Es gibt diesen Typus Mensch, der immer vor allen anderen am Arbeitsplatz ist und auch als letzter das Büro verlässt. Doch mehr arbeiten als nötig ist kein Zeichen von Produktivität und bringt die eigene Karriere auch nicht unbedingt weiter. Eine Studie des Finnish Institute of Occupational Health, die im American Journal of Epidemiology veröffentlicht wurde, zeigt sogar, dass regelmäßige Überstunden alles andere als förderlich sind.

Der Kern der Untersuchung: wer ständig Überstunden schiebt, verblödet. Wer statt 40 beispielsweise 55 Stunden pro Woche arbeitet, verfüge über ein geringeres Vokabular. Außerdem leide sowohl die messbare Intelligenz, als auch Blutdruck und Herz. Wobei letzteres im Zusammenhang mit Stress stehen dürfte und nicht mit der reinen Überstundenzahl als solche.

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass besonders Menschen mit höherer Bildung dazu neigen, sich im Job sinnlos zu verausgaben und den entstehenden Stress dann mit Alkohol oder Essen zu kompensieren. Sie schlafen weniger, werden fahrig und machen mehr Fehler. Dabei besteht nur in den seltensten Fällen wirklich die Notwendigkeit, länger zu arbeiten. 

Eine andere Studie zeigt nämlich, dass Teams, die 40 Stunden pro Woche arbeiten, genauso viel leisten wie Vergleichsgruppen, die 80 Stunden im Büro bleiben. Der Grund: Wer andauernd Überstunden schiebt und quasi am Arbeitsplatz schläft, wird anfälliger für Krankheiten und fällt schneller aus. Schon nach drei Wochen fielen die Probanden um wie die Fliegen, während die anderen Kollegen ausgeruht ihrer Arbeit nachgingen. Manager, die ein fähiges, produktives Team wollen, sollten also dafür sorgen, dass sich in ihrem Unternehmen keine Überstundenkultur einschleicht. Niemand kann mehr als acht Stunden am Stück Topleistungen bringen.

Erschienen in der WirtschaftsWoche