StudieKaum Jobs für Schwerbehinderte

Trotz Aufschwung am Arbeitsmarkt hat sich die Lage für Behinderte nicht verbessert. Sie sind besonders lange arbeitslos, auch weil Unternehmen lieber eine Abgabe zahlen.

Menschen mit Behinderung haben vom Rückgang der Arbeitslosigkeit in den vergangenen Jahren kaum profitiert. Während die allgemeine Arbeitslosenquote von 8,1 Prozent im Jahr 2009 auf 6,8 Prozent im Jahr 2012 zurückging, verringerte sich die Arbeitslosenquote unter schwerbehinderten Menschen nur geringfügig von 14,6 Prozent im Jahr 2009 auf 14,1 Prozent im vergangenen Jahr. Dies geht aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, die auf eine Anfrage der Linksfraktion antwortete. 2010 und 2011 betrug die Arbeitslosenquote unter Menschen mit Handicap sogar 14,8 Prozent.

Behinderte sind häufiger von Dauerarbeitslosigkeit betroffen als Nichtbehinderte. Im Schnitt sind Schwerbehinderte 77 Wochen lang ohne Arbeit, so die Zahlen der BA. An der Qualifikation liege dies häufig aber nicht, denn die Mehrzahl der schwerbehinderten Arbeitslosen sei etwas besser qualifiziert als nichtschwerbehinderte Langzeitarbeitslose, erklärte eine Sprecherin der Linkspartei unter Berufung auf die Statistik der Arbeitsagentur.

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Zwar sieht der Gesetzgeber eine Beschäftigungsquote von behinderten Menschen in Höhe von fünf Prozent vor, diese sei im Jahr 2011 mit 4,6 Prozent aber nicht erfüllt worden. Unternehmen mit mindestens 20 Arbeitnehmern sind gesetzlich verpflichtet, fünf Prozent ihrer Arbeitsplätze mit Schwerbehinderten zu besetzen. Tun sie dies nicht, müssen sie eine Ausgleichsabgabe zahlen. Besonders private Unternehmen machen davon häufig Gebrauch, öffentliche Arbeitgeber erfüllen die Behindertenquote in der Regel.

Zumindest was die Beschäftigung autistischer Mitarbeiter angeht, dürfte sich die Quote künftig verbessern. Mehrere Softwareunternehmen verkündeten kürzlich, verstärkt autistische Mitarbeiter beschäftigen zu wollen. Die Firma SAP etwa gab bekannt, dass künftig mindestens ein Prozent der Jobs mit Autisten besetzt werden soll.

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Leserkommentare
  1. Vielleicht wäre es angebrachter, durchgehend die Bezeichnung "Menschen mit Behinderung" zu nutzen, statt sie auf "Behinderte" zu reduzieren!

    Zum Thema: traurig! So intolerant sind anscheinend einige Arbeitgeber, lieber eine kostspielige Abgabe zu leisten, statt den Menschen eine Chance zu geben.

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    Wenn Sie meinen, dass es hilfreich für die Betroffenen ist, wenn sie als "Menschen mit Behinderung" angesprochen werden, dann träumen Sie, ata-kulesi!

    pops (GdB70)

  2. Was m.E. viele Firmen davon abhält, jemanden mit Behinderung einzustellen, ist der umfassende gesetzliche Schutz, den Behinderte in der Arbeitswelt haben. Wenn man nicht offen bestohlen oder mit Gewalt bedroht wird, ist es für den Arbeitgeber nahezu unmöglich, ein einmal eingegangenes Arbeitsverhältnis zu beenden, die Hürden sind extrem hoch. Und auch unter Behinderten gibt es Menschen, mit denen man nicht zusammenarbeiten will oder kann. Das trifft natürlich wie immer nicht auf alle zu, aber es raubt einem doch die Freiheit, sich von jemandem, der überhaupt nicht in die Firma passt, zu trennen.

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    Eine Probezeit wird es doch wohl trotzdem geben, da haben Sie genügend Gelegenheit festzustellen, ob der Mitarbeiter in die Firma passt oder nicht. Und glauben Sie mir, nichts ist leichter als einen Mitarbeiter mit einer chronischen Krankheit zu kündigen. Ich habe täglich mit solchen Betroffenen zu tun. Wer also den vermeintlich ach so tollen Kündigungsschutz anführt, hat nur eine gute Ausrede gefunden.

    P.S. Viele der chronisch Kranken sind ja nicht in einer Weise behindert, dass sie keiner normalen Arbeit nachgehen können. Wir haben sogar ein Bundesland, an dessen Regierungsspitze eine chronisch kranke Frau steht, und einen seit vielen Jahren rollstuhlpflichtigen Minister. Es ist eine Frage des Wollens, und wenn das nicht ausreicht, dann muss dem Wollen halt über eine empfindliche Abgabe nachgeholfen werden.

  3. Oke, "Menschen mit Behinderungen" (MmB)..

    Es ist leider so, dass auch Arbeitgeber Zwängen ausgesetzt sind: Es gibt Auftragsflauten, die vorher auf Preise aufzuschlagen, der Markt selten hergibt. Zulassungen u.ä. können schwer beschaffbar oder zeitweise nicht vorhanden sein. Alles(beispielhafte) Umstände, die allen in einer Firma (AG und AN) Flexibilität abfordern. Und genau da liegt der Grund, warum man versucht MmB, möglichst NICHT einzustellen - die haben nämlich absoluten Kündigungsschutz! D.h., wenn man einmal einen MmB eingestellt hat - den muß man auf EWIG behalten!

    Und so wirkt der Kündigungsschutz kontraproduktiv.

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  4. Ich bin Schwerbehindert und glücklicherweise in einem Angestelltenverhältnis - und zwar in einem Betrieb mit 10 Mitarbeitern, bin also kein "Quotenkrüppel".

    Ich könnte mir vorstellen, dass viele Geschäftsführer befürchten, dass die behinderte Arbeitskraft oft krankheitsbedingt ausfällt - nun ja, ich hatte letztes Jahr 3 Tage an denen ich wegen Krankheit gefahlt hab, da hatte ich einen üblen grippalen Infekt mit Fieber etc...

    Eine "gesunde" Kollegin Anfang 20 hatte über 30 Krankheitstage.

    Ich kann nicht für alle Behinderten (oh, sorry, muss ja politisch korrekt MmB heißen :-)) sprechen und es ist auch gut möglich, dass ich mal wegen einer OP länger ausfalle.

    Moment... ein "gesunder" Kollege viel wegen seinem Miniskus fünfeinhalb Wochen aus, eine "gesunde" Kollegin wegen einer Operation am Auge drei Wochen....

    Ist halt alles nicht so ganz Schwarz-Weiß und auch nur halb so wild :-)

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    dass es das Problem überhaupt gibt, wo doch die MmB so sehr bessere Arbeitnehmer sind.
    Oder beweisen Einzelbeispiele mal wieder gar nichts?
    Bei der Gelegenheit, ich hatte letztes Jahr Null Fehltage und habe keine Behinderung ... und ich glaube trotzdem nicht, dass das ein Argument gegen die Einstellung von MmB ist.

  5. dass es das Problem überhaupt gibt, wo doch die MmB so sehr bessere Arbeitnehmer sind.
    Oder beweisen Einzelbeispiele mal wieder gar nichts?
    Bei der Gelegenheit, ich hatte letztes Jahr Null Fehltage und habe keine Behinderung ... und ich glaube trotzdem nicht, dass das ein Argument gegen die Einstellung von MmB ist.

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    Antwort auf "Vorurteile?"
  6. die steuerlichen Vorteile für Firmen, die bis jetzt im Rahmen der Gesetzgebung Behinderte eingestellt oder beschäftigt haben wird nachträglich gestrichen.
    Behinderte und und alte Menschen sind in Deutschland unerwünscht.
    Sie sind eine Belastung für die Marktwirtschaft.

  7. Wenn die Firmen lieber die Abgabe zahlen, ist die Abgabe zu niedrig.

    So einfach ist das.

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  8. Wenn Sie meinen, dass es hilfreich für die Betroffenen ist, wenn sie als "Menschen mit Behinderung" angesprochen werden, dann träumen Sie, ata-kulesi!

    pops (GdB70)

    Antwort auf "Wortwahl"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, tgr
  • Schlagworte Die Linke | Arbeit | Arbeitgeber | Arbeitslosenquote | Arbeitslosigkeit | Behinderte
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