Die Zahl der Beschäftigten, die neben ihrem Hauptberuf einem zweiten Job nachgehen, steigt stetig. Im vergangenen Jahr waren es erstmals knapp über drei Millionen, wie sich aus Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ergibt. Das sind 8,1 Prozent aller beschäftigten Arbeitnehmer.

So hoch war der Anteil noch nie – er ist mehr als drei Mal so hoch wie zur Wiedervereinigung, wie die für ZEIT ONLINE erstellte Infografik des Datenportals Statista zeigt. 1991 hatten nach Angaben des IAB 900.000 Deutsche einen Nebenjob; das waren 2,6 Prozent der damals insgesamt 35,15 Millionen Beschäftigten.

In dem Zeitraum von 1991 bis 2013 stieg auch der Anteil der Teilzeitjobs an, von 16,4 auf 34,5 Prozent im vergangenen Jahr. Natürlich geht nicht jeder, der nur Teilzeit arbeitet, einem Nebenerwerb nach, aber viele Beschäftigte, die nur eine Teilzeitstelle finden, müssen einen Zweitjob antreten, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Zahl der Vollzeitstellen ist seit 1991 deutlich gesunken.

Das IAB geht aber davon aus, dass der Boom des Zweiterwerbs vor allem auf die Minijobs zurückzuführen ist, für welche die Politik im Zuge der Hartz-Reformen steuerliche Vergünstigungen beschlossen hatte. Vor 2003 mussten auf zusätzliche Minijobs Sozialbeiträge gezahlt werden, wie IAB-Forscher Enzo Weber erläutert. Diese Regel schaffte Rot-Grün ab. Seither ist ein Minijob auch neben einem Hauptberuf nicht mehr abgabenpflichtig.

Die Zahl der Menschen, die nebenher einer geringfügigen Beschäftigung nachgehen, ist seit der Neuregelung von 1,2 auf 2,6 Millionen gestiegen. Mittlerweile üben laut IAB sieben Prozent aller männlichen Arbeitnehmer zusätzlich einen Minijob aus, bei den Frauen sind es sogar elf Prozent. Diese Art der Beschäftigung sollte eigentlich zusätzliche Arbeitsmöglichkeiten für Geringverdiener schaffen, doch laut Weber profitieren von der Regelung auch Gutverdiener. Minijobs gibt es vor allem im Gastgewerbe und im Gesundheitswesen, die Verdienstobergrenze liegt bei 450 Euro.