In kaum einem Industrieland arbeitet ein Beschäftigter im Schnitt so wenig wie in Deutschland. Das zeigt ein internationaler Vergleich der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), den das Statistikportal Statista in einer Infografik für ZEIT ONLINE aufbereitet hat. Demnach arbeitete im Jahr 2012 – jüngere Daten lagen nicht vor – ein Beschäftigter in Deutschland im Schnitt 1.393 Stunden. Nur in den Niederlanden ist die Zahl der Jahresarbeitsstunden noch geringer.

Die OECD-Zahlen erfassen die tatsächlich gearbeiteten Stunden, wozu auch bezahlte und unbezahlte Überstunden zählen, ebenso Arbeitszeit in Zweit- oder Drittjobs. Das führt vor allem in Krisenländern wie Griechenland oder Spanien zu Gesamtstundenzahlen, die deutlich über denen in Deutschland liegen, wie die Grafik zeigt. Viele Griechen und Spanier haben einen Zweit- oder gar Drittjob, um finanziell über die Runden zu kommen. Das ist in Deutschland in viel geringerem Maße der Fall.

In anderen Ländern wiederum liegt es an den Arbeitsgesetzen, die eine viel höhere Wochenarbeitszeit vorsehen als es in Deutschland der Fall ist, oder einer anderen Arbeitskultur, dass dort mehr gearbeitet wird. Auch gibt es in anderen Ländern weniger Jahresurlaub als in Deutschland und es gibt auch weniger gesetzliche Feiertage. Das erklärt die höhere Zahl an Jahresarbeitsstunden in den USA oder Japan. Auch ein Südkoreaner arbeitet im Schnitt mit 2.163 Stunden pro Jahr deutlich mehr als ein Italiener oder Deutscher. Zugleich ist der Anteil der Menschen mit einer Teilzeitstelle in Deutschland relativ hoch, was die Gesamtsumme der gearbeiteten Stunden geringer erscheinen lässt. Der OECD-Durchschnitt lag 2012 bei 1.769 Stunden.

Insgesamt ist die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden im Lauf der vergangenen Jahre in allen OECD-Ländern aber deutlich gesunken. Der Durchschnitt lag im Jahr 2000 noch bei 1.843 Stunden. Bei 45 Arbeitswochen in einem Jahr entspreche das einer Reduktion um eineinhalb Stunden pro Woche, so die internationale Organisation. Viel weniger als noch im Jahr 2000 arbeiten insbesondere Koreaner und Chilenen. In Korea fiel die Jahresstundenzahl von 2000 bis 2012 um 234 Stunden, in Chile um 346.