Die Ausschreitungen in Köln in der Silvesternacht führten auch zu einer Diskussion darüber, was Frauen tun können, um sich künftig in vergleichbaren Situationen besser vor aufdringlichen Männern zu schützen. Unter anderen empfahl die Oberbürgermeisterin von Köln Henriette Reker, eine Armlänge Abstand zu Männern zu halten.

Auch wenn dieser etwas weltfremd anmutende Tipp sicher nur sehr eingeschränkt funktionieren wird, so lässt sich tatsächlich mit Körpersprache einiges tun, um aus gefährlichen Situationen unbeschadet herauszukommen. So gut wie jede Frau hat Umfragen zufolge schon Erfahrungen mit sexueller Belästigung und übergriffigen Verhalten gemacht. Und viele Frauen kennen aus eigener Erfahrung Situationen, in denen sie sich von einem Mann verfolgt fühlten und diesen wieder loswerden wollten.

Wie sich Täter verhalten

Täter verhalten sich ähnlich wie ein Raubtier auf der Beutejagd. Dieses schleicht sich meist von hinten an sein Opfer an und versucht, es in einem schwachen Moment zu überfallen. So passieren oft auch sexuelle Übergriffe. In der Regel schätzen Täter vorher aber ab, ob das Opfer gefährlich werden könnte. Oft beobachten Täter ihr Opfer zunächst oder fällen ihre Entscheidung auf einer völlig unbewussten Ebene, in dem sie die Körpersprache einschätzen. Studien haben gezeigt, dass bei sehr vielen Vergewaltigungen im Vorfeld relativ harmlos wirkende Annährungsversuche des späteren Täters stattfanden. Frauen, die den Mann bereits beim ersten Kontakt abschrecken konnten, kamen in der Regel unbeschadet davon, während Frauen, die schon bei einem anfänglichen Testlauf des Täters einknickten, später kaum noch eine Chance hatten, diesem zu entgehen. Kurzum: Wirkt das potenzielle Opfer stark und souverän, suchen sich viele Täter ein anderes, leichteres Opfer. Genau dieses Wissen können Frauen nutzen, um sich besser zu schützen.

Tipps zur Selbstverteidigung

  • Wer sich von einem Mann bedrängt oder verfolgt fühlt, sollte zunächst versuchen, aus der Situation zu entkommen. Vielleicht ist es möglich, auf einen belebten Platz flüchten oder andere Leute ansprechen. Hier sollte man keinesfalls Hemmungen haben, andere Menschen anzusprechen, denn die Situation ist ja potenziell wirklich gefährlich. Frauen tun gut daran, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen – und dem mulmigen Gefühl nachzugeben.
  • Die Flucht sollte jedoch nicht wie eine Flucht aussehen. Ganz im Gegenteil sollte man stets souverän und selbstbewusst wirken, mit betont festen Schritten weiterlaufen, die Schritte etwas verlängern und dabei fest auftreten, vor allem mit den Hacken, so dass der Schritt laut und selbstbewusst klingt. Das zeigt Standfestigkeit.
  • Es ist auch hilfreich, in die Offensive gehen. Am besten ist es, sich umzudrehen, auf den Täter zuzugehen, sich vor ihm aufbauen und ihm fest in die Augen zu schauen. Sinnvoll ist auch, den Mann mit lauter Stimme anzusprechen. Selbstverteidigungstrainer raten zu Sätzen wie "Verschwinde, oder es gibt Ärger!" Dabei sollten man sich aufrichten, tief einatmen und vielleicht die Arme in die Seiten stemmen. Der Stand sollte breitbeiniger sein als normal, der Kopf gerade, der Blick fest. Diese körpersprachlichen Zeichen bedeuten Dominanz (ich mache mich größer als ich bin), der breitbeinige Stand signalisiert zudem einen großen Raumanspruch und ist ein Zeichen für Selbstbewusstsein. Mit einer solchen Frau wollen sich die meisten Männer wirklich nicht anlegen. Studien zeigen, dass Frauen mit einem solchen dominanten Verhalten gut 80 Prozent aller potenziellen Angriffe abwehren können.

Natürlich wird eine sehr ängstliche Frau nicht plötzlich auf Gegenaggression umschalten können. Doch jemand, der einiges an Selbstvertrauen mitbringt, kann sich durchaus dominant und aggressiv verhalten, wenn es sein muss. Es ist dabei sehr hilfreich, wenn man eine solche Situation in einem Rollenspiel zum Beispiel mit Freunden durchspielt. Das gibt Sicherheit und man kann sich dabei für den Fall der Fälle einen festen Ablauf "einprogrammieren", der im Ernstfall automatisch abläuft. Auch in einem Selbstverteidigungskurs werden solche Situationen eingeübt.

Sich wehren ist besser als gleich aufzugeben

Aber was hilft bei sexueller Belästigung im Bekanntenkreis, unter Kollegen oder auf einer Feier bei Freunden? Tatsächlich testen Täter auch in diesen Kontexten ihre Opfer vorher meist aus, selbst wenn sie diese vorher schon kennen. 

Wichtig ist, dass man schon bei der ersten unerwünschten Anmache reagiert und deutlich und unmissverständlich die Grenzen aufzeigt. Die beste Lösung ist, laut und deutlich "Lass mich in Ruhe" oder etwas Ähnliches zu sagen. Auch dabei sollte man darauf achten, mit einer dominanten Körpersprache aufzutreten. Dazu gehört, sich groß zu machen und viel Platz für sich zu beanspruchen. Wenn man die Arme in die Hüfte stemmen, sollte der Daumen nach hinten und die übrigen Finger nach vorne zeigen. Das macht einen Menschen  größer und stabiler. Die Füße zeigen dabei parallel nach vorne, das Kinn kann etwas angehoben werden.

Zudem ist ein fester Blick ist wichtig, der den Täter fixiert. Wer in einer solch kritischen Situation ausweicht, hat bereits einen wichtigen Punkt verloren. Auch ein Zögern in der Reaktion ermuntert den Täter.

Wichtig ist, dass man auch wirklich handelt. Vielfach scheut sich eine Frau davor, einem Mann deutlich die Meinung zu sagen oder eine Anmache früh und resolut abzuwehren. Sie hat Angst davor, gegen ihre gute Erziehung zu verstoßen, den Mann vielleicht zu verletzen oder Aufmerksamkeit bei anderen Menschen zu erregen. Dieses "was könnten denn die anderen denken" hemmt uns viel häufiger, notwendige Dinge zu tun, als uns das bewusst und lieb ist.

Und hilft Selbstverteidigung auch, wenn man es mit einer enthemmten, alkoholisierten Gruppe zu tun hat? Ja. Wer Angst zeigt, verliert auf jeden Fall. Wer sich hingegen wehrt, hat zumindest eine Chance, ungeschoren davonzukommen – und man verarbeitet eine solche Situation hinterher besser.

Angst - "Das ist eigentlich vielmehr für den Kopf" Beunruhigt von den Ereignissen in Köln in der Neujahrsnacht hat sich die Studentin Sandra einen Elektroschocker gekauft. Dabei zweifelt sie selber am Nutzwert der Waffe. Elektroimpulsgeräte können in Deutschland ohne Waffenschein erworben werden, sofern sie das Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt tragen.