Schon George Clooney litt unter dem Leben als vielreisender Geschäftsmann – jedenfalls in der Tragikomödie Up in the Air. Als vielfliegender Interimsmanager Ryan Bingham gibt er sein großes Ziel, die Zehn-Millionen-Frequent-Flyer-Meilen zu erreichen, schließlich auf. Denn das Leben als Geschäftsreisender, der unablässig durch die Welt jettet, ist längst nicht so glamourös, wie es sich viele Angestellte mit geregeltem Arbeitstag vorstellen. Ständiges Reisen lässt die Menschen schneller altern, macht depressiv und einsam und senkt die Lebenserwartung, stellt eine internationale Metastudie von Forschern der britischen University of Surrey in Großbritannien und der schwedischen Linnaeus University fest, über die der Economist berichtet

Die Forscher wollten die "dunkle Seite der Hypermobilität" ergründen und werteten bestehende Untersuchungen über Vielflieger aus, um herauszufinden, welchen Einfluss das Dauerreisen auf das körperliche Wohlbefinden, die Psyche und das Sozialleben haben. Die Ergebnisse waren einigermaßen überraschend.  

Klar ist, dass viele Reisen mit häufigen Wechseln der Zeitzonen zu Jetlags führen. Findet der Körper aber nicht ausreichend Möglichkeit, sich zu erholen und an Zeit- und Klimazonen zu akklimatisieren, beeinflusst das den Biorhythmus enorm. Es kann zu Schlafstörungen, nervöser Unruhe und Überreiztheit kommen. Auch Verdauungsschwierigkeiten, allgemeine Abgespanntheit und Kopfschmerzen kommen häufig vor. Verstärkt werden die Symptome auch durch die veränderte Ernährung, die mit vielen Reisen einhergeht. Generell kommen die Forscher in der Metastudie zum Ergebnis, dass sich Geschäftsreisende mit hohem Meilenstatus deutlich ungesunder ernähren und weniger Sport treiben als die Normalbevölkerung. Was soweit noch nicht ganz überraschend ist.

Doch die Forscher fanden auch heraus, dass Vielflieger schneller altern sowie häufiger einen Schlaganfall oder Herzinfarkt bekommen. Das Risiko einer Thrombose oder Lungenembolie verdoppelt sich bei Vielfliegern und steigt noch einmal mit zunehmendem Alter an.

Nicht zu vernachlässigen ist außerdem die erhöhte Strahlenbelastung für Vielflieger durch kosmische Strahlung. Sie ist besonders hoch, wenn man oft Langstreckenflüge über die Pole macht. Die Grenzwerte werden schon bei mehr als 85.000 Meilen im Jahr überschritten, beispielsweise wenn man sieben Mal im Jahr von New York nach Tokio fliegt. Experten gehen davon aus, dass derart erhöhte Strahlenbelastungen zu Krebserkrankungen führen können. Bei mehr als 1.000 Flugstunden pro Jahr, so ermittelten frühere Studien, würden Vielflieger ähnlich stark belastet wie das Wartungspersonal in Atomkraftwerken.

Problematisch für viele Geschäftsreisende sind auch alltägliche Erkrankungen: Denn selbst wer mit einer leichten Erkältung in den Flieger steigt, setzt sich einem Gesundheitsrisiko aus. Die Nasenschleimhäute schwellen in der Höhe noch stärker an. Der Druckausgleich im Mittelohr ist bei einer Erkältung oft nur eingeschränkt möglich. Steigt das Flugzeug oder sinkt es, leiden viele unter Schmerzen. Mitunter kommt es zu einer Verletzung des Trommelfells.

Hypermobile sind häufiger isoliert

Einen nachteiligen Effekt der vielen Geschäftsreisen auf Psyche und Sozialleben konnten die Forscher bei Managern ebenfalls feststellen. Vielflieger fühlen sich häufiger desorientiert, es fällt ihnen außerdem schwerer, Wurzeln zu schlagen und Freundschaften und Beziehungen dauerhaft an einem Ort zu pflegen. Viele fühlen sich einsam, nicht wenige entwickeln sogar Depressionen. Generell seien Stresswerte bei vielen hypermobilen Menschen erhöht. Das wiederum habe einen negativen Effekt auf die Gesundheit und das Sozial- und Familienleben generell.

Der rastlose Lebensstil beeinflusst auch die Beziehung der mobilen Elite zu ihren eigenen Kindern. Laut Metastudie schaffen es vielfliegende Geschäftsleute nicht, eine enge Bindung zu ihren Kindern zu entwickeln – und verpassen als abwesender Elternteil einen Großteil von deren Kindheit.

Und nicht nur das: Auch die Scheidungsrate bei Geschäftsleuten, die sehr viel beruflich unterwegs sind, ist höher als im Vergleich mit der Durchschnittsbevölkerung. In einer Untersuchung, die in der Studie zitiert wird, fanden die Forscher sogar heraus, dass vielfliegende Geschäftsmänner viel häufiger als andere nicht gleichberechtigte Beziehungen führen: Die Frau kümmert sich um Haushalt und Kindererziehung, er jettet im Auftrag seiner Firma durch die Welt.

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