Eltern, die sich für das Elterngeld Plus entscheiden, können die Lohnersatzleistung für einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen.

Die meisten Eltern wünschen sich vor allem eins: eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das neue Elterngeld Plus soll es Müttern und Vätern einfacher machen, berufstätig zu sein und sich um den Nachwuchs zu kümmern – vorausgesetzt, ihr Kind wurde nach dem 1. Juli 2015 geboren. Die ab jetzt gültigen Neuregelungen gelten also nur für Eltern mit Kindern, die ab Juli 2015 geboren wurden. Für alle vor diesem Termin geborenen Kinder bleibt es bei den bisherigen Regelungen.

Wie kann Elternzeit künftig verteilt werden?

Auch weiterhin beträgt die Elternzeit maximal 36 Monate pro Kind und steht jedem Elternteil zu. Künftig können diese Monate aber flexibler als bisher verteilt werden. Statt bisher in zwei Abschnitte kann die Babypause künftig auf drei Abschnitte verteilt werden, und zwar ohne dass es einer Zustimmung des Arbeitgebers dafür bedarf. 

Zudem erweitern sich die Möglichkeiten, einen bestimmten Anteil der Elternzeit auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Bisher konnten Eltern nicht mehr als zwölf Monate Elternzeit erst zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes nehmen, wobei der Arbeitgeber hier noch ein Mitspracherecht hatte. Denn die spätere Inanspruchnahme des dritten Elternzeitjahres war nur mit seiner Zustimmung möglich. Künftig wird das anders: Eltern können bis zu 24 Monate in diesem späteren Zeitraum Elternzeit nehmen. Sie benötigen darüber hinaus auch keine Zustimmung des Chefs mehr. Der Arbeitgeber hat hier künftig nur noch dann ein eingeschränktes Vetorecht, wenn die Elternzeit auf drei Abschnitte aufgeteilt werden soll und der dritte Abschnitt zwischen dem dritten und dem achten Lebensjahr des Kindes liegen soll. In diesem Sonderfall kann die Verschiebung innerhalb von acht Wochen nach Zugang des Antrags aus dringenden betrieblichen Gründen abgelehnt werden.

Was heißt das konkret?

Die neuen Regelungen erhöhen damit einerseits den Organisationsaufwand für die Unternehmen, machen es Eltern andererseits aber leichter, einem besonderen Fürsorgebedarf der Kinder in bestimmten Lebensabschnitten gerecht zu werden. So kann jetzt zum Beispiel ein Teil der Elternzeit im Zeitraum der Einschulung des Kindes genommen werden, ohne dass Mütter und Väter die Erlaubnis des Arbeitgebers einholen müssen. Unternehmen müssen sich darauf einstellen, dass Arbeitnehmer vermehrt auch für ältere Kinder – und nicht mehr nur Neugeborene und Kleinkinder – noch einen Teil der Elternzeit in Anspruch nehmen. 

Wann müssen Mitarbeiter die Elternzeit mitteilen?

Um Unternehmen die Personalplanung zu erleichtern, hat der Gesetzgeber die Ankündigungsfristen für die Elternzeit verlängert. Bisher mussten Arbeitnehmer die Elternzeit spätestens sieben Wochen vor ihrem Beginn ankündigen – auch dann, wenn sie einen Teil der Elternzeitmonate splitten und später nehmen wollten. Ab jetzt müssen Mitarbeiter, wenn sie die Elternzeit zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes nutzen möchten, dies 13 Wochen vor dem Beginn ankündigen. Ob dies tatsächlich hilft, vernünftige Vertretungslösungen zu finden, ist allerdings fraglich. 

Unverändert bleibt die Ankündigungsfrist für die Elternzeit in den ersten drei Lebensjahren des Kindes. Diese muss dem Chef auch nach Inkrafttreten der Neuregelungen spätestens sieben Wochen vor ihrem geplanten Beginn mitgeteilt werden.  

Was ändert sich, wenn man während der Elternzeit Teilzeit arbeiten möchte?

Die inhaltlichen Voraussetzungen für einen Anspruch auf Elternteilzeit hat der Gesetzgeber unverändert gelassen. Geändert wurden jedoch die Fristen, die Arbeitnehmer für die Ankündigung von Teilzeitwünschen während der Elternzeit einhalten müssen. Auch hier mussten Mütter und Väter ihren Teilzeitwunsch spätestens sieben Wochen vor Beginn mitteilen. Künftig gibt es keine einheitliche Frist mehr. Stattdessen kommt es darauf an, in welchem Zeitraum der Elternzeit der Mitarbeiter Teilzeit arbeiten möchte. Wer bis zum dritten Geburtstag des Nachwuchs in der Elternzeit reduzieren möchte, muss dies sieben Wochen vor Beginn anmelden. Wessen Kind zwischen drei und acht Jahren alt ist und hier im Rahmen der Elternzeit Teilzeit arbeiten möchte, hat diesen Wunsch drei Wochen vor Beginn dem Chef mitzuteilen.

Ablehnen können Arbeitgeber den Teilzeitwunsch nach wie vor nur aus dringenden betrieblichen Gründen. Ist das Kind noch unter drei Jahren alt, hat der Chef vier Wochen Zeit, um schriftlich zu begründen, warum die Mutter oder der Vater nicht in Teilzeit arbeiten kann. Will das Elternteil die Arbeitszeit reduzieren und das Kind ist zwischen drei und acht Jahre alt, hat der Arbeitgeber acht Wochen Zeit. Versäumt er diese Fristen, dann gilt die Zustimmung als erteilt – und der Teilzeitwunsch tritt automatisch entsprechend den Wünschen des Mitarbeiters in Kraft. Dasselbe gilt auch, wenn die vom Arbeitnehmer gewünschte Verteilung der Elternteilzeit nicht rechtzeitig abgelehnt wird und Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich zuvor nicht auf die Verteilung der Arbeitszeit einigen konnten.

Haben Mitarbeiter in Elternzeit auch künftig einen besonderen Kündigungsschutz?

Nach wie vor genießen Arbeitnehmer ab dem Antrag auf Elternzeit und während der gesamten Familienzeit Sonderkündigungsschutz. Eine Kündigung ist während dieses Zeitraums nur mit vorheriger Zustimmung der zuständigen Behörde zulässig. Der Kündigungsschutz tritt bei einer Elternzeit vor dem dritten Geburtstag des Kindes frühestens acht Wochen vor Beginn in Kraft. Neu ist, dass der Sonderkündigungsschutz bei einer Elternzeit zwischen dem dritten und dem achten Geburtstag des Kindes frühestens 14 Wochen vor Beginn der Elternzeit besteht. Diese Anpassung ist der veränderten Frist für die Inanspruchnahme der Elternzeit im Zeitraum zwischen dem dritten und achten Geburtstag des Kindes geschuldet, die jetzt 13 Wochen beträgt.