Ich wurde nach einer Dienstreise um 0:45 Uhr auf dem Weg zum Parkhaus überfallen. Dabei wurde mir meine Handtasche entrissen, ich fiel zu Boden und verletzte mich. Früher stand uns ein Parkhaus zur Verfügung, das in der Nähe der Arbeitsstelle war und einen Innenzugang hatte. Hat mein Arbeitgeber meine Sicherheit vernachlässigt?, fragt Manuela Bergmann.

Sehr geehrte Frau Bergmann,

so leid mir Ihr Überfall tut, Ihr Arbeitgeber hat hier jedoch keine Mitschuld, denn er musste nicht mit einem räuberischen Überfall rechnen. Dementsprechend hat Ihr Arbeitgeber auch nicht seine Fürsorgepflicht verletzt und er ist auch nicht für die Folgen des Überfalls haftbar zu machen.

Hat aber ein Mitarbeiter einen Unfall auf dem Weg zur Arbeit oder auf dem Weg nach Hause, steht er in der Regel unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Es sei denn, der Unfall passiert bei einem Zwischenstopp.

Wie streng es Versicherer und Gerichte dabei nehmen, zeigt ein Urteil des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen (Az.: S 5 U 298/08): Der Mitarbeiter, der gegen den Versicherer klagte, wurde auf seinem Nachhauseweg als Radfahrer mehrfach von einem PKW-Fahrer behindert. Als er diesen an der nächsten Ampel zu Rede stellen wollte, der Fahrer und Beifahrer dazu ausstiegen, setzte sich der Wagen versehentlich in Gang. Er rollte auf den Radfahrer zu und dieser brach sich das Bein. Für die Richter des Landessozialgerichts lag hier jedoch kein Arbeitsunfall vor, die gesetzliche Unfallversicherung musste dementsprechend nicht haften. Denn hätte der Mitarbeiter seinen Nachhauseweg nicht unterbrochen, wäre der Unfall auch nicht passiert.

Wenn Sie also direkt auf dem Nachhauseweg waren und Sie keinen Zwischenstopp zwischen Arbeitsstätte und Parkhaus hatten, tritt in Ihrem Fall mit großer Wahrscheinlichkeit die für Ihren Beruf zuständige Berufsgenossenschaft ein. Das heißt, Sie können Ihre Forderungen wie etwa die Kosten aller medizinischen Leistungen, die Kosten für die nachfolgende berufliche und soziale Wiedereingliederung oder auch eine Rente aufgrund eines Dauerschadens dort geltend machen.

Wie entscheidend der berufliche Faktor ist, zeigt ein Beschluss des Landessozialgerichts Baden-Württemberg (Az.: L 2 U 5220/10). Ein Mitarbeiter bemerkte auf der Heimfahrt, dass er seine Geldbörse im Büro vergessen hatte. Er kehrte um, holte diese aus seinem Büro und wurde beim Verlassen seines Büros von einem Kollegen aufgehalten, da dieser ein wichtiges berufliches Anliegen hatte. Als er anschließend auf dem Heimweg einen schweren Motorradunfall hatte, wollte die gesetzliche Unfallversicherung den Unfall nicht als Arbeitsunfall akzeptieren und dementsprechend nicht haften. Die Begründung des Versicherers: Der Mitarbeiter war aufgrund eines privaten Motivs zum Arbeitsplatz zurückgekehrt, die zweite Heimfahrt stand also nicht unter dem Versicherungsschutz.

Diese Ansicht allerdings vertraten die Richter des Landessozialgerichts Baden-Württemberg nicht, denn durch das berufliche Gespräch mit dem Kollegen hatte der Mitarbeiter seine berufliche Tätigkeit wieder aufgenommen. Der erneute Nachhauseweg stand also unter dem Versicherungsschutz, der Unfall war dementsprechend ein Arbeitsunfall und der Versicherer musste haften.

Ihr Ulf Weigelt