ZEIT ONLINE: Herr Korte, in der Pilotausgabe des transformMagazins geben Sie Tipps zum Blaumachen. Macht es glücklicher, sich vor Verpflichtungen zu drücken und keine Karriere zu machen?

Jan Korte: Zumindest gibt es viele Menschen, die keine Erfüllung darin sehen, 40 Stunden oder mehr einer oft stumpfsinnigen Tätigkeit am Computer nachzugehen. Man hat doch so viele Interessen, die durch einen Arbeitsplatz gar nicht erfüllt werden können.

ZEIT ONLINE: Sie selbst arbeiten daher grundsätzlich nur Teilzeit und nennen das Zeit-Wohlstand.

Korte: Ich bin davon überzeugt, dass wir vieles wieder zurückerobern müssen – zum Beispiel Zeitsouveränität. Muße, Müßiggang, Zeit zum Nichtstun sind wichtig für ein gutes Leben. Und darum geht es uns – das gute Leben. Überall gibt es nur Krisen, in den Medien wird überwiegend über Probleme berichtet. Da wird immer nur kritisiert, selten geht es um Lösungen – und wenn, dann sind sie kompliziert oder verweisen auf eine höhere Instanz. "Die Politik müsste…." heißt es dann. Aber was hat das mit mir zu tun?

ZEIT ONLINE: Was soll denn der Einzelne tun?


Korte: Jeder einzelne kann die Welt mitgestalten und prägen, insbesondere in seinem unmittelbaren Lebenszusammenhang. Darum ging es mir und meinem Mitgründer Richard Gasch, als wir die Idee für das Magazin hatten. Wir wollen Inspiration geben. Lösungen statt Probleme aufzeigen. Darum versuchen wir, in den Artikeln konkrete, alltagstaugliche Anstöße oder Tipps zu geben.

ZEIT ONLINE: Das mag funktionieren, wenn man über ein Recht auf Faulheit schreibt. Aber wie würde ein Artikel bei Ihnen beispielsweise über die Flüchtlingsproblematik aussehen?

Korte: Hier würden unsere Autoren beschreiben, was man selbst machen kann – etwa einen Flüchtling bei sich zu Hause aufnehmen, zu einer Demonstration für eine Reform des Asylrechts gehen oder erst mal die Menschen persönlich kennenlernen, die nach Deutschland kommen. Jedes politische Thema beeinflusst uns doch in unserem eigenen Leben. Und ein jeder kann empathisch und solidarisch sein, wir sind doch alle Teil der Gesellschaft. Aber viele sind politisch müde, weil die konkreten Zusammenhänge zu wenig dargestellt werden und man denkt, man könne sowieso nichts ändern. Da fragen sich viele: Was geht mich das an? Das ist schade, denn so versäumt man die Chance, das Leben für alle ein bisschen besser zu machen. Denn es interessieren sich doch viele Menschen für Nachhaltigkeit, für Umweltschutz, für Menschenrechte, wie man die Beziehungen zu anderen Menschen verbessern oder die Arbeitswelt menschenfreundlicher machen kann, um diesem Druck zur ständigen Selbstoptimierung zu entgehen.

ZEIT ONLINE: Sie können Ihren Autoren bislang kein Geld zahlen. Wie haben Sie Mitstreiter gefunden? Sind das alles Idealisten?

Korte: Ja, ein Stück Idealismus gehört bei allen mit dazu. Nachdem Richard und ich die Idee für das Magazin vor einem Jahr entwickelt hatten, haben wir eine Website aufgesetzt und das Konzept Freunden, Bekannten und Kollegen vorgestellt. Das Feedback war überwältigend: Mehr als 80 Leute haben sich in sehr kurzer Zeit bei uns gemeldet, die uns unterstützen wollten. Mittlerweile hat sich ein Kern von 30 Leuten herausgebildet, die in ganz Deutschland verteilt sind. Die einen schreiben Artikel, die anderen machen Fotos, die nächsten das Layout, wieder andere redigieren. Unser Ziel ist, die 150 Seiten starke Erstausgabe drucken zu lassen.  

ZEIT ONLINE: Warum drucken, online wäre doch viel günstiger?

Korte: Für ein gedrucktes Magazin haben wir uns entschieden, weil wir einen Beitrag zur Entschleunigung bieten wollen. Zeitwohlstand heißt für uns auch, sich die Lektüre schön zu machen, zum Beispiel bei einem Glas Wein oder in der Badewanne zu lesen. Darum geben wir auch an, wie lange die Lesezeit pro Artikel im Schnitt etwa dauert. Und wir sind werbefrei, das ist uns sehr wichtig. Wir wollen unabhängig sein.

ZEIT ONLINE: Derzeit sammeln Sie über die Crowdfundingplattform startnext.de Geld für die Erstausgabe. Wie viel brauchen Sie?

So soll die gedruckte Ausgabe einmal aussehen. © transform-Magazin

Korte: Minimum 5.000 Euro, ideal wären 10.000 Euro. Dann könnten wir ein paar Tausend Exemplare drucken lassen. Das Crowdfunding ist auch ein Testlauf, ob unser Magazin überhaupt ein breiteres Publikum finden würde.

ZEIT ONLINE: Falls das der Fall sein sollte: Wird das transformMagazin für Sie dann ein fester Job?

Korte: Ganz im Sinne eines guten Lebens haben wir dazu überhaupt keine konkreten Pläne gemacht, sondern lassen es auf uns zukommen. Wir wollen uns ja gerade nicht dem Druck aussetzen, den andere Gründer mit ihren Unternehmensideen haben und darin die große Karriere sehen. Ideen für eine zweite Ausgabe haben wir schon genug und es wäre denkbar, dass wir das Magazin als unregelmäßiges Periodikum herausgeben. Wenn genug Geld zusammenkommt, können wir den Autoren endlich auch Honorare zahlen.