­Fabian Schmidt* macht gerade ein Praktikum, mal wieder. Ein mehrwöchiges Pflichtpraktikum hat er schon während ­seines Studiums absolviert. Vorher war er als Freiwilliger im Ausland. Jetzt ist er fast fertig mit dem Bachelor. Geld bekommt er als Praktikant nicht. Trotzdem ist er froh, dass er die Stelle hat. Ohne das Praktikum wäre es noch schwieriger später einen Job zu finden, sagt er.

Laut einer Studie des DGB und der Hans-Böckler-Stiftung geht es so wie Schmidt vielen jungen Leuten. Rund zwei Drittel aller Studierenden machen während ihrer Studienzeit mindestens ein freiwilliges Praktikum, etwa 15 bis 30 Prozent (je nach Quelle) auch noch eins nach dem Abschluss. 40 Prozent von ihnen bekommen dafür laut der DGB-Studie gar kein Geld.

Der Mindestlohn soll das ändern. Freiwillige Praktikanten, die länger als sechs Wochen in einem Betrieb arbeiten, sollen künftig mit 8,50 Euro pro Stunde bezahlt werden. Heute verdienen Absolventen, die ein bezahltes Praktikum machen, laut der Studie des DGB im Schnitt 551 Euro brutto im Monat. Das entspricht einem Stundenlohn von 3,77 Euro.

Für den Lebensunterhalt reicht das Geld in der Regel nicht. Zudem fallen mit der Exmatrikulation viele Vergünstigungen wie Familienversicherung und Semesterticket weg. Etwa die Hälfte der Praktikanten mit Studienabschluss wird noch von den Eltern unterstützt, weitere 43 Prozent leben entweder von ihren Ersparnissen oder finanzieren sich durch einen Nebenjob.

Auch Schmidts Eltern unterstützen ihn. Für das dreimonatige Praktikum ist er wieder zu Hause eingezogen. Er hat Glück, dass sie in einer großen Stadt leben und es hier viele Stellen gibt: "Geld ist auf jeden Fall ein Problem. Wenn ich die Möglichkeit hier zu wohnen nicht hätte, wüsste ich nicht, wie ich das machen sollte."

Die Anzahl der Praktika und die Vergütungsbedingungen sind natürlich abhängig von der Branche. Eine HIS-Studie aus dem Jahre 2011 kommt zu dem Schluss, dass in den Mint-Fächern Praktika nach dem Abschluss äußerst selten vorkommen. Auch die DGB-Studie zeigt, dass Techniker und Ingenieure sehr viel seltener Praktika machen als etwa Geistes- und Gesellschaftswissenschaftler.

Für Kolja Briedis, Mitautor der HIS-Studie liegt das auch an mangelnden Praxisbezug der Studiengänge. Er fordert mehr Einsatz seitens der Hochschulen: "Es gibt noch etliche Studiengänge ohne Praktikumspflicht. Das sollte sich ändern."

Pflichtpraktika sollen auch nach der geplanten Einführung des Mindestlohns nicht unter die Regelung fallen. Briedis findet das richtig: "Ein Praktikum hat ein ganz anderes Ziel, als ein Beschäftigungsverhältnis." Der Ausbildungscharakter stehe nämlich im Vordergrund, der Studentenstatus wird in dieser Zeit beibehalten. Anspruch auf Urlaub oder Vergütung gibt es in diesem Fall nicht.

Schmidt kann darüber nur müde lachen. Ein Praktikum verursache fast immer Mehrkosten. "Du musst räumlich flexibel sein", sagt er. Nicht jeder könne dort hospitieren, wo er auch studiert: Die meisten seiner Kommilitonen sind deswegen schon umgezogen.

In der neuen Stadt muss ein WG-Zimmer bezahlt werden, der Umzug kostet Geld und "den Nebenjob, den man vorher hatte, kann man in der Zeit auch nicht weitermachen". Und auch wer in der Studienstadt wohnen bleibt – neben einem Vollzeitpraktikum bleibt wenig Zeit für das Jobben nebenher.

Deshalb fordert zum Beispiel die DGB-Jugend für Pflichtpraktika eine Vergütung in Höhe des Baföghöchstsatzes. Nur so könne gewährleistet werden, dass die Berufsanfänger fair behandelt werden. Nach Einführung des Mindestlohns könne nämlich passieren, dass Pflichtpraktika oder sehr kurze freiwillige Praktika sich häufen werden, sagt Florian Haggenmiller, DGB-Bundesjugendsekretär. "Arbeitgeber werden kreativ, wenn man Schlupflöcher schafft."