ZEIT ONLINE: Sie werben mit Ihrer Homosexualität für sich als "schwuler Finanzberater"? Ist Schwulsein ein Wettbewerbsfaktor?

Florian Klein: Auf jeden Fall. Es gibt zwar ein paar Anbieter in dem Bereich, aber meiner Meinung nach noch nicht genug. Der Statistik zufolge soll jeder Zehnte bis Zwanzigste homosexuell sein. Meiner Erfahrung nach ist für Schwule und Lesben ausschlaggebend, dass ich mich besonders gut in ihren Lebensentwurf hineinversetzen kann. Sie suchen gezielt nach einer Beratung, in der sie sich nicht verstellen müssen und in der auch fachliche Aspekte, wie das Lebenspartnerschaftsgesetz berücksichtigen werden können. Sie müssen mir eben nicht erklären, wieso das Einfamilienhaus möglicherweise kein Kinderzimmer braucht oder eine Hinterbliebenenversicherung anders aufgebaut werden soll. Ich habe allerdings auch heterosexuelle Kunden.

ZEIT ONLINE: Brauchen Schwule und Lesben denn ein eigenes Angebot? Legen sie Geld etwa anders an?

Klein: Viele Schwule und Lesben fühlen sich mit einem ebenfalls homosexuellen Berater jedenfalls wohler. Denn so tolerant, wie es oft dargestellt wird, ist unsere Gesellschaft noch nicht. Homosexuelle stehen immer wieder vor der Frage, ob sie sich outen sollen oder nicht. Das habe ich als Bankkunde selbst erlebt. Ich wollte Kapital anlegen und der Berater sagte, er würde eine Kollegin dazu holen, die sich besser auskenne. Mit einem Zwinkern fügte er noch hinzu, dass wir dann beide mehr Spaß hätten. Das war nicht nur eine sexistische Äußerung der Kollegin gegenüber. Ich habe mich auch gefragt, ob mir dieser Berater wirklich das beste Produkt empfehlen oder einen Kredit gewähren würde, wenn ich mich outen würde.

ZEIT ONLINE: Muss man seinem Finanzberater denn erzählen, ob man Frauen oder Männer liebt?

Klein: Müssen nicht. Wenn er das aber nicht weiß, fehlt ihm die Grundlage, zu sagen, welche Vorsorge beispielsweise die Richtige ist. Das fängt schon bei der Haftpflichtversicherung an, wenn er fragen muss, wohnst du mit jemandem zusammen? Käme eine Familienversicherung in Frage? So landet man wieder bei der Frage nach dem Partner oder der Partnerin.

ZEIT ONLINE: Brauchen Homosexuelle wegen des Lebenspartnerschaftsgesetzes ein anderes Beratungsangebot?

Klein: Glücklicherweise ist die Gleichstellung der Lebenspartnerschaft an die Ehe was Steuern und Erben angeht nahezu vollzogen. Womit sich viele Berater schwer tun, ist das Thema HIV. Es ist aber wichtig zu klären: Wie kann sich jemand in so einem Fall gegen den Verlust der Arbeitskraft absichern? Welche Absicherung gibt es für die Hinterbliebenen im Todesfall?

ZEIT ONLINE: Gibt es auch negative Erfahrungen zu Ihrer Marktpositionierung als schwuler Finanzberater?

Klein: Hin und wieder gibt es despektierliche Kommentare, aber darüber sehe ich hinweg. Das positive Feedback überwiegt. Nur bei einem Vorfall war ich wirklich schockiert.

ZEIT ONLINE: Was ist da passiert?

Klein: Ich habe für eine Kundin eine Kündigung ihrer Versicherung von meinem Faxgerät weggeschickt. Die Versicherungsgesellschaft hatte dann recherchiert, wer ich bin. Sie haben bei der Kundin angerufen und nachgefragt: "Wissen Sie eigentlich, dass der schwul ist?" Sie hatten tatsächlich versucht, meine Homosexualität als Gegenargument gegen mich einzusetzen. Die Kundin ließ sich von diesem verzweifelten Versuch der Versicherungsgesellschaft aber nicht beeindrucken. Und zum Glück ist ein solcher Vorfall eine absolute Ausnahme.