Leserartikel

GleichberechtigungIst der Lohnunterschied nur ein Frauen-Thema?

Warum regen sich Männer nicht auf, wenn die Partnerin weniger Geld nach Hause bringt, als ihr zusteht? Das fragt sich Leserin Kriemhilde Räber-Schwarz. von 

Zum internationalen Frauentag 2012 wurde meine Ausstellung Gender-Portraits eröffnet. Die Vernissage besuchten zu 90 Prozent Frauen. Schon der Ausstellungsort, das Frauenbüro, entwickelte sich erwartungsgemäß zu einer unüberwindlichen männlichen Hemmschwelle. Ein Mann fasste sein Dilemma mit den Worten zusammen: "Aha, Frauenkunst" – er schickte seine Frau zur Eröffnung.

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Kunst von Frauen – Kunst (nur) für Frauen? Diese Vorstellung ist immer noch Teil gesellschaftlicher Realität. Die Kunst von Frauen ist bis auf wenige Ausnahmen in der Kunstgeschichte verschwundene Kunst. Das impliziert eine Wertedifferenz von Frauenkunst und Männerkunst, die sich allgemein auf Frauenarbeit und Männerarbeit übertragen lässt.

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Frauen widmeten sich bis vor wenigen Jahrzehnten fast ausschließlich der sogenannten unbezahlten Arbeit. Deshalb ist die Arbeit von Frauen verschwundene Arbeit, wie wir derzeit auch anhand der Renten feststellen müssen. Bis heute gibt es eine Differenzierung nach geschlechterbezogenen Berufen. Das ist Ausdruck eines gesellschaftlichen Missverhältnisses, das sich folgendermaßen manifestiert: in der unterschiedlichen Bezahlung, dem Gender Pay Gap und in der Wertschätzung von so genannter Männer- und Frauenarbeit. 

Warum entrüsten sich Männer eigentlich nicht, dass ihre Ehefrauen oder Partnerinnen für ihre Arbeit weniger Geld nach Hause bringen, als ihnen eigentlich zustünde? Siegt da das Ego über die Gier?

Gender Pay Gap

Als Gender Pay Gap wird die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bezeichnet. Einer OECD-Studie aus dem März 2012 zufolge verdienen Vollzeit beschäftigte Frauen in Deutschland durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das belegen auch die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamt. Die Statistiker stellen eine unbereinigte Lohnlücke von 22 Prozentfest.

ImGlobal-Gender-Gap-Report des Weltwirtschaftsforums  2012 kam Deutschland auf Platz 13, 2006 war die Bundesrepublik noch auf Platz fünf gewesen.

Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Berufen und wenig in Führungspositionen. Das erklärt zwei Drittel des Lohnunterschieds. Es bleiben jedoch sieben bis acht Prozent Differenz aufgrund des Geschlechts. Dieser Unterschied wird als bereinigte Lohnlücke bezeichnet.

Gender Pension Gap

Als Gender Pension Gap wird die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen bezeichnet. Einer Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Februar 2012 zufolge beträgt sie 59,6 Prozent. Dabei fällt der Gender Pension Gap im Osten mit 36,7 Prozent niedriger aus als im Westen mit 63,4 Prozent.

Maßgeblich für die Rentenlücke sind die weiblichen Erwerbsbiographien: Frauen, die sich für Ehe und Familie entschieden haben, bekommen sogar 69,6 Prozent weniger Rente. Sie haben für die Kindererziehung ihre Erwerbstätigkeit oft lange unterbrochen und in Teilzeit gearbeitet. Dadurch haben die Frauen nur geringe Rentenansprüche erworben.

Die heutige durchschnittliche gesetzliche Rente von Frauen beträgt 645 Euro im Monat, für Männer hingegen 1.595 Euro.

Bilder haben die Eigenschaft, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und nachzuwirken und können so schneller wieder als Ganzes abgerufen werden. Durch Übertreibung, kombiniert mit einem mehrdeutigen Titel, legen meine Bilder das Konfliktpotential offen. Der Bildtitel des gezeigten Gemäldes Mind The Gap – Trauerspiel in 27 Akten findet seine Herkunft in der bekannten Lautsprecherdurchsage "mind the gap" des Londoner Undergrounds, die unermüdlich vor der Lücke zwischen Bahn und Bahnsteigkante warnt.

Während die "gap" in der Londoner Tube jedoch mühelos überwunden wird, hat die langjährige Warnung vor der Lücke im Gehaltsunterschied von Männern und Frauen in Deutschland keinen Erfolg gezeigt: Die Differenz pendelt seit 2000 bei 22 Prozent und liegt somit über dem EU-Durchschnitt von derzeit rund 18 Prozent. Diese Problematik setze ich in das Medium Bild um, dessen Struktur auf einem Diagramm basiert. Die Balken mutieren zu einem Gitter, das die Frauenlöhne unter Verschluss hält und den optimistischen Start in die Berufswelt im Laufe eines Frauenberufslebens bereits mit Anfang 30 in der "gap" verschwinden lässt. Eine Merk-Würdigkeit, die die Journalistin Tina Groll als "das verschwundene Geschlecht" bezeichnet.

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Leserkommentare
    • Grego
    • 10. November 2012 23:06 Uhr

    D'accord. Die Ratio kommt im Verhalten schwerlich gegen die durch Primär- und Sekundärsozialisation eingeflößten geschlechtsspezifischen Rollenmodelle an.

    Die Variable Milieu zeitigt schichtenspezifische Differenzierungen: Kinder der Oberschicht (Pfarrers Kinder, Juristens Vieh gedeihen selten oder nie.)

    Bei Selbstständigen, sei es auch nur ein Lebensmittel-oder Bäckerladen - weisen selbst Töchter - unabhängig vom IQ - ein höheres Selbstbewusstsein, Durchsetzungsfähigkeit, selbst Chuzpe auf. Vernachlässigung begünstigt Lebenstüchtigkeit?

    • omnibus
    • 10. November 2012 23:29 Uhr

    Kunst sollte mehr sein als der geschmäcklerischen Ausdruck persönlicher Betroffenheit.

    Im Übrigen haben Frauen im Kunstbetrieb in den letzten Jahrzehnten deutlich aufgeholt. Der direkte Weg, sich innerhalb der Konkurrenz zu behaupten, ist der einzig gangbare. Wer etwas erreichen will, muss es sich holen und nicht erwarten, dass ihm etwas geschenkt wird, wenn er nur laut genug jammert.

  1. das Prinzip der Auftragskunst. Die gesellschaftliche Stellung der Frau braucht man nicht zu diskutieren, sie war eindeutig auf ihre Funktion als Hausfrau und Mutter fokussiert. Alles andere, eine Berufsausbildung etwa, galt als unerwünscht. Es herrschte das Patriarchat. Und das bis in die späten 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Selbst zu Zeiten Andy Warhols wurden Frauenkoleginnen nicht so ernst genommen, was sich, von Amerika ausgehend, dann allerdings sehr schnell geändert hat! Bedenken Sie bitte, ab wann Frauen z.B. der Zustritt zu den Akademien und Universitäten gestattet war! Unter diesem Aspekt ist es schon bewundernswert, dass es zumindest einige Frauen wie zum Beispiel Artemisia Gentileschi oder Angelika Kaufmann in die Kunstgeschichte geschafft haben. Und es gibt prominente Beispiele wie Alma Mahler, Clara Schumann oder Camille Claudel, die von ihren Partnern in der Kunstausübung gehindert wurden!

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    • fegalo
    • 11. November 2012 15:00 Uhr

    “ Die gesellschaftliche Stellung der Frau braucht man nicht zu diskutieren, sie war eindeutig auf ihre Funktion als Hausfrau und Mutter fokussiert. Alles andere, eine Berufsausbildung etwa, galt als unerwünscht. Es herrschte das Patriarchat. …“

    Wir werden natürlich nie zu einer Übereinstimmung kommen, da Sie immer behaupten können, die Verhinderungskräfte hätten ein Ausmaß gehabt, das nicht überwunden werden konnte.

    Da müssen Sie dann natürlich auch behaupten, dass alle Gesellschaften des Abendlands in einer Weise eingerichtet waren, die dem Naturell eines Geschlechtes Rechnung trugen, das des anderen jedoch unterdrückten. Eine solche Behauptung nenne ich hochgradig gewagt.

    Seit Beginn der Frauenbewegung in den 70ern und noch früher werden wir bombardiert mit Abertausenden von Ankündigungen vom Siegeszug der Frauen, vom Erstürmen von Männerbastionen, von der Ebenbürtigkeit oder gar Überlegenheit der Frauen in all den typischen Männerdomänen. Der Strom dieser Pamphlete reißt bis auf den heutigen Tag nicht ab.

    Im selben Denken, das Sie hier offenbaren, war damals schon allen klar, dass die Abwesenheit von Frauen unter den Forschern, Erfindern, Technikern, Wissenschaftlern, Firmengründern, Regierenden etc. etc. rein soziologisch den Verhinderungskräften des Patriarchats geschuldet sei, und dass mit dem Erreichen der Gleichberechtigung ein unaufhaltsamer Strom ehrgeiziger Frauen („Powerfrauen“) in allen diesen Bereichen mindestens Parität erreichen würde.

    Das fürchte ich auch, weil Ihre Verdrängungsmechanismen zur bestehen historischen Faktenlage eine fruchtbare Diskussion verhindert. Ziehen Sie in Frieden!

  2. 84. [...]

    Entfernt. Verzichten Sie auf die Verbreitung kruder Thesen und Unterstellungen die zu keiner sachlichen Diskussion führen können. Die Redaktion/mak

    Antwort auf "...Fortsetzung"
  3. Theologen und deren Tross können selbstverständlich politikwissenschaftliche Kategorisierungen vornehmen.

    Was wären wir ohne unsere "Generalisten"?;)

  4. Weil es vermutlich zu einem fetten Streit der Partner führen würde. Ich stell mir das mal so vor: Er sagt zu mir in etwa folgendes, im entrüsteten Tonfall: Sach ma, die dumme Pute, kannst du nicht vernünftig verhandeln? Bist du zu blöd, dich angemessen bezahlen zu lassen? Hast dich mal wieder weichklopfen und unterkriegen lassen bei der Gelhaltsverhandlung, ja? Meine Güte, mit was für einer Versagerin bin ich eigentlich gestraft, hä? Typisch weiblich, kein Durchsetzungsvermögen, keine Ahnung vom eigentlichen Wert deiner Arbeit, kein Verhandlungsgeschick!

    Also, wenn sich mein Partner darüber entrüsten würde, dass ich mich angeblich nicht angemessen genug bezahlen lasse, wäre ich stinksauer.

    • fegalo
    • 11. November 2012 15:00 Uhr
    87. [...]

    “ Die gesellschaftliche Stellung der Frau braucht man nicht zu diskutieren, sie war eindeutig auf ihre Funktion als Hausfrau und Mutter fokussiert. Alles andere, eine Berufsausbildung etwa, galt als unerwünscht. Es herrschte das Patriarchat. …“

    Wir werden natürlich nie zu einer Übereinstimmung kommen, da Sie immer behaupten können, die Verhinderungskräfte hätten ein Ausmaß gehabt, das nicht überwunden werden konnte.

    Da müssen Sie dann natürlich auch behaupten, dass alle Gesellschaften des Abendlands in einer Weise eingerichtet waren, die dem Naturell eines Geschlechtes Rechnung trugen, das des anderen jedoch unterdrückten. Eine solche Behauptung nenne ich hochgradig gewagt.

    Seit Beginn der Frauenbewegung in den 70ern und noch früher werden wir bombardiert mit Abertausenden von Ankündigungen vom Siegeszug der Frauen, vom Erstürmen von Männerbastionen, von der Ebenbürtigkeit oder gar Überlegenheit der Frauen in all den typischen Männerdomänen. Der Strom dieser Pamphlete reißt bis auf den heutigen Tag nicht ab.

    Im selben Denken, das Sie hier offenbaren, war damals schon allen klar, dass die Abwesenheit von Frauen unter den Forschern, Erfindern, Technikern, Wissenschaftlern, Firmengründern, Regierenden etc. etc. rein soziologisch den Verhinderungskräften des Patriarchats geschuldet sei, und dass mit dem Erreichen der Gleichberechtigung ein unaufhaltsamer Strom ehrgeiziger Frauen („Powerfrauen“) in allen diesen Bereichen mindestens Parität erreichen würde.

    Eine Leserempfehlung
    • fegalo
    • 11. November 2012 15:02 Uhr
    88. [...]

    In der Wirklichkeit dagegen passierte wenig. Kein Ansturm, keine Übernahme, kein Ausgleich. Die Gleichberechtigung war da, aber die Frauen machten keine großen Anstalten, auf dem Markt der Möglichkeiten den vorhergesagten Anteil zu erstreiten. Die Lobbyistinnen in den Verbänden guckten dumm.

    Flugs tauschte man das Projekt „Gleichberechtigung“ durch das Projekt „Gleichstellung“ aus, das mit Girls‘ Day, Sonderstudiengängen für Frauen, erleichterten Zugangsbedingungen zur Universität, Frauenstipendien, Förderprojekten aller Art, Gründerinnenförderung, Frauenquoten in Wirtschaft und Politik, sprich: und so weiter ad infinitum, offener Frauenbevorzugung diesem „Missstand“ zuleibe rücken sollte.

    Die Ergebnisse bleiben mager. Überall dort, wo mehr Frauen nachrücken als Männer, werden die Kandidaten für die Führungspositionen knapp. Ob in Krankenhäusern die Chefarztposten oder in den Schulen die Direktorstellen – Frauen zeigen wenig Neigung zur Übernahme von Verantwortung.
    Jetzt braucht man natürlich einen Oberschlauberger vom Schlage eines Bourdieu, der uns erklärt, dass diese Fehlerwartung seitens der Feministinnen nicht einem zuviel an soziologischer Erklärung geschuldet ist, sondern einem zuwenig. Durch geheime Sozialisierungsvorgänge wirken die patriarchalischen Fehlhaltungen auch nach dem Erreichen der gesetzlichen Gleichberechtigung weiter bis ins siebte Glied. Was kann gegen solche Glaubensgewissheiten der nackte Verstand schon ausrichten?

    Eine Leserempfehlung
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    "Frauen zeigen wenig Neigung zur Übernahme von Verantwortung."
    Was ist der Grund dafür, Ihrer Meinung nach? Halten Sie Frauen für dümmer, unkreativer, weniger entschlussfreudig, feiger?
    Ganz nebenbei: Ich bin absolut gegen Frauenquoten, weil ich sie für ungerecht, völlig überflüssig und vor allem beleidigend für Frauen halte.
    Es klingt in Ihren Kommentaren in der Tat so, als seien Männer für Sie die besseren Menschen und Frauen könnten ihnen niemals ebenbürtig sein. Ich nehme jetzt einfach mal an, dass Sie männlichen Geschlechts sind, haben Sie noch nie eine anregende Diskussion mit einer Frau geführt, die Sie intellektuell angesprochen oder sogar in Ihrer Weltsicht verändert hat? Oder denken Sie bei solch einem Gespräch stets daran, dass diese Frau ihnen immer unterlegen sein wird? Gehen Sie wirklich mit dieser unfassbaren Arroganz durch die Welt?
    Welche Daseinsberechtigung haben Frauen ihrer Meinung nach? Lassen Sie mich (etwas überspitzt) raten: sie sind dazu da, noch mehr überlegene Männer in die Welt zu setzen?

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  • Quelle Leserartikel
  • Schlagworte Gleichberechtigung | Arbeit | Kunst | Rente
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