Bis zu vier Erkältungskrankheiten im Jahr sind bei gesunden Erwachsenen ganz normal. Selbst wenn die Erkrankung an sich nicht besorgniserregend ist, die Symptome wie Hals- und Kopfschmerzen, Schnupfen, Husten und Fieber nach einigen Tagen wieder abklingen – für Arbeitgeber ist sie ärgerlich: Im Schnitt verursachen Erkältungen oder grippale Infekte pro Arbeitnehmer und Jahr fünf bis zehn Fehltage.

Lange nicht jeder Arbeitnehmer bleibt deshalb zu Hause. Präsentismus heißt das Phänomen, wenn Beschäftigte sich trotz Krankheit zur Arbeit schleppen – auch wenn sie gar nicht leistungsfähig und sehr ansteckend sind.

Ihre Viren übertragen sie außer über direkten Kontakt und Tröpfcheninfektion vor allem durch indirekten Kontakt. Besonders wer einen Job mit sehr viel Kundenkontakt hat, etwa im Verkauf, oder in einem Großraumbüro mit vielen anderen Menschen arbeitet, kann sich leichter anstecken. Weil die meisten Menschen in die Hand niesen oder husten, verbreiten sie ihre Keime weiter, sobald sie etwas anfassen. Die Viren sitzen dann an Türklinken, Wasserhähnen, der Kaffeemaschine in der Teeküche, an Fahrstuhlknöpfen. Manche sind wochenlang ansteckend, gerade wenn es kalt ist. Das gefährliche Influenzavirus bleibt sogar mehrere Monate infektiös. So kann man sich ausgerechnet über den Außentürgriff leicht mit einem echten Grippevirus anstecken. 

Trockene Heizungsluft schadet

Im Winter werden die Räume weniger gelüftet. Je mehr Erkrankte in einem Raum sind, desto höher ist am Ende die Virenbelastung und die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken.

Außerdem ist im Winter die Luft trockener als in den warmen Jahreszeiten, und die Heizung in den Innenräumen trocknet sie noch zusätzlich aus – das führt dazu, dass die Nasenschleimhäute ebenfalls trocken werden und man so anfälliger ist für eine Infektion.

Und so kann gerade in einem Großraumbüro aus einem erkälteten Mitarbeiter schnell ein hoher Krankenstand werden. Viele Beschäftigte meinen es noch gut, wenn sie trotz Krankheit bei der Arbeit erscheinen. Sie wollen nicht, dass die Kollegen ihre Arbeit übernehmen müssen, weil sie wegen einer einfachen Erkältungskrankheit einen oder mehrere Tage zu Hause sind.

Doch das ist weder im Interesse des Arbeitgebers noch in dem der Kollegen: Studien zeigen, dass die Kosten für Präsentismus die Kosten durch krankgemeldete Mitarbeiter um das Zehnfache übersteigen. Einer US-Studie zufolge, die im Journal of Occupational and Environmental Medicine erschienen ist, hat allein die US-Wirtschaft einen Produktivitätsverlust durch Präsentismus von 160 Milliarden Dollar pro Jahr.

Gemeinschaftsarbeitsplätze desinfizieren

Wie schützt man sich am besten? Hygiene ist sehr wichtig. Unternehmen tun gut daran, in den Gemeinschaftsräumen, auf den Toiletten und in der Küche Spender mit Handdesinfektion aufzustellen. Außerdem sollte man sorgfältig und mehrmals am Tag die Hände waschen. Es ist sogar sinnvoll, den direkten Kontakt mit dem Türgriff oder dem Wasserhahn tatsächlich zu vermeiden und diese lieber mit einem Papiertuch anzufassen.

Wer bereits krank ist, sollte nicht in die Hände niesen oder husten, sondern idealerweise in ein Taschentuch und nur im Notfall den Ellenbogen benutzen. Ansteckungen verhindert man außerdem, wenn man an gemeinschaftlich genutzten Arbeitsplätzen streng auf Hygiene achtet: Die Tastatur, die Maus, den Bildschirm, den Tisch und den Telefonhörer sollte man daher nach jeder Benutzung am Ende des Arbeitstags mit einem desinfizierenden Reinigungsmittel säubern.

Am wirkungsvollsten ist es allerdings, neben der jährlichen Grippeimpfung lieber einen oder mehrere Krankheitstage in Kauf zu nehmen. Wer sich um seinen Arbeitsplatz sorgt, lässt sich schon am ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vom Arzt ausstellen. Eine Kündigung wäre in diesem Fall unwirksam.