Frage: Wieviel hast Du heute nacht geschlafen?

Stefano: Ungefähr vier Stunden.

Frage: Was arbeitest du?

Stefano: Ich bin Kellner in einem italienischen Restaurant in Berlin.

Frage: Ist das dein Traumberuf?

Stefano: Eigentlich schon. Als ich 17 war, habe ich in Florenz in einer Bar gearbeitet, das war toll, ich hatte mit Gästen aus allen möglichen Ländern zu tun. Das ist im Restaurant in Berlin jetzt genauso.

Frage: Wie muss ich mir deinen Arbeitstag vorstellen?

Cover von "Geht alles gar nicht": Diese Interviews stammen aus dem Buch von Marc Brost und Heinrich Wefing, warum Familie und Beruf auch für Väter nicht zu vereinbaren ist. © PR: Rowohlt Verlag

Stefano: Ich arbeite entweder von 12 bis 18 Uhr oder von 18 Uhr bis zum Schluss, das ist um ein Uhr morgens, manchmal auch erst um zwei. Wenn ich nach Hause komme, bin ich noch so aufgedreht, dass ich auch nicht gleich einschlafen kann. Dann wird es auch schon mal drei Uhr. Ich arbeite fünf oder sechs Tage die Woche. Und ich versuche eigentlich immer, die Spätschicht zu bekommen, damit ich mich tagsüber um die Kinder kümmern kann.

Frage: Wie alt sind deine Kinder?

Stefano: Sieben und drei. Es sind zwei Mädchen.

Frage: Arbeitet deine Frau?

Stefano: Ja. Sie war fast sieben Jahre zu Hause und hat sich um alles gekümmert. Wenn ich spät nach Hause kam, hat sie morgens die Kinder versorgt, in die Kita gebracht und wieder abgeholt. Das geht jetzt nicht mehr. Sie arbeitet in einem Hotel, das geht von 6.30 Uhr bis 15.30 Uhr, manchmal auch von 9 Uhr bis 17.30 Uhr. Sie arbeitet fast immer am Wochenende, manchmal auch beide Tage.

Frage: Und wenn Sie morgens um halb sieben anfängt, nachdem du nachts lange gearbeitet hast?

Stefano: Dann stehe ich auf, bringe die Kinder in die Schule und in den Kindergarten. Gehe einkaufen. Putze die Wohnung. Kümmere mich um alles. Hole die Kinder wieder ab. Und gehe dann arbeiten. Aber das ist nicht die Regel.

Frage: Was ist die Regel?

Stefano: Knapp wird es, wenn sie bis um 17.30 Uhr arbeiten muss und ich um 18 Uhr anfangen soll. Dann bringe ich die Kinder zu ihr ins Hotel, hetze mit dem Auto durch die Stadt, und komme trotzdem zehn Minuten zu spät zur Arbeit. Anfangen heißt bei uns: Ausgeruht und umgezogen im Restaurant zu stehen. Aber das schaffe ich nicht. Ich bin unpünktlich, abgehetzt, immer müde. Meine Kollegen sagen nichts. Aber das ist natürlich nicht gut.

Frage: Als deine Frau wieder angefangen hat zu arbeiten, muss euch doch klar gewesen sein, dass es schwierig würde.

Stefano: Natürlich haben wir vorher darüber geredet. Wir haben keine Eltern, die uns helfen könnten. Und eine Nanny können wir uns nicht leisten. Aber für meine Frau war es wichtig, wieder arbeiten zu gehen, wieder Geld zu verdienen, wieder ein eigenes Konto zu haben. Und ganz ehrlich: Wir brauchen dieses Geld auch.

Frage: An was sparst du?

Stefano: An mir selbst. Ich bin früher viel Fahrrad gefahren. Ich bin auch gern Schwimmen gegangen. Aber das mache ich nicht mehr. Mein Rennrad verrottet im Keller, und Schwimmen war ich schon lange nicht mehr. Ich bin sehr oft einfach nur müde, habe viel weniger Energie als früher. Ich hebe mir meine Energie für die Kinder auf.

Frage: Was macht das mit deiner Ehe?

Stefano: Wir reden viel über die Kinder, aber wenig über uns. Manchmal sind "hallo" und "tschüss" sogar die einzigen Worte, die wir miteinander wechseln, weil wir zu mehr gar nicht die Zeit haben. Es kommt vor, dass wir ein, zwei Tage fast gar keinen Kontakt haben, obwohl wir im selben Bett schlafen, nur zu unterschiedlichen Zeiten.

Frage: Was würde euch helfen?

Stefano: Auf jeden Fall jemand, der uns unterstützt und den wir auch bezahlen könnten. Ich kann ja schlecht von zu Hause arbeiten, wenn eines der Kinder mal krank ist.

Frage: Und deine Kollegen, die keine Kinder haben?

Stefano: Sind immer entspannt. Die haben mehr Zeit für sich selbst. Ich glaube nicht, dass sie glücklicher sind. Aber entspannter sind sie auf jeden Fall.

Der befragte Vater ist 43 Jahre alt.