StudieFast drei Viertel der erwerbsfähigen Frauen haben einen Job

Die Erwerbsquote von Frauen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Beim Verdienst aber kommen Forscher zu einem erstaunlichen Resultat.

2011 hatten nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln fast drei Viertel der Frauen zwischen 15 und 64 Jahren 2011 einen Job. Das ist deutlich mehr als der europäische Schnitt von 65 Prozent und ebenfalls weit mehr als die 63 Prozent, bei denen die deutschlandweite Quote noch 2000 gelegen hatte.

Nur in skandinavischen Ländern arbeiten im Schnitt mehr Frauen: in Schweden sind es laut dem Institut 78 Prozent.

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"Aufgrund des demografischen Wandels muss Deutschland das Beschäftigungspotenzial von Frauen besser nutzen – und das ist in den vergangenen zehn Jahren auch gelungen", sagte Institutsdirektor Michael Hüther.

Der Beschäftigungszuwachs der vergangenen Jahre rührt den Berechnungen nach daher, dass Frauen zunehmend in Teilzeit arbeiten. Seit 2006 sei aber auch der Anteil der Frauen gesunken, die nur deshalb in Teilzeit arbeiten, weil sie keine Aussicht auf eine Vollzeitstelle haben.

Kinderbetreuungsplätze fehlen

Teilzeit ist aber eine Beschäftigungsform, in der wenig Aussicht auf Karriere besteht, was Frauen in dieser Beziehung hinter den Männern zurückbleiben lässt. Familienbedingte Erwerbspausen, die überwiegend Frauen machen, bremsen die Karriere ebenfalls. Entsprechend, schlussfolgern die Experten, helfen dagegen weder vom Staat verordnete Frauenquoten noch Eingriffe in die Verdienstgestaltung.

Gender Pay Gap

Als Gender Pay Gap wird die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen bezeichnet. Einer OECD-Studie aus dem März 2012 zufolge verdienen Vollzeit beschäftigte Frauen in Deutschland durchschnittlich 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das belegen auch die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamt. Die Statistiker stellen eine unbereinigte Lohnlücke von 22 Prozentfest.

ImGlobal-Gender-Gap-Report des Weltwirtschaftsforums  2012 kam Deutschland auf Platz 13, 2006 war die Bundesrepublik noch auf Platz fünf gewesen.

Frauen arbeiten häufiger in schlecht bezahlten Berufen und wenig in Führungspositionen. Das erklärt zwei Drittel des Lohnunterschieds. Es bleiben jedoch sieben bis acht Prozent Differenz aufgrund des Geschlechts. Dieser Unterschied wird als bereinigte Lohnlücke bezeichnet.

Gender Pension Gap

Als Gender Pension Gap wird die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen bezeichnet. Einer Studie des Bundesfamilienministeriums aus dem Februar 2012 zufolge beträgt sie 59,6 Prozent. Dabei fällt der Gender Pension Gap im Osten mit 36,7 Prozent niedriger aus als im Westen mit 63,4 Prozent.

Maßgeblich für die Rentenlücke sind die weiblichen Erwerbsbiographien: Frauen, die sich für Ehe und Familie entschieden haben, bekommen sogar 69,6 Prozent weniger Rente. Sie haben für die Kindererziehung ihre Erwerbstätigkeit oft lange unterbrochen und in Teilzeit gearbeitet. Dadurch haben die Frauen nur geringe Rentenansprüche erworben.

Die heutige durchschnittliche gesetzliche Rente von Frauen beträgt 645 Euro im Monat, für Männer hingegen 1.595 Euro.

Um Frauen die gleichen Karriere- und Verdienstchancen wie Männern zu geben, wäre die Politik vielmehr gut beraten, die Möglichkeiten und die Infrastruktur der Kinderbetreuung zu verbessern. Die Bundesregierung billigte mit aus dem Grund Eltern ab August 2013 einen Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz zu. Noch fehlen laut Statistischem Bundesamt allerdings mehr als 200.000 Plätze.

Lohnlücke schrumpft je nach Berechnung

Erstaunlich fallen Berechnungen zum Einkommensunterschied zwischen Frauen und Männern aus: Er schmilzt den Forschern zufolge auf bis zu zwei Prozent, wenn diverse Faktoren miteingerechnet werden.

Zunächst gehen die IW-Experten auch von einer Differenz beim Bruttostundenverdienst von 25 Prozent zu den Männern aus. Das entspricht einem Wert, auf den auch andere Forscher kamen oder den das Statistische Bundesamt 2010 noch ermittelte.

In puncto berufliche Gleichberechtigung ist Deutschland damit in Europa an hinterster Stelle. In den 34 Industriestaaten, die sich in der OECD zusammengeschlossen haben, liegt die Differenz im Schnitt nur bei 16 Prozent. In Norwegen etwa bekommen Frauen lediglich 8,4 Prozent und in Belgien 8,9 Prozent weniger Gehalt als die Männer.

Praktisch auf null

Aus dem deutschen Wert rechneten die Kölner Forscher Faktoren wie Bildungsstand, Wohnregion, Alter, Dauer der Betriebszugehörigkeit, Unternehmensgröße, Art der beruflichen Tätigkeit oder Berufserfahrung heraus. Mit der Folge, dass sich die Lohnlücke auf rund elf Prozent verringerte.

Wenn Frauen nach familienbedingter Auszeit rasch wieder in den Job zurückkehren, schrumpfe der Abstand weiter, hieß es. Bei Arbeitnehmerinnen mit einer Auszeit von maximal 18 Monaten liege der Verdienstunterschied dann nur noch bei knapp zwei Prozent.

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Leserkommentare
  1. Frauen können ja nichts anderes...

    via ZEIT ONLINE plus App

  2. 18. [...]

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/jz

  3. erfahren wir, wie schlimm das Leben ohne einen Arbeitgeber sei, an den man sich verkaufen könne.

    Warum erfahren nichts über die Qualen der Lohnarbeit?

    Und an wen verkaufen sich die Arbeitgeber, die von anderen erwarten, dass diese sich verkaufen? Warum denn an niemand, wenn Selbstverkauf so gut und toll ist?

    DIE FRAGE ist doch nicht nur: Wieviel Geld bekomme ich für die Arbeit, sondern auch: Wieviel Leben muss ich dafür opfern?

    Es ist traurig, dass unsere kapitalistische Einheitspresse immer nur ihren einzigen Tunnelblick wahrt, es ist dast schon komisch, wie sie darauf reagiert, dass es immer noch Menschen gibt, die noch anders leben können. Sofort muss denen dann klargemacht werden, dass sie diskriminiert werden, weil sie nicht ausgebeutet werden. Und zur Unterstützung dieser schrägen Argumentation wird die Einschränkung von allem gefordert (z.B. dem Ehegattensplitting), was einen "Anreiz" (???) zu selbstbestimmter Lebensgestaltung geben könnte, weil jeder solche Anreiz ja den Menschen die "Freiheit" raube, sich selbst verkaufen zu MÜSSEN.

    Komisch, dass 90% der Menschen immer noch anders leben WOLLEN und nur halt nicht können.

    Für wie blöd halten die uns eigentlich?

    7 Leserempfehlungen
  4. 20. Darum

    "Wieso gehen sie so automatisch davon aus, dass die 2% verfälscht seien?"

    Vermutlich weil so ziemlich jeder Mensch gerne mehr Geld hätte/verdienen würde. Weil wir gleichzeitig aber lieber nach einem positiven Selbstbild streben, sucht man die "Schuld"/Verantwortung für diesen als negativ empfundenen Aspekt lieber bei Anderen/äusseren Faktoren als bei sich selbst.

    Und so gibt der Langzeitarbeitslose lieber den vermeintlich viel zu vielen Migranten im Land die Schuld als seiner eigenen Leistung, und auch für die Frau, die neidisch auf Personen ist die mehr als sie verdienen, ist die Vorstellung, sie wäre eben Opfer einer himmelschreienden Ungerechtigkeit ("25% Gehaltsunterschied!!! Ich kriege 25% zu wenig, nur weil ich keinen Penis habe!!!") auf die sie keinerlei Einfluss hat reizvoller als der Gedanke, dass Berufswahl, jahrelange Elternzeit und Teilzeit-Beschäftigung der Hauptgrund dafür sein könnten, dass man nicht im Vorstand eines DAX-Unternehmens sitzt, sondern bei Karstadt Haare schneidet.

  5. ....bedeudet normalerweise, einen vernünftig bezahlte vollzeitjob nachzugehen. aber ich weiss, das würde ein mann wohl kaum als karriere ansehen.

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  6. Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    @Ad_Absurdum

    Sie haben die Quelle zitiert. Jetzt kommt es drauf an, dass Sie sich richtig einordnen.

    Beispielsweise, wie so eine durchschnittliche Kinderzahl von 1.5 Kindern pro Frau zu bewerten ist.
    Bezogen auf die bestandserhaltenden 2.1 Kinder sind das doch immer noch mehr als 71%!

    Nehmen Sie ein anderes Beispiel:
    Im Sommer beträgt die Temperatur an manchen Tagen 306° Kelvin. Im Winter an manchen Tagen 241° Kelvin.
    Im Winter ist die Temperatur also noch bei mehr als 78% des höchsten Sommerwerts. Trotzdem würde ihnen die eine Temperatur sehr warm vorkommen, die andere sehr kalt.

    Und jetzt werden Sie bitte nicht ein, die Kelvin-Skala beziehe sich ja auch auf den absoluten Nullpunkt, denn die Geburtenziffern, welcher Art auch immer, beziehen sich alle auf den absoluten Nullpunkt von 0 Kindern pro Frau.

    0 Kinder pro Frau heisst: Ab der nächsten Generation und von da ab für immer ist niemand mehr da.

  7. ...haben wesentlich höhere geburtenraten, ebenso wie die höchsten frauenvollzeiterwerbsquoten. wenn ein staat allerdings meint, dass gute kinderbetreuung, regelungen für väter etc. nicht so wichtig sind (dafür direktzahlungen um so mehr), dann kann man sich jede weitere diskussion sparen. die skandinavier machens vor, aber die deutschen/mitteleuropäer sind schlicht zu selbstverliebt, um ihren irrtum einzugestehen.

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    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Tatsache ist nun mal das in Deutschland als Reaktion auf ein demographisches Problem die Frauen als Arbeitskräftereservoir angezapft wurden.
    Die sprachliche Übereinstimmung mit der Rohstoffprospektion kann dabei kein Zufall sein.
    Der Markt hat das geregelt als die Politik es nicht wollte und immer noch nicht will, weil jeder der die banale Wahrheit ausspricht das Frauen Kinder bekommen müssen wenn es eine nachfolgende Generation geben soll, sich in einem unauflösbaren Ideologischen Dschungel wiederfindet.
    Wenn der nicht bald überwunden wird hilft am Ende wohl wirklich nur noch Masseneinwanderung. Am Ende bedeutet ungefähr zu der Zeit in der die meisten von uns keine Enkel haben werden.

  8. Tatsache ist nun mal das in Deutschland als Reaktion auf ein demographisches Problem die Frauen als Arbeitskräftereservoir angezapft wurden.
    Die sprachliche Übereinstimmung mit der Rohstoffprospektion kann dabei kein Zufall sein.
    Der Markt hat das geregelt als die Politik es nicht wollte und immer noch nicht will, weil jeder der die banale Wahrheit ausspricht das Frauen Kinder bekommen müssen wenn es eine nachfolgende Generation geben soll, sich in einem unauflösbaren Ideologischen Dschungel wiederfindet.
    Wenn der nicht bald überwunden wird hilft am Ende wohl wirklich nur noch Masseneinwanderung. Am Ende bedeutet ungefähr zu der Zeit in der die meisten von uns keine Enkel haben werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, tst
  • Schlagworte Studie | Bundesregierung | OECD | Alter | Arbeitnehmer | Gehalt
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