Das Bundesarbeitsgericht hat Hoffnungen von Beschäftigten enttäuscht, sich künftig leichter eine bessere Gesamtbewertung im Arbeitszeugnis zu erstreiten. Die Richter in Erfurt hielten in einer Entscheidung am Dienstag an ihrer Linie fest, wonach die Formulierung "zu unserer vollen Zufriedenheit" – das entspricht der Note 3 – eine durchschnittliche Leistung beschreibt. Wolle ein Mitarbeiter eine bessere Bewertung, müsse er genaue Gründe dafür darlegen, entschied der 9. Senat (Az.: 9 AZR 584/13).

Geklagt hatte eine 25-Jährige gegen ihren früheren Arbeitgeber. Sie hatte ein Jahr am Empfang einer Berliner Zahnarztpraxis gearbeitet und gekündigt, weil sie nach Angaben ihres Anwalts unzufrieden mit ihrem Arbeitgeber war. Der bescheinigte ihr im Arbeitszeugnis, sie habe ihre Aufgaben "zu unserer vollen Zufriedenheit" erledigt.

Die Frau sah sich dadurch bei Bewerbungen benachteiligt und forderte eine Änderung in "stets zu unserer vollen Zufriedenheit". In der verklausulierten Zeugnissprache macht dies den Unterschied zwischen der Note 3 und der Note 2 aus.

Im Gegensatz zum Bundesarbeitsgericht hatten zwei Vorinstanzen der Frau recht gegeben und ihr eine bessere Beurteilung zugesprochen. Die Richter entschieden, dass durch die heutige Zeugnispraxis eher die Note 2 als eine durchschnittliche Bewertung anzusehen sei. Dabei verwiesen sie auf eine Studie der Universität Erlangen-Nürnberg, wonach von gut 800 ausgewerteten Arbeitszeugnissen mehr als 87 Prozent eine gute oder sehr gute Bewertung enthielten.   

Fall zurückverwiesen

Das heutige Urteil hat nun Auswirkungen über den konkreten Fall der jungen Frau hinaus. Denn damit liegt bei Streitfällen weiterhin das höhere Risiko bei den Beschäftigten: Sie müssen genaue Gründe für eine bessere Beurteilung darlegen und beweisen, wenn sie eine gute oder sehr gute Gesamtbewertung erkämpfen wollen. Nur wenn ein Arbeitgeber eine unterdurchschnittliche Bewertung abgibt – schlechter als Note 3 – liegt diese Beweislast bei ihm.

Ob der Frau trotzdem die Note 2 zusteht, darüber muss nun erneut das Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg entscheiden. Dorthin wurde der Fall zurückverwiesen. Ihr Rechtsanwalt kündigte an, belegen zu wollen, warum seiner Mandantin das kleine Wörtchen "stets" im Arbeitszeugnis doch zusteht.