Auszubildende an einer Werkbank in Sindelfingen: Die meisten jungen Beschäftigten bis 34 Jahre gehen davon aus, dass sie im Alter arm sein werden. © Daniel Bockwoldt/dpa

Reicht die Rente im Alter zum Leben? Wahrscheinlich nicht. Fast drei Viertel aller 18- bis 34-Jährigen sind davon überzeugt, dass sie im Alter nicht von ihrer gesetzlichen Renten leben können. Trotzdem vertrauen sie in das System und wären sogar bereit, höhere Beiträge zu leisten. Das stellt eine Studie des Meinungsforschungsinstituts TNS im Auftrag der IG Metall fest. Die Gewerkschaft hatte über 1.000 junge Menschen im Alter zwischen 14 und 34 Jahren befragt und weitere über 1.000 Beschäftigte ab 18 Jahren zu ihrer Einstellung zur gesetzlichen Rente befragen lassen. Zum Vergleich: Generell gehen fast zwei Drittel aller Erwerbstätigen davon aus, dass sie im Alter arm sein werden, wenn sie nur die gesetzliche Rente erhalten.

Schaut man nur die Gruppe der Berufsanfänger an, so ist die Skepsis trotzdem nicht so groß, wie man meinen möchte: Zwar haben nur 40 Prozent der Berufseinsteiger ein starkes Vertrauen in das staatliche Rentensystem, trotzdem würden nur die wenigsten es ganz abschaffen wollen. Denn ohne dieses System glauben viele Berufsanfänger nicht, dass sie es überhaupt schaffen würden, fürs Alter vorzusorgen. Frei nach dem Motto: Besser als nichts.

Erstaunlich ist auch, dass die junge Generation, obwohl sie viel stärker von unsicherer Beschäftigung und fehlenden tariflichen Arbeitsbedingungen betroffen ist, viel eher dazu bereit ist, mehr in die gesetzliche Rente einzuzahlen als die Älteren. 72 Prozent der bis 34-Jährigen können sich das vorstellen – wenn sie dafür die Garantie hätten, dass sie im Alter auch eine auskömmliche Rente bekämen. Bei den älteren Erwerbstätigen wäre zwar auch jeder Zweite bereit, mehr einzuzahlen, aber immerhin ein Drittel lehnt diesen Vorschlag komplett ab.

Die Bereitschaft der Jüngeren zu höheren Rentenbeiträgen ist erstaunlich. Denn 40 Prozent von ihnen haben schon einmal eine Arbeitslosigkeit von sechs Monaten oder länger erlebt. Betroffen waren nicht nur Arbeiter und Ungelernte, sondern auch Akademiker, die nach ihrem Hochschulabschluss keinen sozialversicherungspflichtigen Job gefunden haben. Fast jeder Dritte in dieser Altersgruppe hat schon einmal als Leiharbeiter gearbeitet oder bisher nur befristete Arbeitsverträge gehabt. Und viele in der Befragung haben einen Bruttomonatslohn, der nur wenig über dem Mindestlohn liegt.

Das alles hat Folgen für die Rente. Einerseits werden bei der jungen Generation die Ausbildungszeiten nicht mehr berücksichtigt. Weil aber viele Branchen und Berufsbilder eine Akademisierung erlebt haben, sind auch die Ausbildungszeiten länger geworden. Auch Bologna hat daran seinen Anteil: Weil viele Hochschulabsolventen mit dem Bachelorabschluss keinen Job finden und vor allem Masterabschlüsse gefragt sind, haben sich die Ausbildungszeiten auch bei den Akademikern eher noch einmal verlängert als verkürzt.

Die Folge: Viele treten erst mit Ende 20 oder Anfang 30 in eine reguläre Beschäftigung ein. Dann hangeln sie sich in den ersten Jahren von einem befristeten Vertrag zum nächsten. So wird es unmöglich, 45 volle Beitragsjahre zu erreichen. Wer im Laufe des Erwerbslebens dann wegen der schlechten Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder fehlender Jobsicherheit Teilzeit arbeitet, Unterbrechungen hat, dem fehlen hinterher abermals wichtige Beitragsjahre. Dazu kommen Gehälter, die besonders beim Einstieg niedrig sind. Weil in immer mehr Branchen und Berufen die Tarifbindung abnimmt, fallen die Löhne deutlich niedriger aus. Entsprechend niedrig sind die Beiträge zur Rente. Alles das hat Auswirkungen auf die Rentenhöhe im Alter.

Riestern, bis es nicht mehr geht

Und wie steht es bei der jungen Generation mit der privaten Vorsorge? Die Antwort lautet: Es geht so. Zwar sorgen viele junge Beschäftigte privat vor, aber die staatlich geförderte Zusatzversorgung ("Riesterrente") haben nur eine geringe Rentabilität. Jeder Fünfte hat seinen Vertrag zudem auf "ruhend" gestellt. Bei den Jüngeren ist einer der häufigsten Gründe, dass das Einkommen mit der Familiengründung nicht mehr ausreicht, um auch noch den privaten Rentenvertrag bedienen zu können. Also wird die Riesterrente ruhend gestellt oder auf den Mindestbeitrag zurückgestellt. Es sind vor allem die Frauen, die ihre private Vorsorge auf diesem niedrigen Niveau fortführen – und im Alter entsprechend doppelte Einbußen haben: durch Familienauszeiten und Teilzeitarbeit eine ohnehin schon geringere gesetzliche Rente und nur ein schmales Zubrot aus der privaten Zusatzversicherung.

Generell kann nur ein kleiner Anteil der jüngeren Erwerbstätigen, die riestern, überhaupt so viel einzahlen, dass sie die volle staatliche Zulage erhalten. Aber selbst, wer die insgesamt vorgesehenen vier Prozent seines rentenversicherungspflichtigen Einkommens in die Riesterrente einzahlt und die volle Zulage erhält, muss gute zehn Prozent Kostenbelastung für seinen Vertrag in Kauf nehmen – am Ende kommt eine private Zusatzrente dabei heraus, die nicht reicht, das sinkende Leistungsniveau der gesetzlichen Rente zu kompensieren. Kein Wunder also, dass die meisten jüngeren Beschäftigten davon ausgehen, im Alter abermals weniger zu haben als heute schon.

Was ist also die Lösung? Die IG Metall hat auch abfragen lassen, welche Ideen die jüngeren Befragten zur Weiterentwicklung des Rentensystems hätten. Besonders der Vorschlag, auch Beamte und Selbständige in das staatliche Rentensystem einzubeziehen und dieses in eine generelle Erwerbstätigenversicherung umzubauen, findet bei den Berufsanfängern Anklang: 79 Prozent der bis zu 34-Jährigen sprechen sich dafür aus. Noch besser wären allerdings höhere Einkommen und durchgängige Beschäftigungssicherheit sowie die Anerkennung der Berufsausbildungszeiten.