Die vergessenen Orte der Arbeit
Verfallene Fabrikhallen, leere Produktionsstätten: Die Volkseigenen Betriebe waren für viele Ostdeutsche die letzte Konstante in der DDR. Manche Fabriken stehen noch und verfallen. Der Fotograf Maix Mayer hat die Ruinen besucht und nach dem Moment gesucht, in dem der Ort seine Geschichte preisgibt und vom Leben und Arbeiten jener Zeit berichten.
Aus seiner Arbeit ist ein Bildband entstanden, der auf ungewöhnliche Weise Geschichte erzählt. "Die vergessenen Orte der Arbeit" ist im Mitteldeutschen Verlag erschienen. Wir zeigen eine Auswahl.
- Datum 26.03.2013 - 06:27 Uhr
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Aber nicht spezifisch für Ostdeutschland. Genau dieselben Fabrikruinen lassen sich massenhaft im Ruhrgebiet besichtigen, wo ebenfalls unter dem euphemistischen Titel "Strukturwandel" eine nahezu vollständige Deindustrialisierung stattfand und unter den ebenso euphemistischen Titeln "Dienstleistung" und "Kultur" nichts nachgewachsen ist, was diese Entwicklung auch nur näherungsweise auffangen kann.
Die hier gezeigten Fotos vermitteln den Eindruck, dass diese Unternehmen heute nicht mehr existieren, was beispielsweise für Zündwaren Riesa, Zetti Schokolade und die Sternburger Brauerei nicht zutreffend ist. Vielleicht sollte der Fotograf mal die neuen, modernen Produktionsorte besagter Firmen gegenüberstellen. Eine Branche die wirklich flächendeckend geschlossen wurde, ist z.B. die Textilindustrie, da heutzutage in FERNost produziert wird. Meine Großmutter kann davon ein Lied singen, da sie bis zur Wende jahrzehntelang in einer Textilfabrik gearbeitet hat.
Ich finde es schade, dass der Osten meist als ruinöses und chancenloses Stück Deutschland dargestellt wird. Das ist zwar „fotografie-ästhetisch“ vielleicht ansprechend, vermittelt jedoch ein komplett falsches und nostalgisches Bild. Es gibt zweifellos viele Unterschiede und Probleme, aber wir sind heute nicht mehr weder Polen noch Rumänien….
Ich selbst stamme und lebe übrigens nahe der tschechisch-polnischen Grenze und weiß dadruch im vergleich sehr wohl, wie ruinös und chancenlos aussieht. Vielleicht kann man ja mal eine positive Bildserie vom Osten zeigen, aber vermutlich verkauft sich das schlechter, als das Image des armen Ossis.
an den ehem. Vorstand der Treuhand schicken, zur Erinnerung an ihre "gute Arbeit"!
Detroit, Ruhrpott, Franken, selbst in Norwegen dürfte es solche Orte geben. Nur im Osten wird daraus gleich ein irgendwie mystisches und bedeutungsschweres Ding draus gemacht....ähnlich wie die ständig wiederholte Formel von der "Anerkennung der Lebensleistung der Menschen in den neuen Ländern". Da frage ich mich immer, wie genau diese Anerkennung nun aussehen soll (mündlich? schriftlich? Denkmal?) und warum man sie Ostdeutschen nun irgendwie mehr zukommen lassen soll als, sagen wir, der westdeutschen Fabrikarbeiterin, die nach 30 Jahren entlassen wurde.
Es geht doch darum, dass nach der Wende die Wirtschaftsleistung deutlich gesenkt wurde indem die bestehende Industrie fast vollständig dichtgemacht wurde. Wahrscheinlich auch aus Angst vor einer wettbewerbsfähigen Ostdeutschen Industrie mit geringen Kapital- und Personalkosten.
Es gibt bis heute nur ein paar wenige eigenständige größere Unternehmen in Ostdeutschland, dies ist ein eindeutiges Versagen unseres Wirtschaftssystems.
Bis heute wird der Fakt der sinkenden Wirtschaftsleistung nicht akzeptiert.
Vergessene Orte der Arbeit gibt es aus allen Phasen der Menschheitsgeschichte, angefangen mit alten Kupferbergwerken der Ägypter die man heute noch auf der Sinaihalbinsel besichtigen kann. Viele dieser Fabriken arbeiteten noch bis in die 1990er Jahre nach einem Arbeitsideal, das prinzipiell im 19. Jahrhundert mit der „Industrialisierung“ entwickelt worden war – da Sachsen damals das Land in Deutschland war, das am stärksten die Industrialisierung vorantrieb, wundert es nicht dass heute auch die meisten Relikte dieser Epoche in Sachsen stehen. Sachsen sollte versuchen möglichst viele dieser Orte, die einen ganz eigenen Ernst und Stil besitzen, zu erhalten (durch Einbindung in heutige Arbeitsstrukturen).
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