Die Frauenquote für große deutsche Konzerne ist beschlossen – und damit ein wesentlicher Schritt zu mehr Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau erreicht. Die große Koalition hat trotz aller anfänglichen Zweifel einen Kompromiss gefunden, der auch für die Wirtschaft verkraftbar ist.

Es ist ein von den Gegnern gern und oft wiederholtes Märchen, dass durch eine Quote massenhaft talentierte Männer um ihre Karriere fürchten müssen und statt ihrer völlig unqualifizierte Frauen in Führungspositionen gehoben werden. Für die jetzt beschlossene Variante gilt das noch viel mehr. Denn betroffen sind nur die Aufsichtsräte von etwas mehr als 100 börsennotierten Großunternehmen. Kontrollgremien, die nur wenige Tage pro Jahr tagen. Es geht nicht um Vollzeit-Managementposten, die von heute auf morgen zu einem Drittel mit Frauen besetzt werden müssen.

Für die Aufsichtsräte geeignete weibliche Führungskräfte zu finden, sollte kein Problem sein. Die Arbeitnehmervertreter schaffen es schon seit Langem, qualifizierte Frauen in die Aufsichtsräte zu entsenden. Hinzu kommt, dass in den vergangenen Jahren eine Vielzahl hervorragender Managerinnen ins höhere Management aufgerückt ist. Das Argument, es gebe nicht genügend qualifizierte Frauen, stimmt einfach nicht.

Schwieriger wäre es gewesen, eine Quote für die Vorstände oder generell für Führungskräfte in Deutschland durchzusetzen. Aber davon hat die Politik abgesehen. Für die rund 3.500 mittelständischen Unternehmen in Deutschland gilt weiterhin das Prinzip der freiwilligen Selbstverpflichtung. Mit einem kleinen Unterschied: Sie müssen die selbst gesteckte Quote einmal pro Jahr veröffentlichen. Aber schon das ist ein positives Signal und sorgt für mehr Transparenz. Am Ende könnte dies auch zu mehr Wettbewerb im Kampf um den klugen (weiblichen) Führungsnachwuchs führen.

Beides zusammen – Aufsichtsratsquote und Veröffentlichungszwang – wird den Kulturwandel in den Unternehmen vorantreiben. In einigen Jahren werden wir uns wahrscheinlich fragen, warum überhaupt eine solch langwierige Debatte notwendig war, um etwas eigentlich Selbstverständliches umzusetzen: dass Männer und Frauen gleichermaßen Verantwortung in der Wirtschaft übernehmen.