StrafantragGastro-Unternehmen Vapiano soll Betriebsratswahl verhindert haben

Der Restaurantbetrieb soll Kandidaten schikaniert haben, um eine Mitarbeitervertretung zu verhindern. Doch Teile der Belegschaft sind angeblich Betriebsratskritiker.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG hat nach Informationen von Welt Online Strafantrag gegen das Gastronomieunternehmen Vapiano gestellt. Grund ist demnach die Behinderung der angestrebten Betriebsratswahl. Drei Mitarbeiter hatten in Bochum im Januar einen Betriebsrat gründen wollen. Sie sagen, die Unternehmensleitung habe das behindert. In dem Bochumer Betrieb arbeiten nach Unternehmensangaben etwa 80 Mitarbeiter in Küche und Restaurant.

Welt Online zitiert ungenannte Gewerkschafter, Vapiano habe die drei Beschäftigten zunächst mit besseren Gehältern und Arbeitsbedingungen von ihrem Vorhaben abbringen wollen. Die lehnten das ab. Danach soll die Leitung die gesamte Bochumer Belegschaft eingeschüchtert haben – zunächst ohne Erfolg.

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Denn am 31. Januar bestimmten die Mitarbeiter einen Wahlvorstand, der eine spätere Betriebsratswahl organisieren soll.

Vapiano versuchte, die Wahl mit einer einstweiligen Verfügung des Arbeitsgerichts Bochum zu stoppen, scheiterte jedoch. Einen Tag später kündigte Vapiano zwei Mitgliedern Wahlvorstands, der inzwischen aus fünf Mitarbeitern bestand, fristlos, darunter der Vorsitzenden. Auch dem verbliebenen Wahlvorstand habe Vapiano das Leben extrem schwer gemacht, zitierte Welt Online einen Gewerkschafter.

Raum und Arbeitsmittel fehlten

Demnach fehlte es an einem Raum, die Unternehmensleitung stellte auch keine Arbeitsmittel zur Verfügung. Aus Sicht der Gewerkschaft ist das Vorgehen von Vapiano eine Behinderung der Betriebsratswahl – und damit strafbar. Der Wahlvorstand des Betriebs Bochum reichte am vergangenen Donnerstag Klage ein, die Gewerkschaft folgte tags darauf.

Vapiano wies alle Vorwürfe zurück. "Für Vapiano ist die Arbeit von Betriebsräten wichtig", teilte die Unternehmensführung mit. Deshalb werde man sich "nie gegen die Einrichtung eines Betriebsrates stellen".

Allerdings sei die Wahl in Bochum nicht ordnungsgemäß abgelaufen. Viele Mitarbeiter hätten nicht wählen können, obwohl sie sogar schriftlich dargelegt hätten, wie wichtig ihnen die Teilnahme sei. Wäre die Wahl nach dem Betriebsverfassungsgesetz abgelaufen, "hätten wir keinerlei Veranlassung gesehen, etwas zu unternehmen".

Eine Unternehmenssprecherin erläuterte, Mitarbeiter würden "jetzt offenbar" gegen Mitglieder des Wahlvorstands Strafanzeige wegen Nötigung erstatten. Dessen Mitglieder hätten "massiv Druck auf die Belegschaft ausgeübt und gezielt Angst verbreitet". Die Unternehmensführung befürchtet, die Angezeigten instrumentalisierten die Gewerkschaft für ihre Zwecke, zum Schaden von Vapiano und der Beschäftigten.

Das Unternehmen betreibt weltweit mehr als 100 Restaurants, teils als Franchisegeber, teils in Eigenregie. In den von Vapiano in Eigenregie betriebenen Restaurants in Deutschland gibt es bisher keinen Betriebsrat – so auch in dem Bochumer Betrieb.

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Leserkommentare
    • Insane
    • 25. Februar 2013 9:22 Uhr

    Sie haben die Betriebsratwahl verhindert und werden dennoch ohne Sanktionen davonkommen. Typisch! Recht haben ist nicht Recht bekommen.

    Eine Leserempfehlung
  1. Man versucht den Betriebsrat zu verhindern, zunächst mit massiiven Druck auf die Initiatoren, schmeißt schließlich 2 davon fristlos raus.

    Als das die anderen trotzdem nicht abschreckt versucht man es mit Klage und einstweiliger Verfügiung, die übrigens vom Arbeitsgericht in Bochum abgelehnt wurde.

    Und nun versucht man als Gipfel der Frechheit so zu tun, als hätte man sich nur für angeblich "unzufriedene Beschäftigte" mit der Art und Weise der Betriebstratsbildung einsetzen wollen...

    Es ist eigentlich Zeit, das ein Unternehmen, das so dreist und öffentlich geltendes Arbeitnehmerrecht verhindern will, endlich auch spürbar sanktioniert wird sprich bestraft !

    8 Leserempfehlungen
    • mcking
    • 25. Februar 2013 9:57 Uhr

    Das Gremium "Betriebsrat" ist eigentlich für jeden von uns durch das Gesetz (Betriebsverfassungsgesetz) geregelt und steht somit Jedem zu.
    Das dies nicht funktioniert wundert mich immer wieder.
    Betriebsrat ist NICHT gleich Gewerkschaft, obwohl natürlich die meisten Betriebsräte auch einer Gewerkschaft angehören. Wie man sieht braucht es das auch!

    2 Leserempfehlungen
  2. 1. Ist Vapiano einfach nur ein schnödes Selbstbedienungsrestaurant auf Schick getrimmt.
    2. Sollten die vielleicht statt dämlicher Funksender, die anzeigen, wann das Essen fertig ist, nette Bedienungen einstellen.
    3. Man wird nicht satt! Hat schonmal jemand die Pizza oder Pasta probiert? Der weiss wovon ich rede.
    4. Ausser man ist jemand, der den Trends unterworfen sind, und es nunmal "schick" ist, zu Vapiano zu gehen, gibt es aus meinen Augen keinen Grund dorthin zu gehen.
    5. Die Pizza schmeckt genau wie die ganz Dünne, die es im Tiefkühlfach gibt. (Und das trotzdem die frisch zubereitet ist - WOW!

    Ich hatte bisher schon genug Gründe, nach dem erstem Mal nicht mehr dort hin zu gehen, und nun nach der blockierten Betriebsratswahl erst recht.

    Zudem will ich es einfach nicht verstehen, was die Leute an Vapiano, Starbucks und wie Sie nicht alle heissen so toll finden.....

    11 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ein Freund von mir hat mich da auch mal hingeschleppt und ist nun ganz empört, dass ich nach dem ersten mal geschworen hab, dort nie wieder hinzugehen. Immerhin sei das "lifestyle" und eine "Lebenseinstellung".

    Nun gut, sein Leben darf ja jeder so gestalten, wie er möchte, aber unerträgliche Wartezeiten >45 Minuten, kaum zugängliche Getränke, überteuerte Speisen, unhöfliche Bedienungen und zuletzt kalte, verbrannte und mit Haaren garnierte Pizzen zählen für mich allerdings nicht dazu.

    Da geh ich doch lieber zu meinem Stammitaliener, zahle 7 Euro und hab nach 10 Minuten eine leckere, heiße Pizza auf dem Teller. Ganz ohne Funk-Schnickschnack.

  3. § 119 Straftaten gegen Betriebsverfassungsorgane und ihre Mitglieder

    (1) Mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

    1.
    eine Wahl des Betriebsrats [...] behindert oder durch Zufügung oder Androhung von Nachteilen oder durch Gewährung oder Versprechen von Vorteilen beeinflusst,

    2.
    die Tätigkeit des Betriebsrats [...] behindert oder stört, oder

    3.
    ein Mitglied oder ein Ersatzmitglied des Betriebsrats [...] um seiner Tätigkeit willen [...] benachteiligt oder begünstigt.

    (2) Die Tat wird nur auf Antrag des Betriebsrats, des Gesamtbetriebsrats, des Konzernbetriebsrats, der Bordvertretung, des Seebetriebsrats, einer der in § 3 Abs. 1 bezeichneten Vertretungen der Arbeitnehmer, des Wahlvorstands, des Unternehmers oder einer im Betrieb vertretenen Gewerkschaft verfolgt.

    >>> BLEIBT ZU HOFFEN, DASS ENTSPRECHEND SANKTIONIERT WIRD!

    5 Leserempfehlungen
  4. = Vapiano

    Ansonsten fragt sich der geneigte Leser wieso dort so viel schief gelaufen ist oder wurde nur schlecht recherchiert? Was ist mit dem Kündigungsschutz für den Wahlvorstand und gab es keine Briefwahl?

    Die Rechtslage dürfte prinzipiell mehr als klar sein, und unter dem Aspekt ist es seitens der Arbeitgeber mehr als nur nicht nachvollziehbar so den Betriebsfrieden und die Außen-Publicity aufs Spiel zu setzen.

    Die Marke Vapiano ist auch immer noch inhabergeführt und offensichtlicher Realitätsverlust ist gewöhnlich ein Indiz für absolutistisches Führungsverhalten...

    2 Leserempfehlungen
  5. Ein Freund von mir hat mich da auch mal hingeschleppt und ist nun ganz empört, dass ich nach dem ersten mal geschworen hab, dort nie wieder hinzugehen. Immerhin sei das "lifestyle" und eine "Lebenseinstellung".

    Nun gut, sein Leben darf ja jeder so gestalten, wie er möchte, aber unerträgliche Wartezeiten >45 Minuten, kaum zugängliche Getränke, überteuerte Speisen, unhöfliche Bedienungen und zuletzt kalte, verbrannte und mit Haaren garnierte Pizzen zählen für mich allerdings nicht dazu.

    Da geh ich doch lieber zu meinem Stammitaliener, zahle 7 Euro und hab nach 10 Minuten eine leckere, heiße Pizza auf dem Teller. Ganz ohne Funk-Schnickschnack.

    4 Leserempfehlungen
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    • zappp
    • 25. Februar 2013 12:22 Uhr

    Ordinäre Selbstbedienung wird als Erlebnisgastronomie verkauft. Statt in teueren Lagen knappe Tische zu besetzen stellt sich der Gast freiwillig platz- und zudem personalsparend in die Warteschlange. Statt Köche gibt es Hilfskräfte, die auf ein Gericht gedrillt sind. Und dabei ist bei Pizza und Pasta die Marge zwischen Wareneinsatz und Preis bereits maximal.

    Am allerwenigsten verstehen ich die Franchisenehmer. Nachdem Restaurantdesign, Menü und Arbeitsschritte bis ins Detail vorgeschrieben bin beschränkt sich die unternehmerische Herausforderung auf die Ausbeutung meiner Mitarbeiter und mir selbst. Ob es im Franchisehandbuch auch Kapitel über die Behinderung von Betriebsräten gibt?

    • Glawen
    • 25. Februar 2013 11:34 Uhr

    Das hört sich nach einer ziemlichen Schweinerei an. Da versuchen sich mal einige zu organisieren und dann wird das gleich im Keim erstickt. Gerade im Gastronomiegewerbe ist glaube ich der Organisationsgrad auf Grund der Zerstückelung der Betriebe und der häufig wechselnden, gering bezahlten Angestellten relativ niedrig.
    Ich habe selbst während meines Studiums bei einer größeren Kette gearbeitet. Dort gab es keine organisierte Arbeiterschaft. Hauptsächlich häufig wechselnde Angestellte auf 400 Euro Basis die keine Ahnung von ihren Rechten hatten. Der Betrieb war Mitglied im BdS und somit direkter Verhandlungspartner der NGG, allerdings galt der Tarifvertrag dann doch irgendwie nicht für uns. Alle wurden ca 10-20% darunter bezahlt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich selbst auch kaum Ahnung hatte aber ich habe mich wenigstens teilweise informiert. Ich glaube ich war da aber der einzige. Als ich wegen einer Grippe einmal länger nicht zur Arbeit konnte, war mein Chef relativ irritiert, da ich trotzdem Geld haben wollte. Nach einigem hin und her(+Kündigungsdrohung)bekam ich es dann. Als ich das dann aber den anderen 400€-Angestellten erzählte war die Verblüffung groß. Niemand wusste davon oder hatte das jemals verlangt bzw erhalten.Von bezahltem Urlaub gar nicht erst anzufangen.
    Eigentlich müsste man sagen, selber Schuld. Aber es kann trotzdem nicht sein, dass grundlegende Arbeitnehmerschutzgesetzte vom Chef ignoriert werden und seperat vom AN eingefordert werden müssen.

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, tst
  • Schlagworte Restaurant | Gehalt | Nötigung | Wahl | Bochum
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