Exzellente Wissenschaft braucht kluge Köpfe und langfristige Perspektiven. Doch an diesen langfristigen Perspektiven mangelt es. Der Großteil der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an deutschen Hochschulen hat einen befristeten Vertrag, oft mit einer Dauer von nicht einmal einem Jahr. Doch es ginge anders: Wir schlagen die Einführung einer Bundesprofessur vor. Eine solche Professur knüpft an bisherige Förderformate für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler an. Die Förderung richtet sich an Personen, die sich bereits im Rahmen einer Juniorprofessur, durch eine Habilitation oder habilitationsäquivalente Leistungen ausgezeichnet haben.


Wer eine Bundesprofessur erhält, kann unbefristet seine selbständige Forschung und Lehre an der Universität seiner Wahl durchführen. Eine Bundesprofessur ermöglicht Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftlern zudem auch die Vereinbarkeit von Familie und Wissenschaft – und verbindet, im Gegensatz zu anderen Förderformaten, die Förderung exzellenter Forschung mit der Förderung exzellenter Lehre. Zudem wird durch die Schaffung solcher Professuren das Betreuungsverhältnis für Studierende verbessert und die Lehr- und Prüfungsbelastung gesenkt, weil sie auf mehr Schultern verteilt wird. Dadurch kann auch das Ungleichgewicht zwischen einem personenstarken Mittelbau und einer vergleichsweise kleinen Professorenschaft gemindert werden.

Das vorgeschlagene Förderformat kann einen wichtigen Beitrag zur Profilbildung einer Universität leisten. Kleinen und großen Universitäten mit unterschiedlichen Fächerverteilungen werden gleiche Chancen eingeräumt, Bundesprofessorinnen und -professoren gezielt zur Stärkung einzelner Fachrichtungen für sich zu gewinnen.

Wie sieht der Vorschlag konkret aus?

Wir sehen die Bundesprofessur als einen Einstieg in eine unbefristete wissenschaftliche Karriere in Form einer W3-äquivalenten Professur. Sie richtet sich an Personen, die sich bereits durch selbstständige Forschung und Lehre ausgezeichnet haben, und ist damit eine direkte Anschlussmöglichkeit an existierende Nachwuchsprogramme (bspw. Juniorprofessur oder Emmy-Noether-Gruppe).

Da die Bundesprofessur äquivalent zu einer regulären Professur sein soll, geht sie mit denselben Rechten und Pflichten einher. Dazu gehört auch die Beteiligung an der universitären Selbstverwaltung und Lehre. Jedoch ermöglicht sie die freie Wahl und den Wechsel der Universität. Bei der Berufung auf eine reguläre Professur wird die Bundesprofessur wieder zur Neuvergabe an den Bund freigegeben.

Eine direkte und personengebundene Förderung

Und wie erfolgt das Vergabeverfahren? Wir schlagen vor, dass Anträge auf eine Bundesprofessur jährlich durch die Bewerberinnen bzw. Bewerber gestellt werden können. Für die Vergabe und Verwaltung empfiehlt sich eine neue Förderlinie unter dem Dach der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die dafür ein interdisziplinäres Auswahlgremium mit Vertreterinnen und Vertretern aller akademischen Statusgruppen einrichtet.

Bewerberinnen und Bewerber werden nach fachlicher Exzellenz ausgewählt. Nötig ist neben den üblichen Bestandteilen einer Bewerbung außerdem die Zusicherung der Aufnahme seitens der ausgewählten Universität. Für den Wechsel der Universität muss ein Begründungsantrag zusammen mit der aufnehmenden Universität gestellt werden, über den das jährlich tagende Auswahlgremium entscheidet.

Als Gesamtanzahl der Bundesprofessuren schlagen wir eine Quote von 5 Prozent der deutschlandweiten Professorenschaft vor, was in etwa 1.000 Bundesprofessuren entspricht. Über eine gestaffelte Berufung von anfangs 100 Bundesprofessuren jährlich kann über die ersten zehn Jahre hinweg die anvisierte Gesamtanzahl von Bundesprofessuren eingerichtet werden.

Die Kosten einer Bundesprofessur

Die Kosten belaufen sich bei einem jährlichen Personalsatz jeder Professur von circa 100.000 Euro sowie einer 20-prozentigen-Programmpauschale auf ein Gesamtbudget von jährlich knapp 150 Millionen Euro, würden tatsächlich 1.000 Stellen geschaffen. Darin sind bereits eine einmalige durchschnittliche Erstausstattung von 200.000 Euro sowie Pensionszahlungen enthalten. Die jährlichen Kosten der vorgeschlagenen Bundesprofessur entsprächen damit weniger als 1 Prozent des Haushalts des Bundesministeriums für Bildung und Forschung von 2016. Klar ist: Die Finanzierung von Professuren durch den Bund stellt ein neues wissenschaftspolitisches Förderformat dar, für das die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen geprüft und gegebenenfalls geschaffen werden müssen.

Der große Vorteil einer Bundesprofessur liegt in ihrer langfristigen Perspektive, die sie für den Wissenschaftsnachwuchs schafft. Sie baut direkt auf bestehende Programme auf und führt diese langfristig fort, wie es bisher in keinem Drittmittelförderformat berücksichtigt wird. Erstmals würden exzellente Personen langfristig individuell gefördert – und es würde nicht auf traditionelle befristete Projektförderung gesetzt. Insofern sind wir davon überzeugt, dass eine Bundesprofessur auch ein Instrument sein kann, um dem Verlust exzellenter Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im internationalen Wettbewerb entgegenzuwirken. Vielleicht wäre es sogar möglich, mit einer Bundesprofessur herausragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Ausland zurückzugewinnen und den Forschungsstandort Deutschland wieder attraktiver zu machen.

Im Sinne einer grundlegenden Umgestaltung des Wissenschaftssystems über neue Personalstrukturen erhöht die vorgeschlagene Bundesprofessur die Anzahl eigenständig lehrender und forschender Professorinnen und Professoren. Sie begünstigt damit einen personellen Strukturwandel und gibt dem Bund in Zusammenarbeit mit den Universitäten eine wirkungsvolle Einflussmöglichkeit für nachhaltige Reformen im deutschen Wissenschaftssystem.