Angestellte und Beamte mit einfachen Tätigkeiten und geringem Handlungsspielraum haben ein höheres Stressniveau als Hochqualifizierte. Besonders häufig sind zudem alleinerziehende Mütter und Studentinnen betroffen. Das zeigt eine am Dienstag vorgestellte Untersuchung der DAK-Gesundheit.

Als chronisch gestresst gilt, wer sich viele Sorgen macht, sich überlastet und überfordert fühlt und kaum Anerkennung für seine Anstrengungen erhält. Das Konzept unterscheide sich damit von der im Alltag gebräuchlichen Definition von Stress als Zeitdruck, heißt es in der Studie.

Nach Angaben der Kasse erfolgte die repräsentative Untersuchung anhand einer wissenschaftlich anerkannten Punkteskala, welche die Stressbelastung misst. Die Skala reicht von 0 (gar kein Stress) bis 48 (maximaler Stress). Wer über alle Fragebereich hinweg im Schnitt "manchmal" angibt, erreicht einen Wert von 24 Punkten.

An- oder ungelernte Arbeiter kamen demnach im Schnitt auf 20,2 Punkte, Angestellte mit einfacher Tätigkeit auf 20,1 Punkte. Angestellte mit hochqualifizierter Tätigkeit oder Leitungsfunktion erreichten hingegen nur 17,7 Punkte.

Die durchschnittliche chronische Stressbelastung der Bevölkerung liegt bei 19,2 Punkten, bei Frauen ist sie mit 20,7 Punkten insgesamt deutlich höher als bei Männern (17,9 Punkte). Am höchsten ist der Wert den Angaben zufolge bei alleinerziehenden Müttern (24,6 Punkten), Studentinnen (23,2 Punkte) und nicht erwerbstätigen Frauen (23,1 Punkten).  

Arbeitslose leiden stärker unter Sorgen

"Erwerbslose haben eine höhere Stressbelastung als Erwerbstätige", sagt Jörg Marschall vom Forschungsinstitut IGES, das die Studie durchgeführt hat. Steige der berufliche Status, sinke der Stresspegel. Negativer Disstress ist oft auch mit wenig oder kaum Handlungsspielraum verbunden, was insbesondere Langzeitarbeitslose stark belastet. Führungskräfte dagegen verfügen in der Regel über einen großen Handlungsspielraum und können ihre Situation beeinflussen und verändern – entsprechend gering sind ihre negativen Stresswerte.

Arbeitslose machen sich demnach sehr viel mehr Sorgen. "Sie sagen: Ich schaffe es einfach nicht, die Leistung zu bringen, die von mir erwartet wird", so Marschall. Ähnlich sei es bei Studierenden. "Auch sie haben oft die Befürchtung, ihre Aufgaben nicht erfüllen zu können."

Chronischer Stress bleibt meist nicht folgenlos. Laut der DAK-Gesundheit könnten von Herz-Kreislauf-Problemen bis Rückenschmerzen viele Krankheiten daraus erwachsen.