StudieKörperhaltung fördert Unehrlichkeit

Die Körperhaltung hat Einfluss auf beruflichen Erfolg. Eine Studie zeigt nun: Sie bedingt sogar, ob wir die Wahrheit sagen. Wer dominant auftritt, ist unehrlicher. von 

Füße auf dem Tisch, Hände hinter dem Kopf gefaltet – so geht die typische Chefposition am Schreibtisch. Auf dem Flur hingegen sollen Führungskräfte langsam gehen, raumgreifend und mit breiter Brust

Kein Wunder: Sowohl Menschen als auch Tiere signalisieren Macht und Dominanz durch dieselben physischen Mechanismen. Dadurch wollen sie einerseits ihr Rudel beeindrucken. Doch andererseits manipulieren sie sich damit auch selbst.

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Studien haben in der Vergangenheit zeigen können: Wer durch seine Körpersprache Macht signalisiert, verhält sich oft so, als würde er diese Macht tatsächlich besitzen. Weitere Studien konnten zeigen: Macht verändert die Selbstwahrnehmung und verleitet zum Lügen. Doch mehr noch: Offenbar beeinflusst auch die Körperhaltung die Neigung zur Unwahrheit.

Zu diesem Ergebnis kommt Andy Yap, Doktorand an der Columbia Business School, in einer neuen Studie. Im ersten Versuch sprach er 88 Freiwillige auf der Straße an und bat sie darum, eine Minute lang eine ausladende Körperhaltung einzunehmen (Gruppe A) oder eine reservierte (Gruppe B). Die einen standen mit ausgestreckten Armen da, die anderen mit eingezogenen. Als Dankeschön versprach Yap ihnen vier Dollar. Dann lenkte er die Freiwilligen ab, im Anschluss reichte er die Belohnung – allerdings acht Dollar. Würden die Teilnehmer ihn auf den offensichtlichen Fauxpas hinweisen?

Gefühle von Macht und Dominanz

Kaum zu glauben: Immerhin 78 Prozent von Gruppe A machten ihn nicht auf den Fehler aufmerksam und behielten das Geld. Aus Gruppe B schummelten nur 38 Prozent.

Dasselbe Resultat erhielt der Wissenschaftler in einem Experiment, für das sich 34 Studenten an einen Schreibtisch setzten. Mal lag darauf eine große, breite Unterlage, mal eine kleine. Die einen mussten also ihre Arme ausstrecken, die anderen saßen eher eingeengt und zusammengekauert da. Und siehe da: Wieder beeinflusste die Sitzposition die Ehrlichkeit: Konnten sie pfuschen, um mehr Geld zu gewinnen, machten das aus Gruppe A sechs Mal mehr Freiwillige als in Gruppe B.

Kurzum: Eine gewisse Körperhaltung löst im Menschen Gefühle von Macht und Dominanz aus – und die wiederum beeinflussen die Neigung zum Flunkern. Unehrlichkeit lauert demnach also auch in der Gestalt von Bürostühlen und Schreibtischen.

Erschienen in der WirtschaftsWoche

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Leserkommentare
  1. Wahrscheinlich wieder mal so eine (sozialpsychologische) Studie, die einen netten "spektakulären" Effekt findet, dazu noch dann aber eine viel zu geringe statistische Teststärke hat, den Befund überhaupt mit hinreichender Sicherheit abzusichern. Und dann wundert man sich später, dass sich der Befund nicht mehr replizieren lässt. Aber die Forscher haben mal wieder damit Karriere gemacht. "Social sciences as sorcery".

    9 Leserempfehlungen
  2. 1. "Wer dominant auftritt, ist ehrlicher" (Artikel) - "Macht verändert die Selbstwahrnehmung und verleitet zum Lügen" (Artikel), "these feelings of power can cause dishonest behavior", "If expansive postures can lead to a state of power, and power can lead to dishonest behavior, this suggests something of real concern" (Originalstudie)
    2. "Immerhin 78 Prozent von Gruppe A machten ihn auf den Fehler aufmerksam. Aus Gruppe B meldeten das Missgeschick nur 38 Prozent. Offenbar hing die Ehrlichkeit davon ab, welche Körperhaltung sie zuvor eingenommen hatten" (Artikel) - "Consistent with our theorizing, a 2 analysis found that participants who performed the expansive pose were significantly more likely to keep the overpayment (i.e. “steal by omission”), 2(1, N=78)=13.0, p<.001, Φ=.41. Seventy-eight percent of the expanded-posture participants kept the overpayment, compared to 38% of contracted-posture participants." (Studie)
    3. Ich halte jeden Kaffeesatzleser von Astro-TV für deutlich seriöser und deren Methode für wissenschaftlicher als das Vorgehen dieser Studie
    4. Aufgrund der o.g. frage ich mich, inwieweit man Artikel aus dem Wissenschaftsressort überhaupt Ernst nehmen kann, insbesondere nachdem gestern zum "Doppelgehirn" ähnliche "Leistungen" erbracht wurden.
    5. Selbst wenn Alles richtig wäre, welche Absicht wird damit verfolgt, derartige Skurillitäten zu verbreiten?

    17 Leserempfehlungen
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    ... ob bei der Rubrik "Wissen" nicht eine vorgesetzte Silbe verlorengegangen sein könnte ...

  3. Im ersten Experiment sind lt. Artikel die dominant auftretenden Kandidaten ehrlicher, im zweiten Experiment die "Untergebenen". Irgendwas stimmt da nicht.

    7 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Hallo tom lubliner,

    danke für den Hinweis. Wir geben das an den Autoren weiter.

    Hallo Tom Lubliner,
    vielen Dank für den Hinweis. Das war tatsächlich ein Fehler meinerseits. In der Studie steht: "78% of the expanded-posture participants kept the overpayment, compared to 38% of contractedposture participants."

    Also muss es richtig heißen: "Immerhin 78 Prozent von Gruppe A machten ihn nicht auf den Fehler aufmerksam und behielten das Geld. Aus Gruppe B schummelten nur 38 Prozent."

  4. Redaktion

    Hallo tom lubliner,

    danke für den Hinweis. Wir geben das an den Autoren weiter.

    Antwort auf "Fehler im Artikel"
  5. "Unehrlichkeit lauert demnach also auch in der Gestalt von Bürostühlen und Schreibtischen." ... wenn es nicht so traurig wäre, so etwas zu veröffentlichen. Der Mensch, der zum Mitspielen überredet wurde, hat keine Grundhaltung zur Lüge oder zur Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, oder? Würde sich auch nur einer von denen, der den Großprotz nicht braucht, dafür hergeben - nein, sicher nicht, nicht im ersten und auch nicht im zweiten Beispiel, und damit trifft sich wieder alles beim Menschen selbst und seinen Grundhaltungen, aus denen heraus er "Bürostuhl und Schreibtisch" gewählt hat. - Die WirtschaftsWoche zeigt mit einem solchen Artikel nur ihre Oberflächlichkeit. -

    4 Leserempfehlungen
  6. Das ist der Tenor vieler Artikel und so auch dieses Artikels, in dem Wirtschaftskundler sich als die besseren Sozialwissenschaftler darstellen. Und so langsam aber sicher, werden die Menschen daran gewöhnt, dass sozialwissenschaftliche Studien nicht mehr von dazu ausgebildeten und qualifizierten Sozialwissenschaftlern (Psychologen, Sozialpsychologen, Soziologen, Pädagogen) durchgeführt werden, sondern von Wirtschaftskundlern, die damit auch ihr Bild vom Menschen in die Welt und die Köpfe der Menschen tragen und verpflanzen. So werden sich selbsterfüllende Prophezeiungen in die Welt gesetzt und getragen: verführe die Menschen und behaupte anschließend, die Welt sei schlecht, die Menschen verführbar und Geld regiert die Welt. So werden die Hirne verkleistert und die Herzen vergiftet.

    Man mag diesen Leuten das Vaterunser und die Bibel entgegenhalten: und führe uns nicht in Versuchung sondern erlöse uns von dem Bösen.

    Es wird Zeit, dass die Wucherer und Geldhändler nicht nur aus dem Tempel Gottes vertrieben werden.

    3 Leserempfehlungen
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    Ihnen ist schon bewusst das Volkswirtscahft eine Sozialwissenschaft ist?
    Die Methodik ist bei Ökonometrischen und statischen verfahren eigtl nicht wirklich verschieden.
    Und geld nunmal ein guter Spielball ist
    Psychologie ist hingegen ist nur interdizplinär eine Sozialwissenscahft und deren empirischen Methoden deutlich fragwürdiger.

    • shtok
    • 21. Juni 2013 14:44 Uhr

    B.Soc.Sc. what a bummer, der ging daneben. Nur weil jemand an einer Business School studiert muss er noch kein Ökonom sein.
    Im Kaffeesatzlesen nehmen sich beide nicht viel und über die Verwertbarkeit der Forschung kann man geteilter Meinung sein.
    Was mich nur mal interessieren würde (Frage geht an Psychologe und Psychiater), wie hoch die Erfolgsrate von solchen Studien in größer angelegten Feldversuchen oder der Praxis ist, gleiches gilt auch für die, wer lügt schaut nach rechts unten.
    Etwas das Führungskräften in Seminaren gern verkauft wird. Das Problem imltho ist das diese Arbeiten Grundlage zur Bewertung von Menschen werden können, besonders im HR Bereich hat dies schon den gesunden Verstand abgelöst.
    Aber es hat sich dort halt auch schon eine Industrie (Assesment) zu entwickelt.

    @Autor
    Das Kommentatoren die methodische Vorgehensweise zerreißen, hat imltho nichts mit einer negativen Einstellung zur Thematik zu tun, nur dürfte eine Vielzahl der ZEIT Leser selber wissenschaftlich tätig sein oder waren es. Der junge Mann will dazu promoviert werden, was bei den aufgeführten augenscheinlichen methodischen Fehlern die Frage nach der Qualität der Arbeit aufwirft.
    Vlt. können sie nach der Verteidigung nochmal über den jungen Mann berichten.
    Ansonsten ist es schon spannend womit man dieser Tage alles promoviert werden kann.

    • oz
    • 21. Juni 2013 9:45 Uhr
    7. [...]

    Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls

    4 Leserempfehlungen
  7. ist angesichts der Größe beider Stichproben und der zu Grunde gelegten Auswahlkriterien die Wahrscheinlichkeit, dass das Ergebnis irgendetwas mit der Realität zu tun hat?

    3 Leserempfehlungen

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  • Quelle WirtschaftsWoche
  • Schlagworte Studie | Führungskraft
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