Welche Rechte hat sie? Eine Schwangere am Arbeitsplatz (Archivbild) © Daniel Berehulak/Getty Images

Muss der Arbeitsplatz für schwangere Mitarbeiterinnen eine besondere Ausstattung aufweisen bzw. gewisse Richtlinien erfüllen?, fragt Barbara Polzer.

Sehr geehrte Frau Polzer,

schwangere Mitarbeiterinnen werden vom Mutterschutzgesetz (MuSchG) geschützt, wobei der Schutz bezogen auf Gefahrstoffe auch noch durch die Mutterschutzverordnung ergänzt wird. Um beide Regelwerke erfüllen zu können, müssen Arbeitgeber über die Schwangerschaft Bescheid wissen. Das heißt, Mitarbeiterinnen tun gut daran, so früh wie möglich ihren Arbeitgeber über ihre Schwangerschaft zu informieren. Der Arbeitgeber wiederum muss unverzüglich die Aufsichtsbehörde über die Schwangerschaft informieren (§ 5 Absatz 1 MuSchG).

Um die schwangere Mitarbeiterin und ihr ungeborenes Kind so gut wie möglich schützen zu können, müssen Arbeitgeber den Arbeitsplatz dem MuSchG zufolge sicher gestalten. Wie das konkret auszusehen hat, sagt das Gesetz allerdings nicht.

Deshalb sollten Arbeitgeber auf Nummer sicher gehen: Stehen Mitarbeiter an ihren Arbeitsplätzen viel, sollten Arbeitgeber schwangeren Arbeitnehmerinnen eine Sitzgelegenheit zum regelmäßigen Ausruhen einrichten. Findet die Tätigkeit ausschließlich im Sitzen statt, sollte schwangeren Mitarbeiterinnen genügend Raum zum regelmäßigen Bewegen eingeräumt werden. Der Arbeitsplatz und die Tätigkeit der Schwangeren sind also mit deren besonderen Bedürfnissen in Einklang zu bringen.

Richten Arbeitgeber ihren schwangeren Mitarbeiterinnen den Arbeitsplatz nicht entsprechend ein, besteht also für Mutter und Kind eine gesundheitliche Gefahr, darf der behandelnde Arzt der Mitarbeiterin ein individuelles Beschäftigungsverbot aussprechen – und zwar so lange, bis der Arbeitsplatz entsprechend eingerichtet ist. Der Umfang des Beschäftigungsverbots ergibt sich aus dem ärztlichen Attest.

Während dieser "Auszeit" erhalten betroffene Mitarbeiterinnen ihr Gehalt selbstverständlich weiter, Arbeitgeber haben einen Erstattungsanspruch gegen die Krankenkasse nach den Regelungen des Aufwendungsausgleichsgesetzes. Kann ein Arbeitgeber den bisherigen Arbeitsplatz nicht umgestalten, darf er die Mitarbeiterin im Rahmen des Arbeitsvertrages versetzen.

Wer schwangere und stillende Mitarbeiterinnen beschäftigt, muss folgende gesetzliche Beschäftigungsverbote beachten: Diese Arbeitnehmerinnen dürfen weder körperlich schwere Tätigkeiten ausüben noch Tätigkeiten erledigen, bei denen sie gesundheitsgefährdenden Stoffen oder Strahlen ausgesetzt sind. Dazu gehören Gase, Dämpfe und Staub, Kälte, Nässe, Hitze sowie Lärm und Erschütterungen.

Eine Arbeit, für die man sich stark beugen oder strecken muss, viel bücken oder beugen, ist für Schwangere und stillende Mütter ebenfalls tabu. Dass Tätigkeiten mit einer hohen Unfallgefahr wie dem Fallen, Ausrutschen oder Stürzen verboten sind, versteht sich von selbst. Ebenso Arbeiten, bei denen generell Berufskrankheiten drohen können.

Beinhaltet eine Tätigkeit täglich mehr als vier Stunden das ständige Stehen, ist sie für Mitarbeiterinnen, die den fünften Schwangerschaftsmonat beendet haben, gar nicht mehr erlaubt. Und die Arbeit an Sonn- und Feiertagen ist auch in den meisten Fällen verboten. Welche Ausnahmen es gibt, regelt der § 8 Abs. 4 MuSchG.

Ihr Ulf Weigelt