In Unternehmen macht ein neues Wort die Runde: Es heißt "Feel-Good-Management" und beschreibt all das, was Chefs heute tun, um angesichts schrumpfender Arbeitnehmerkohorten junge Mitarbeiter zu finden und an sich zu binden. Wir berichteten über die Anstrengungen der Arbeitgeber von den 30 (veganen und nicht veganen) Kantinen in der amerikanischen Google-Zentrale, bis zu den Körnersnacks und Kickertischen, mit denen deutsche Start-ups versuchen, die auf Work-Life-Balance achtende Generation Y mit langen Bürotagen zu versöhnen.

Und wir fragten unsere Leser nach ihrer Meinung dazu. Die Antworten waren vielfältig – und überwiegend kritisch. Aber es gab auch positive Stimmen: "Ich bin zertifizierte Feel-Good-Managerin und interpretiere Feel-Good-Management anders", verteidigte etwa Leserin "Carmen Fries" ihre Profession. Sie meint, der Vorgesetzte sei nicht immer der Böse, "der eine gute Arbeitskultur nur fördert, um noch mehr aus seinen Angestellten herauszupressen".

Die Mehrheit unserer Leser hat allerdings eine andere Meinung. So vergleicht ein Nutzer mit dem bezeichnenden Pseudonym "und alle so YEAH" die Spezies der Feel-Good-Manager mit den Pool-Animateuren, die er aus dem Billigurlaub kennt, und gesteht: "Ich hasse diese Typen!" Auch ein weiterer User namens "Zahlen und Zeit" sieht das Phänomen kritisch: Wenn ein "Gute-Laune-Manager" eingestellt werde, sei es Zeit, als Arbeitnehmer die Flucht zu ergreifen, schreibt er: "Gute Laune ist Gesinnungsdiktatur und es schwächt das Unternehmen."

Ein weiterer User namens "Sterling_Archer" hält dagegen, dass "Kicker und andere kleine Bespaßungen nunmal deutlich günstiger" für den Arbeitgeber seien "als ordentliche  Bezahlung". Und ein Leser namens "Photonensurfer", der nach eigenen Angaben selbst in einem Unternehmen mit einem Feel-Good-Manager gearbeitet hat, meint, dass diese von Arbeitgebern gerne eingesetzt würden, um die Gründung eines Betriebsrates zu vermeiden. "Wäre mal interessant zu wissen, wie hoch der Prozentsatz ohne Betriebsrat bei Unternehmen mit solch einem Manager ist. Meine These: über 60 Prozent."

Swimmingpool und Freibier – und Kündigungen

In diesem Zusammenhang weist ein Leser auch auf die jüngsten Entwicklungen beim Hamburger Unternehmen Goodgame hin – einem der Beispiele aus der ZEIT-ONLINE-Geschichte über Feel-Good-Management. Der dynamisch wachsende Spieleentwickler, der heute gut 1.200 Beschäftigte zählt und nach eigenen Angaben Deutschlands führender Spieleentwickler ist, verwöhnt seine Mitarbeiter mit firmeneigenem Swimmingpool und Freibier. Das Unternehmen überraschte im Dezember mit der Kündigung von 28 Mitarbeitern. Einen Zusammenhang mit deren Bestrebungen, einen Betriebsrat zu gründen, will das Unternehmen zwar keinesfalls hergestellt wissen: "Für jede Kündigung gibt es zwingende Gründe, wie zum Beispiel den Abbau von Überkapazitäten, Fehlverhalten oder Leistungsdefizite", heißt es.

Doch bei der Gewerkschaft ver.di sieht man das anders: "Ich kam zur Vorbereitung der Betriebsratswahlen zu Goodgame und sah die Beschäftigten vor der Tür stehen: Alle 28 hatten an diesem Tag gleichzeitig von ihrer Kündigung erfahren", berichtet Gewerkschaftssekretärin Gabriele Weinrich-Borg, die sich bei ver.di in Hamburg um die Informationstechnologiebranche kümmert. "Ich bin entsetzt darüber, wie das Unternehmen mit dem Thema Betriebsrat umgeht." Die betroffenen Spieletester, Texter und Designer haben inzwischen Kündigungsschutzklage eingelegt.

Am Dienstag dieser Woche fand bei Goodgames trotzdem die erste Betriebsversammlung in der sechsjährigen Geschichte des Unternehmens statt. Doch als dabei ein Wahlausschuss berufen werden sollte – gemeinhin der Startschuss für die Betriebsratswahl – verfehlte dieser die Mehrheit. Nach Informationen des NDR hatte es bei Goodgame im Vorfeld "Wahlempfehlungen" gegeben, die zum Boykott aufriefen: "Please do attend the Betriebsversammlung and do not vote" ("Bitte besuchen Sie die Betriebsversammlung – und wählen Sie nicht.") Das Unternehmen bestreitet das. Diese Empfehlung hätten nicht die Manager, sondern Mitarbeiter gegeben, sagt Unternehmenssprecher Dirk Hensen.

Diese Mitarbeiter hätten auch ein alternatives, für das Unternehmen "maßgeschneidertes" Modell der Mitarbeitervertretung entwickelt, so der Unternehmenssprecher weiter. Dieses wolle Goodgame nun ersatzweise einführen. Dass eine Mitarbeitervertretung die Belange der Beschäftigten jedoch mit allen rechtlichen Möglichkeiten vertreten kann, darf bezweifelt werden. Gewerkschafterin Weinrich-Borg dazu: "Nur ein Betriebsrat hat echte Mitbestimmung, die gesetzlich garantiert ist."