Kind da, Job weg: Viele Frauen machen die Erfahrung, dass ihr Arbeitgeber sie loswerden möchte, sobald sie Mutter geworden sind. © Julian Stratenschulte/dpa

Familie und Berufstätigkeit in Einklang zu bringen, fällt den meisten Eltern noch immer schwer. Es sind vor allem die Frauen, an denen der Großteil der Kinderbetreuung und der Hausarbeit hängen bleibt. Dazu kommen hohe Kitagebühren und unflexible Kitaöffnungszeiten: Den meisten Müttern von kleinen Kindern gelingt es nicht, weiterhin in Vollzeit arbeiten zu gehen. Eltern in Teilzeit, das heißt in Deutschland nach wie vor: Mütter in Teilzeit.

Das belegen auch die Daten des Statistischen Bundesamtes. Von den erwerbstätigen Vätern mit minderjährigen Kindern waren 2012 rund 94 Prozent in Vollzeit beschäftigt – und nur sechs Prozent in Teilzeit. Bei den Müttern arbeitet die Mehrheit in Teilzeit. Nur 31 Prozent der Frauen mit minderjährigen Kindern gingen 2012 einer Vollzeitbeschäftigung nach. Die Begründungen, warum eine Teilzeitbeschäftigung in der Hauptbeschäftigung ausgeübt wird, unterscheiden sich nach Angaben des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung in Deutschland für Frauen und Männer grundlegend: Mit familiären Verpflichtungen (z.B. Betreuung von Kindern oder Pflege von Angehörigen) begründet jede zweite Frau ihre Teilzeitarbeit, aber nicht einmal jeder zehnte Mann. 

Die Teilzeitbeschäftigung wirkt sich langfristig auf die Rente aus. Ein halbes Gehalt bedeutet geringere Einzahlungen und damit natürlich auch geringere Rentenansprüche aus der gesetzlichen Rentenversicherung. Dass Frauen – bedingt durch die Familienplanung – in ihrem Job aussetzen und dass sie häufiger Mini- oder Teilzeitjobs ausüben, ist ein Grund für die weibliche Altersarmut. Problematisch ist zudem, dass es nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetz zwar einen Rechtsanspruch auf Verkürzung der Arbeitszeit aus familiären Gründen gibt, aber keinen Anspruch auf Wiederaufstockung auf Vollzeit(-nahe) Beschäftigung. "Was in der Praxis, wenn es keinen Tarifvertrag mit guten Regeln gibt, bedeutet, dass viele Frauen für immer in der Teilzeitfalle feststecken", sagt Karin Schwendler, Bereichsleiterin für Frauen- und Gleichstellungspolitik im Bundesvorstand der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.

Und die reduzierte Arbeitszeit bringt häufig noch mehr Probleme mit sich: Teilzeitarbeit bedeutet gerade für Frauen immer noch sehr oft das Karriereende. Denn gezielte Karriereentwicklung für Teilzeitbeschäftigte ist längst nicht in allen Unternehmen Standard und immer noch bekommen gerade Mütter in Teilzeit seltener eine Weiterbildung als kinderlose Vollzeitkräfte. Und so machen viele Mütter die Erfahrung, dass sie mit Mitteilung einer Schwangerschaft an den Arbeitgeber aufs innerbetriebliche Abstellgleis gestellt werden – bis sie von sich aus entnervt die Kündigung einreichen.

Eine Garantie, auf den vor der Babypause angestammten Arbeitsplatz zurückkehren zu können, gibt es ohnehin nicht. Auch dann nicht, wenn der Wunsch auf Teilzeit schriftlich und fristgerecht angemeldet wird. Wie kann das sein? Zwar sind Unternehmen, die mehr als 15 Arbeitnehmer beschäftigen, dazu verpflichtet, Teilzeit einzuräumen. Doch das kostet und erfordert Flexibilität an einer Stelle, an der manche Unternehmen sich keinen Profit versprechen. Ist eine belastbare Vollzeitkraft erwünscht, erscheint es solchen Unternehmen effizienter, die Mitarbeiterin loszuwerden und lieber einen neuen Mitarbeiter in Vollzeit einzustellen. Daher erweisen sich Chefs häufig als sehr erfindungsreich, wenn es darum geht, die reduzierte Arbeitszeit madig zu machen. "Den Frauen wird gedroht, dass sie einen anderen Arbeitsplatz oder eine schlechtere Eingruppierung in Kauf nehmen müssen. Zum Teil wird sogar behauptet, eine Arbeitszeitreduzierung sei schlichtweg nicht möglich", sagt die Gewerkschaftlerin Karin Schwendler. Nicht selten führe das Verhalten der Arbeitgeber dazu, dass viele Mütter einer schlechteren Bezahlung zustimmten, sich beurlauben ließen oder kündigten. 

Die Mobbingstrategien der Arbeitgeber

Um Müttern das Arbeitsleben schwer zu machen, bedarf es wenig: Unter anderem bieten Arbeitgeber ihren Mitarbeiterinnen Jobs an, die nicht ihrer eigentlichen Qualifikation entsprechen oder solche, die zwar formal gleichwertig sind, aber vom Aufgabenfeld her wesentlich unattraktiver. Da werden Arbeitszeiten offeriert, die sich nicht mit der Kinderbetreuung vereinbaren lassen. Meetings, die vor der Babypause gleich nach der Kaffeepause um 10.30 stattfanden, werden plötzlich auf 8 Uhr verlegt. Kaum zu schaffen für jemanden, der sein Kind noch in Ruhe zur Kita oder zur Tagesmutter bringen möchte. Beliebt ist auch, Frauen in Teilzeit nach der Babypause von wichtigen Kommunikationsprozessen auszuschließen, ihnen nur noch belanglose Tätigkeiten zuzumuten, sie nicht mehr ernst zu nehmen. Verstärkt werden diese Prozesse durch ein entsprechendes Betriebsklima, in dem vor allem diejenigen vorankommen, die Präsenz zeigen und die Arbeit über alles andere stellen. Gerade in Unternehmen, die einen starken Wert auf lange Präsenzzeiten legen, wird Frauen unterstellt, dass sie ohnehin bald wieder schwanger würden. Für ver.di liegt es auf der Hand, warum die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland immer noch ein Lippenbekenntnis ist: "In Deutschland herrscht in den meisten Unternehmen immer noch das Motto: 'Wer am längsten anwesend ist, hat am meisten geleistet'." Diese Präsenzkultur, die nicht wirklich etwas über die Leistung und Qualität der Arbeit aussage, mache es Müttern besonders schwer, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Und so erscheint manchen Arbeitgebern ein Aufhebungsvertrag daher ein passendes Willkommensangebot für Mütter nach der Babypause zu sein, wie folgende Beispiele belegen: