiere, die mir keinen Spaß macht und die ich nur ausübe, damit ich am Monatsende eine gewisse Summe Euros bekomme mit denen ich dann meine Rechnungen begleiche - darauf verzichtet wohl jeder gerne!

    Aber Geld kann man auch für Tätigkeiten bekommen, die man gerne macht!

    Die richtige Berufswahl ist für mich der Schlüssel zum Glück. Und da sollte man sich darüber im klaren sein, daß diese "Wahl" durchaus öfters im Leben neu getroffen wird.

    Wehrmutstropfen bleibt dann noch die Tatsache, daß einige Berufe deutlich weniger honoriert (und damit auch deutlich schlechter bezahlt) werden als andere. Vor allem Handwerker können ein Lied davon singen.

    Wenn man mal erkannt hat, daß Lebensglück weder von Konsum noch von neidischen Nachbarschaftsblicken abhängt, dann wird das Leben (fast) ganz einfach...

    ...daß das bürgerliche Grundeinkommen keine gute Idee ist. Warum soll ich (oder Lieschen Müller) Sie alimentieren?

    • Mike M.
    • 10. Oktober 2012 12:13 Uhr

    "Gäbe es das BGE, ich wär die erste, die umsattelte..."

    Ein gutes Beispiel dafür, dass das BGE zum Staatbankrott führen würde. Dann könnte man nicht einmal mehr die versorgen, die nicht arbeiten können, geschweigen denn, diejenigen, die nicht arbeiten wollen.

    Kant sagt: „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.“ Was würden Sie denn machen, wenn alle aufhören zu arbeiten?

    • starbug
    • 10. Oktober 2012 18:47 Uhr

    "Gäbe es das BGE, ich wär die erste, die umsattelte"
    --------------
    Meinen Sie, ich nicht? Vermutlich wird das dann jeder tun. Dann wäre Deutschland das erste Land, in dem niemand mehr arbeitet.

    Gäbe es das BGE würde der Autor/in nicht mehr arbeiten (im heutigen Sinne: 4 Stunden tägl. zum Leben, Rest:Obligationen) wollen. Daraus leiten andere gleich ab er wäre in dieser Zeit unproduktiv und müsse alimentiert werden.

    Nehme ich mich als Beispiel: Wenn ich als Medienmensch in einer Produktion (egal welches Budget) stecke und mir das Sujet gefällt(was i.d.R. der Fall ist), ist es mir sch... Egal ob ich 8,10,12 oder 20 Stunden am Tag in das Projekt stecke.Falls notwendig auch 7 Tage die Woche. Allerdings kann ich dieses Pensum und die Einstellung selten länger als 12 Wochen am Stück durchhalten. Damit ich im Anschluss die Möglichkeit habe die Kraft zu regenerieren die ich in das Projekt gesteckt habe, muss ich entweder horrende Gage verlangen und dadurch wird Kultur zum Luxusobjekt - oder wie ich es derzeit für ein No-Budget-Projekt tue, am Wochenende in der Industrie "malochen" (was ich gerne tue, da man mal den Kopf etwas "ausschalten" kann) um einigermaßen über die Runden zu kommen. Mit BGE wären meine Produkte günstiger und der Platz in der Industrie für denjenigen frei, der einfach nur 8-Stunden lang seinen Job machen will und danach sein Einkommen in Haus, Familie oder was auch immer stecken mag. Von diesen Menschen gibt es nämlich im realen Leben, abseits der intelektuellen Presse, jede Menge und ich finde wir sollten diesen Menschen den Respekt zollen, den sie verdienen. Denn Sie tragen das Fundament auf dem wir "höher Gebildeten" unsere Luftschlösser bauen..

    • A_Loser
    • 10. Oktober 2012 23:15 Uhr

    Lieber Herr Häferle,

    kleiner Tipp, beantragen Sie Harz 4 und gehen sie nebenbei ein bisschen schwarz arbeiten (die zeit werden sie finden). da haben sie ein gutes taschengeld und können gut leben. wohnung gesundheit etc zahlt der staat. in diesem land muss keiner arbeiten. harz 4 und bissl schwarzen machts möglich.

    Volle Zustimmung!
    Vor Allem zum BGE. Durch diese Flexibilität der Lebensgestaltung würde sich auch die Arbeit besser verteilen.
    Haus(frauen)arbeit würde entlohnt.
    Es entstünde eine Verteilungsgerechtigkeit ohne Neid.

  2. 2. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Danke, die Redaktion/ds

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    Kurz, Lohoff, Trenckle: "Feierabend"
    http://www.krisis.org/wp-...

    Lafargue, "Recht auf Faulheit"
    http://www.drachenleben-n...

  3. ... hoffe ich dass du selbst für dein brot und deine miete aufkommst und was sonst noch so zum leben nötig ist. denn ist dem nicht so, ist es in der tat assig zu sagen, ich will nicht arbeiten.
    andererseits ist es durchaus richtig, dass der arbeit zu viel stellenwert beigemessen wird. wie stolz manche sind, damit anzugeben, dass sie wieder 60-70 h die woche gearbeitet haben. ich bin sicher, sie leisten in dieser zeit nicht mehr als andere und tun es sogar, obwohl die überstunden nicht vergütet werden.
    ich glaube, menschen und gesellschaft wären gesünder, wenn sie dem gelebten leben und der freude daran wieder mehr bedeutung zumessen. das alles natürlich unter der voraussetzung, dass die rechnungen selbst bezahlt werden ... mit vielleicht etwas mehr unterstützung für familien.

    27 Leserempfehlungen
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    • LaSilas
    • 10. Oktober 2012 13:10 Uhr

    Sie verlangen von allen, die kein Geld haben, dass sie ihre Rechnungen selbst bezahlen. Vielleicht war das in den 60er Jahren möglich, heute jedoch nicht mehr.

    Einerseits werden die leistungslosen Einkommen toleriert, wenn Menschen geerbt haben oder von Spekulationen leben. Für mehr Profit hat sich die Arbeitswelt (zugunsten von Aktiengewinnen + Rettungspaketen) massiv geändert. Steuern auf Kapital sind sehr gesenkt bis nicht mehr vorhanden.

    Für die Zinsen der Oberschicht muss immer härter gearbeitet werden und ein Teil, dauerhaft 6-7 Millionen Menschen stecken in der Prekariatsfalle fest. Durch Erpressung und Behördenschikanen werden sie gezwungen, zu jedem Lohn zu arbeiten. So bleiben sie von staatlicher Alimentation abhängig, trotz Arbeit.

    Früher konnte durch Vollzeitarbeit ein (manchmal bescheidener) Wohlstand erreicht werden. Heute gibt es nach ABM, 1-Euro- und Mini-Jobs und kostenlosen Praktikanten noch viel weniger Arbeitsstellen, die sich überhaupt noch lohnen. Millionen können also ihren Wunsch gar nicht erfüllen.

    Schauen Sie erst mal, ob Ihre Forderungen möglich sind, bevor Sie Menschen dafür leiden sehen wollen. Die korrupte deutsche Führung hat die soziale Marktwirtschaft abgeschafft und setzt auf Ausbeutung und Export von Waffen oder z. B. Billigfleisch aus Massentierhaltung.

    Die Arbeiter und Angestellten werden gedumpt und gegeneinander aufgehetzt, während die Rechnungen aufgrund von Profitmaximierung und Machtmissbrauch immer steigen.

    Ich finds absolut ok wenn jemand keine Lust zu arbeiten hat!

    Aber dann soll er bitte nicht jemand anderem auf der Tasche liegen, es sei den es ist freiwillig.

    Wenn Eltern ihren 30Jährigen Sohn noch bei sich zu Hause wohnen lassen, weil er nicht arbeiten will, und sie es ok finden, dann bitte! Also ich habe damit kein Problem.

    Aber keine Lust zu arbeiten und dann aufs Amt rennen oder nach BGE schreien? Nein danke.

    50% meines Gehalts gehen an den Staat.
    Klar da drin sind auch viele Sachen von denen ich profitiere wie Infrastruktur, Kultur, Bildung..
    Aber auch viel Unsinn wie Subventionen, Rettungspakete, soziale Hängematten..
    Bitte streichen, dann muss ich nur 30h/Woche arbeiten. Danke.

    • Manina
    • 10. Oktober 2012 9:56 Uhr

    aber für die meisten Dinge, die man so am Tag macht, braucht man Geld. Oft genug viel Geld, das werden Sie noch merken. Bei weitem die meisten Leute arbeiten zum 'Broterwerb' im wörtlichen Sinne für die ganze Familie.
    Es gibt nur relativ wenige - auch wenn diese meist am lautesten schreien - die für ihr Ego arbeiten. Das sollen diese auch tun.
    Ich würde ihre These denn auch etwas anders formulieren...
    ...In unterschiedlichen Lebensphasen sollte man die Freiheit haben seine Arbeitszeiten an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen!'
    Das würde das Leben tatsächlich vereinfachen.

    15 Leserempfehlungen
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    Für die meißten Dinge braucht man kein Geld...genau genommen braucht man garkein Geld. Was man braucht sind Brot, Schuhe, ein Dach über dem Kopf...Lebensmittel im weitesten Sinne. Die werden in einem Überfluß und mit einer Produktivität erzeugt, das es durchaus reichen würde, ein paar Stunden die Woche zu arbeiten, um diese dann zu gebrauchen. (Zur Verdeutlichung: amfang des 20Jh arbeiteten 80% der Menschen in der Landwirtschaft, heute noch 5%,
    und trotzdem wird mehr produziert)
    Nur dient im real existierenden Kapitalismus eben Produktivität und Fortschritt nicht der Befriedigung der Bedürfnisse, sondern der Profitmaximierung! So kommt es, daß immer wieder Arbeit in Bewegung gesetzt wird, um mehr und immer mehr und neu und toll und konkurrenzfähig und profitabel zu wachsen und zu wachsen und zu wachsen...

  4. oder von tätigen Leben. Von Hannah Ahrendt. Sehr zu empfehlen zum Thema!
    wahrer Reichtum ... ist Zeit, die nicht durch unmittelbar produktive Arbeit absorbiert wird, sondern zum Genuss, zur Muße, so dass sie zur freien Tätigkeit und Entwicklung Raum gibt. K. Marx, Theorien über den Mehrwert

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    Antwort auf "Zustimmung"
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    Stammt nicht von K. Marx... da sollten Sie weiter zurückgehen. Bei Aristoteles ist das noch deutlich besser formuliert... ;-)

  5. 14 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Bitte verfassen Sie konstruktive Kommentare. Danke, die Redaktion/ds

    den es tun ja nicht alle, da Menschen nun mal verschieden sind.

    der passt auch gut zum Thema...:
    http://www.youtube.com/wa...

    ... dass eben genau das nicht passiert. Die Menschen haben unterschiedliche Bedürfnisse hinsichtlich, Arbeit, Freizeit und Geld.
    .
    Ideal wäre es, wenn jeder genau an diese Bedürfnisse angepasst agieren könnte.
    Seit 6 Jahren arbeite ich -selbstständig- nur mehr so viel wie nötig. Ich muss mich zwar bescheiden, aber es lebt sich gut damit.
    Ich könnte bei doppeltem Zeiteinsatz auch den doppelten Umsatz machen, aber dann greift sofort die Steuer und SV zu. Nein danke.

  6. Falls dieses kein Fake Artikel ist, rate ich Ihnen, diesen Weg bis an Ihr Lebensende durchzuhalten. Arbeit ist für ein "richtiges" Leben allenfalls zweitranging,außer natürlich, man macht es gerne und es bringt einen weiter.

    Die wichtigen Dinge, wie z.B. die Suche nach Erkenntnissen oder überhaupt eine persönliche Stellungnahme zu finden zu dem, was um uns herum abläuft,werden durch Arbeit nicht berührt. Arbeit ist das Gefängnis in das viele freiwillig einkehren, weil sie die Suche nach ihren ureigenen Interessen nicht leisten können oder wollen. Und natürlich Angst haben vor den guten oder schlechten Erfahrungen, die in der sogenannten"Freiheit" lauern.

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  7. Für die meißten Dinge braucht man kein Geld...genau genommen braucht man garkein Geld. Was man braucht sind Brot, Schuhe, ein Dach über dem Kopf...Lebensmittel im weitesten Sinne. Die werden in einem Überfluß und mit einer Produktivität erzeugt, das es durchaus reichen würde, ein paar Stunden die Woche zu arbeiten, um diese dann zu gebrauchen. (Zur Verdeutlichung: amfang des 20Jh arbeiteten 80% der Menschen in der Landwirtschaft, heute noch 5%,
    und trotzdem wird mehr produziert)
    Nur dient im real existierenden Kapitalismus eben Produktivität und Fortschritt nicht der Befriedigung der Bedürfnisse, sondern der Profitmaximierung! So kommt es, daß immer wieder Arbeit in Bewegung gesetzt wird, um mehr und immer mehr und neu und toll und konkurrenzfähig und profitabel zu wachsen und zu wachsen und zu wachsen...

    46 Leserempfehlungen
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    • Mieheg
    • 10. Oktober 2012 10:51 Uhr

    Geld ist doch nur Synonym für Essen, Schuhe, etc. . Auch ist es etwas kurzfristig gesehen zu sagen das nur 5% in der Landwirtschaft arbeiten. Jemand der Straßen baut für Lastwagen die Lebensmittel transportieren arbeitet nicht in der Landwirtschaft? Jemand der im Supermarkt Regale einräumt arbeitet nicht in der Lebensmittelindustrie?
    Und eine schöne Wohnung oder Haus wollen sie doch auch, also wo die Grenze ziehen? Hatten alle Menschen genug zu essen vor 100 Jahren? Hatten alle ein Dach übern Kopf? Konnten sie sich so austauschen wie wir es heutzutage können? Persönlich finde ich das System auch nicht optimal, aber sich die schlechten Sachen rauspicken und die positiven ignorieren um dann das ganze System zu kritisieren ist schon ein bisschen billig.

    Es ist sicherlich nicht einfach eine Grenze zu ziehen. Aber es ist auch gar nicht nötig. Wie viele nun in der Lebensmittelindustrie nun genau arbeiten ist doch irrelevant.
    Entscheidend ist doch, daß die Produktivität zunehmend erhöht wird. Die Notwendigkeit Menschen anzustellen um die Arbeit zu verrichten nimmt dagegen ab.
    Genau an dieser Entwicklung tut sich der Konflikt auf. Wozu dient die Arbeit? Um Wohlstand zu sichern. Was ist denn nun, wenn die Chancen der Einzelnen am zunhemenden Wohlstand teilzuhaben schwindet, weil die Arbeit nachlässt?

    Dann ist da noch die Fehlentwicklung auf der Produktionsseite zu benennen. Die Fabriken sind natürlich auch angehalten zu wachsen und mehr zu produzieren. Das hat inzwischen dazu geführt, daß der Einzelhandel gezwungen ganze Ortschaften zu bauen, um als konsumentenfreundliche Resterampe zu dienen. Oder wie ist das Spriessen der Outlet-Center an den Autobahnen anders zu deuten? Die Verkäufe in den Outlet-Resterampen fehlen in den Innenstädten, bzw. dem herkömmlichen Einzelhandel.

    Ja, aus meiner Sicht sind in unserer Wirtschaft noch einige Blasen, die nicht gut sind!

    • Psy03
    • 10. Oktober 2012 16:16 Uhr

    Produktivität und Fortschritt nicht der Befriedigung der Bedürfnisse, sondern der Profitmaximierung! So kommt es, daß immer wieder Arbeit in Bewegung gesetzt wird, um mehr und immer mehr und neu und toll und konkurrenzfähig und profitabel zu wachsen und zu wachsen und zu wachsen..."

    Genau! Und wie wir Alle wissen, funktioniert das mit begrenzten Platz und Rohstoffen nicht endlos.

    Es wäre langsam an der Zeit für eine zweite Renaissance, so Ähnlich wie man Sie in Animatrix als Vorgeschichte sieht.
    Man braucht hierfür aber keine komplett ausgereifte KI, sondern ein ausgereiftes und möglichst in vielen Ländern angewandtes BGE.

    Meine Lehrerin meinte seinerzeit schon wir entwickeln uns immer mehr zurück.
    Man muß sich mal vor Augen halten in welchen Zeiten die Menschen gut davon Leben konnten Dichter, Philosophen und "Schöngeister" zu sein.
    Wie sind die Chancen heute Zeit für das eigene geistige Gut zu verwenden und ggf. damit Geld zu verdienen?
    Ersteinmal nebenbei, wenn der Job es denn erlaubt.

    Und wie einfach war es einmal in viele Berufe Quereinzusteigen und wieviel ist davon noch geblieben?
    Unbezahlte Praktika ja, aber das wars dann auch meist.

    Bauern sind gegen ihren König in den Krieg gezogen, weil sie 10% Steuern abgeben sollte.
    Heute sind es bereits über 50%, jeder zweite Euro ist ein Steuereuro! Und es rührt sich niemand!

    Und ich bezweifle das es einem Call Center Sklaven heute so viel besser geht, als dem Durchschnittsbauern seinerzeit.

  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte MTV | Theater | Antike | Arbeit | Arbeitszeit | Aristoteles
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