Es gibt sie immer noch. Jene Chefs, die auf die Bitte nach Heimarbeit antworten: "Aber dann sehe ich ja gar nicht mehr, was du machst!" Doch solche Führungsmethoden nach dem Vorbild von Gefängnisaufsehern werden seltener.

Nach Microsoft hat auch Bosch seinen Mitarbeitern das mobile Arbeiten von zu Hause oder wo auch immer sie wollen erleichtert. Beim Automobilzulieferer zieht aber auch umgekehrt das private Leben ins Büro ein.

Was ohnehin für die meisten Büroarbeiter selbstverständlich ist, wird von Bosch offiziell erlaubt: die private Nutzung von E-Mail, Internet und Telefon am Arbeitsplatz. Auch private Reisen oder Einkäufe können nun ohne Heimlichtuerei am Dienst-PC gebucht werden.

Vor wenigen Tagen gab Microsoft bekannt, dass die Anwesenheitspflicht für seine Mitarbeiter im Büro vollständig abgeschafft ist. Schon 1998 hatte der Software-Konzern die festen Arbeitszeiten abgeschafft. Mitarbeiter dürfen ihre Arbeit künftig wann und wo sie wollen verrichten. Für die rund 2.700 Mitarbeiter in Deutschland wird der "Vertrauensarbeitsort" in einer Betriebsvereinbarung verbindlich geregelt.

Heimarbeit in der einen oder anderen Form ermöglichen die meisten Firmen. Bei Siemens darf jeder Büromitarbeiter einen Tag pro Woche zu Hause arbeiten. Beim Chemiekonzern BASF trat 2013 eine Betriebsvereinbarung zum Mobilen Arbeiten in Kraft, wonach bedarfsorientiert Mitarbeiter an einem anderem Ort als ihrem Büroplatz arbeiten können.

Anspruch auf Arbeiten aus dem Homeoffice

Bosch will, so heißt es in einer Pressemitteilung, "den Wandel von der Präsenzkultur hin zu mehr Flexibilität und Ergebnisorientierung weiter voranbringen" und "die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben" stärken. Mit dem Konzernbetriebsrat wurden dazu zwei neue Konzernbetriebsvereinbarungen erarbeitet, die für die Bosch-Beschäftigten in Deutschland gelten sollen.

Er sei "von den Vorteilen flexibler Arbeitsmodelle überzeugt", begründet Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor bei Bosch die neuen Regeln. "Die freie Wahl von Arbeitsort und -zeit steigert die Zufriedenheit der Mitarbeiter, liefert bessere Arbeitsergebnisse und stärkt die Kreativität."

Bislang mussten bei Bosch Vorgesetzte einzeln genehmigen, wenn ein Mitarbeiter vorübergehend an einem anderen Standort oder von zu Hause aus arbeiten wollte. Jetzt haben Mitarbeiter grundsätzlich einen Anspruch darauf – sofern die berufliche Aufgabe es zulässt.