Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz muss nicht zwangsläufig zur fristlosen Kündigung des Täters führen. Ob ein Fehlverhalten wirklich eine Kündigung rechtfertigt, das hänge vom konkreten Einzelfall ab, teilt das Bundesarbeitsgericht am Dienstag in Erfurt mit.

Das höchste Arbeitsgericht hatte die Entscheidungsgründe zu einem Fall veröffentlicht, der bereits im November verhandelt worden war. Damals hatte ein Automechaniker aus Nordrhein-Westfalen, der einer Putzfrau an den Busen gegriffen hatte, erfolgreich gegen seine Kündigung geklagt (2 AZR 651/13).

Nach den Umständen dieses Streitfalls hätte eine Abmahnung als Reaktion ausgereicht, entschieden die Richter. Der Mann hatte im Juli 2012 im Waschraum zu der Putzfrau gesagt, dass sie einen schönen Busen habe und dann ihre Brust berührt. Als die Frau deutlich machte, dass sie dies nicht wünsche, ließ der Mann sofort von ihr ab. 

Im Gespräch mit seinem Arbeitgeber gestand er den Vorfall ein und erklärte, er habe sich eine Sekunde lang vergessen. Er schäme sich, so etwas werde sich nicht wiederholen. Trotzdem kündigte ihm sein Arbeitgeber fristlos. Der Mitarbeiter entschuldigte sich bei der Frau und zahlte ihr ein Schmerzensgeld.

Auf die notorische Grenze kommt es an

Das Bundesarbeitsgericht sah in dem Vorfall zwar zweifelsfrei eine verbale und körperliche sexuelle Belästigung, hielt aber die Kündigung für unverhältnismäßig. Der Kläger hatte nach Ansicht der Richter nicht notorisch Grenzen überschritten.

Sein Verhalten sei nicht zu vergleichen etwa mit dem eines Produktmanagers eines Möbelhauses, dessen Kündigung das Bundesarbeitsgericht im Juni 2011 bestätigte (2 AZR 323/10). Der Mann hatte einer Kollegin einen Schlag auf den Po versetzt, war daraufhin abgemahnt worden und hatte später einer anderen Mitarbeiterin mit Anzüglichkeiten zugesetzt.