Mindestlohn

Ab dem 1. Januar 2015 gilt der Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro pro Stunde. Dieser Lohn gilt für alle Arbeitnehmer, außer für Jugendliche unter 18 Jahren und ohne Berufsausbildung, Auszubildende und Ehrenamtliche. Auch Langzeitarbeitslose, die länger als ein Jahr ohne Job waren, dürfen in den ersten sechs Monaten im Beruf vom Mindestlohn ausgenommen werden.

Praktikanten und Hospitanten dürfen sich freuen: Wer nach dem Studium ein Praktikum macht, muss den Mindestlohn erhalten. Es sei denn, es handelt sich um ein Pflichtpraktikum im Rahmen einer Ausbildung oder eines Studiums und das Praktikum dauert nicht länger als zwölf Wochen.

Für Zeitungszusteller gibt es eine stufenweise Anpassung: Sie erhalten im kommenden Jahr zunächst nur 75 Prozent vom Mindestlohn, ab 2016 dann 85 Prozent und erst 2017 den vollen Mindestlohn.

Mit dem Mindestlohn ändert sich außerdem die bisherige Grenze für kurzfristige Beschäftigung, die in § 8 Absatz 1 Nr. 2 SGB IV geregelt ist. Sie ist wichtig für saisonale Aushilfsjobs wie etwa Erntehelfer. Bislang konnten Arbeitgeber kurzfristig Beschäftigte maximal 50 Tage oder zwei Monate im Jahr beschäftigen. Ab Januar ist dies für 70 Tage oder drei Monate im Jahr möglich. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Die neuen Fristen gelten nur für kurzfristig Beschäftigte, die 2015 eine solche Tätigkeit aufnehmen. Wer seinen Aushilfsjob bereits vorher ausübte, darf diesen auch weiterhin nur zwei Monate oder 50 Tage lang ausüben.

Außerdem verlangt der Gesetzgeber künftig, dass sich "Kurzfristigkeit" aus der Art der Tätigkeit ergibt – eben weil Erntehelfer nur zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr gebraucht werden. Das muss auch vor Jobantritt schriftlich geregelt werden.

Beiträge zur Sozialversicherung

Auf der Gehaltsabrechnung wird sich ab dem 1. Januar 2015 einiges bei den Sozialabgaben ändern: Der Rentenversicherungsbeitrag sinkt auf 18,5 Prozent. Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen außerdem den Beitragssatz von 15,5 Prozent auf 14,6 Prozent senken. Ob das tatsächlich passiert, ist noch offen: Einige gesetzliche Krankenkassen sorgen sich um Finanzierungslücken und wollen nicht senken. Außerdem wird der Satz zur Pflegeversicherung auf 2,35 Prozent angehoben.

Tarifvertrag

Für Arbeitgeber, in deren Unternehmen bislang keine Tarifbindung galt, könnte sich ab 2015 einiges ändern. Grund dafür ist die Neufassung des Tarifvertragsgesetzes. Vom kommenden Jahr an gilt viel leichter die sogenannte Allgemeinverbindlicherklärung von Tarifverträgen für ganze Wirtschaftszweige. Wird ein Tarifvertrag allgemeinverbindlich erklärt, müssen sich alle Betriebe in einer Branche an den geltenden Vertrag halten – in der Regel mit verbesserten Arbeitsbedingungen und höheren Löhnen für die Arbeitnehmer. Bisher verlangte der Gesetzgeber für die Erklärung der Allgemeinverbindlichkeit, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten einer Branche in einem tarifgebundenen Unternehmen tätig sind. Genau dieser Nachweis entfällt ab Januar 2015. 

Pflegezeit

Die Familienpflegezeit kommt. Bis zu 24 Monate können Beschäftigte für die Pflege von Angehörigen ihre Arbeitszeit auf 15 Wochenstunden reduzieren. Und ab 2015  können nicht nur die unmittelbaren Verwandten (Großeltern, Eltern, Schwiegereltern, Ehegatten, Lebenspartner, Schwieger- und Enkelkinder) die Pflegezeit beantragen, künftig ist dies auch für Stiefeltern, Lebenspartner und sowie Schwäger und Schwägerinnen möglich. Eine Einschränkung gibt es: Die Pflegezeit gilt für Mitarbeiter in Unternehmen mit mehr als 25 Beschäftigten.

Außerdem gibt es finanzielle Unterstützung: Für eine zehntägige Pflegeauszeit wird das sogenannte Pflegeunterstützungsgeld gezahlt. Es beträgt 67 Prozent des Bruttolohns und wird aus der gesetzlichen Pflegeversicherung finanziert. Zugleich können pflegende Angehörige ein zinsloses Darlehen während der Familienpflegezeit beantragen, um finanziell nicht ins Bodenlose stürzen zu müssen.

Elterngeld Plus

Auch an junge Eltern hat der Gesetzgeber gedacht. Ab Juli 2015 können Eltern zwischen dem konventionellen Elterngeld und dem neuen Elterngeld Plus wählen. Die Plus-Variante ermöglicht ihnen, während der Elternzeit weiterzuarbeiten. Der Elterngeldanspruch kann von 12 beziehungsweise 14 auf 24 beziehungsweise 28 Monate ausgeweitet werden. 

Außerdem gibt es einen Partner-Bonus: Wenn beide Elternteile berufstätig sind und sich die Erziehung gleichberechtigt teilen, können sie bis zu 36 Monate lang Elterngeld beziehen. Das ist vor allem für Paare attraktiv, die kleine, unter drei Jahre alte Kinder haben und bei denen beide Elternteile reduziert arbeiten wollen. Es ist eine Lohnersatzleistung und gibt jungen Eltern die Möglichkeit, mehr Zeit für den Nachwuchs zu haben.

Neue Leih- und Zeitarbeitsregelungen

Künftig sollen Leih- und Zeitarbeiter spätestens ab dem zehnten Monat im Unternehmen so bezahlt werden wie alle anderen Beschäftigten. Zudem sollen Leiharbeiter nicht länger als 18 Monate im gleichen Unternehmen eingesetzt werden. Auf beides hatte sich die Koalition geeinigt. Offen ist noch, ob diese Regelungen 2015 im Arbeitnehmerüberlassungsgesetz aufgenommen werden.

Hinweis: Der Passus über die Leih- und Zeitarbeitsregelungen wurde aktualisiert.