© ZEIT ONLINE

Ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer leidet dauerhaft unter Stress. Als Hauptursache wird ein zu hohes Pensum genannt. Bei den jüngeren ist die ständige Erreichbarkeit die häufigste Stressursache, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag von ZEIT ONLINE erhoben hat.

Männer und Frauen fühlen sich weitgehend gleich stark belastet. Unterschiede lassen sich zwischen Ost und West ausmachen. Während in den östlichen Bundesländern nur etwa 23 Prozent über hohe Stressbelastung klagen, sind es im Westen 34 Prozent der Befragten. Das Belastungsniveau steigt in der Altersgruppe der Berufsanfänger (25 bis 34 Jahre) kurzzeitig von 27 auf 41 Prozent an, nimmt aber mit steigendem Alter wieder ab. Bei den über 55-Jährigen geben nur 23 Prozent an, stark belastet zu sein.

Ein möglicher Grund könnte sein, dass für viele der Einstieg in den Job als belastend empfunden wird: Mittlerweile ist mehr als die Hälfte aller neu abgeschlossenen Arbeitsverträge nur befristet. Außerdem fallen diese Jahre mit der Zeit der Familiengründung zusammen. Besonders junge Eltern klagen über die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ein zusätzlicher Stressfaktor.

© ZEIT ONLINE

Im Schnitt ist jeder fünfte Beschäftigte auch gesundheitlich beeinträchtigt. 18 Prozent der Arbeitnehmer gaben an, dass sie sich in den vergangenen zwei Jahren wegen Überlastung krankgemeldet hätten.

© ZEIT ONLINE

Und was sehen die Befragten als Ursache für den Stress? 42 Prozent nennen ein  zu großes Arbeitspensum. Je 39 Prozent geben als Grund mangelnde Anerkennung und ein schlechtes Betriebsklima an. Druck etwa durch ständige Erreichbarkeit nannte ein knappes Drittel der Befragten.

Hier scheint sich allerdings eine Entwicklung abzuzeichnen: Während von den über 45-Jährigen nur fast jeder Dritte über den Druck klagt, ständig erreichbar sein müssen, ist es für die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen mit 51 Prozent die Hauptstressursache.

© ZEIT ONLINE

Eine Anti-Stress-Verordnung, wie von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) vorgeschlagen, stößt bei den Arbeitnehmern auf ein geteiltes Echo. So glaubt ein gutes Drittel, dass eine derartige Verordnung für Arbeitnehmer hilfreich sein könnte. Demgegenüber sieht eine Mehrheit von 46 Prozent dies eher kritisch und glaubt nicht, dass solch eine Maßnahme hilfreich ist. Jeder fünfte Arbeitnehmer (21 Prozent) gibt an, dies nicht richtig einschätzen zu können. 

Bei den SPD-Wählern kommt der Nahles-Vorschlag übrigens schlechter an als bei Anhängern anderer Parteien: Nur 29 Prozent glauben an eine Wirksamkeit einer Anti-Stress-Verordnung. Ebenso viele CDU-Wähler halten die Idee für vernünftig. Am meisten begrüßen Wähler der Linkspartei den Vorstoß: 44 Prozent glauben, dass eine gesetzliche Regelung positiv sein, auch 39 Prozent der Anhänger der Grünen sind dafür. Am wenigsten Anklang findet eine Anti-Stress-Verordnung bei Anhängern der AfP. Das korrespondiert mit dem Stressempfinden der Wählergruppen. Bei AfP- und FDP-Wählern gibt nur jeder Fünfte an, unter Stress zu leiden.    

Alle Daten, soweit nicht anders angegeben, sind von der YouGov Deutschland AG bereitgestellt. An der Befragung nahmen 537 Arbeitnehmer teil. Die Erhebung fand zwischen dem 29.08.2014 und dem 01.09.2014 statt. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für alle Erwachsenen (Alter 18+).