Ich möchte unseren zum Teil sehr hohen Krankenstand reduzieren, indem ich eine Anwesenheitsprämie zahle. Was muss ich dafür beachten?, fragt Bernd Otto.

Sehr geehrter Herr Otto,

melden sich Mitarbeiter krank, sind sie in der Regel auch arbeitsunfähig. Wer sich mit einem Infekt zur Arbeit schleppt, riskiert nicht nur seine eigene Gesundheit, sondern auch die der Kollegen.

Daher sollte Arbeitgebern eigentlich immer daran gelegen sein, dass ihre Mitarbeiter sich im Falle einer Krankheit zuerst auskurieren, bevor sie wieder zur Arbeit kommen.

Wenn Sie meinen, dass Ihre Mitarbeiter häufig krank feiern und Sie zudem glauben, dass das Aussprechen einer Anwesenheitsprämie sinnvoll ist, sollten Sie die Anwesenheitsprämie in Form einer Zusatzvereinbarung als Bestandteil zum bestehenden Arbeitsvertrag aufnehmen.

Die Sondervergütung gilt als besonderer Vergütungsbestandteil, der zusätzlich zum Grundgehalt gezahlt wird. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: Sie zahlen die Sondervergütung als Zuschlag zum laufenden Gehalt, beispielsweise als Zulage pro Anwesenheitsstunde oder als monatliche Zulage für eine definierte Mindestanwesenheitszeit. Oder Sie tätigen eine einmalige Sonderzahlung auf Grundlage eines längeren Zeitraums – etwa bezogen auf ein Jahr.

Wichtig ist die Definition der Kürzungsvereinbarung, denn Ihre Mitarbeiter müssen die Bedingungen kennen, ab wann Sie die Anwesenheitsprämie nicht zahlen. Und Sie dürfen nicht uneingeschränkt kürzen. Bei krankheitsbedingten Ausfallzeiten ist nach § 4a Entgeltfortzahlungsgesetz (EFZG) die Kürzung erlaubt, allerdings höchstens ein Viertel des durchschnittlichen Tagesverdienstes eines Mitarbeiters.

Anwesenheitsprämien, die eine überproportionale Anspruchskürzung für krankheitsbedingte Fehltage vorsehen, müssen demnach die Vorgaben des § 4a EFZG einhalten. Sie dürfen nicht im Tausch zur Arbeitsleistung stehen, also keine Sondervergütungen im Sinne von § 4a EFZG sein.

Und weil dieses Regelwerk es in sich hat, sollten Sie Ihre Zusatzvereinbarung von einem Experten prüfen lassen. Denn Fehler können zur Unwirksamkeit der Zusatzvereinbarung insgesamt führen, mit der Folge, dass Sie dann trotz fehlender Anwesenheit zahlen müssen.

Bedenken Sie, dass die Gefahr groß ist, dass sich Ihre Mitarbeiter krank zur Arbeit schleppen, um ihre Prämie nicht zu gefährden. Und die Ansteckungsgefahr für die Kollegen birgt dann ein weiteres Risiko.

Ihr Ulf Weigelt