Ich wurde von der Geschäftsführung beauftragt, die Firmenweihnachtsfeier zu planen und zu organisieren. Ich habe mich dabei an den von meinem Chef geäußerten Kostenrahmen gehalten. Bezahlt habe ich alles mit der Firmenkreditkarte. Jetzt behauptet er, er habe mir eine niedrigere Summe genannt. Muss ich für die zu hohe Summe haften?, fragt Peggy Clausen.

Sehr geehrte Frau Clausen,

hätten Sie grob fahrlässig oder die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer Acht gelassen (mittlere Fahrlässigkeit) oder sogar vorsätzlich gehandelt, stünde eine Haftung Ihnen gegenüber im Raum. Grob fahrlässig würde in diesem Fall zum Beispiel bedeuten, Sie hätten den Kostenrahmen überhaupt nicht im Blick gehabt und hätten somit Sachen wahllos eingekauft. Der Kostenrahmen wäre Ihnen also egal gewesen. Da es sich hier um ein Missverständnis handelt, müssen Sie sich keine Sorgen machen, denn in solchen Fällen haften Mitarbeiter gerade nicht.

Nach einer Grundsatzentscheidung des Großen Senats des Bundesarbeitsgerichts haftet ein Mitarbeiter im Verhältnis zum Arbeitgeber dann nicht uneingeschränkt, wenn der Schaden auf einer betrieblichen Tätigkeit beruht. Das ist in Ihrem Fall gegeben, weil der Schaden aus einer Tätigkeit herrührt, die Ihnen arbeitsvertraglich übertragen wurde oder der Einkauf zumindest im betrieblichen Interesse gelegen hat.

Bei leichtester Fahrlässigkeit tritt für den Schaden keine Haftung ein. Leichteste Fahrlässigkeit liegt vor, wenn der Schaden auf einem für die Tätigkeit typischen Versehen beruht, was bei Ihnen wohl zu bejahen sein dürfte. Ist die Verantwortlichkeit des Arbeitnehmers dem Bereich der mittleren Fahrlässigkeit zuzuordnen, findet unter Abwägung aller Umstände eine Schadensteilung statt.

Bei grober Fahrlässigkeit haftet der Arbeitnehmer regelmäßig im vollen Umfang. Haften müssen Mitarbeiter, wenn sie ihren Arbeitgeber während der Arbeit bewusst schädigen. Das Bundesarbeitsgericht schränkt die Arbeitnehmerhaftung also für alle Tätigkeiten, die durch den Arbeitgeber veranlasst sind, ein.

Ein Beispiel verdeutlicht das: Die Mitarbeiterin einer Hausverwaltung fertigte aus Versehen mehrere Hundert fehlerhafte Mieterhöhungserklärungen an. Die Folge: Die betroffenen Mieter mussten die höhere Miete nicht zahlen, denn die Erklärungen waren nach dem Mietrecht unwirksam. Für die Hausverwaltung beziehungsweise die Eigentümer entstand ein beträchtlicher Schaden. Haften musste die Mitarbeiterin jedoch nicht, denn sie handelte weder grob fahrlässig noch mit mittlerer Fahrlässigkeit. Erst recht handelte sie nicht vorsätzlich.