Ich habe meinen Arbeitsplatz gewechselt. Mein neuer Arbeitgeber möchte jetzt eine Urlaubsbescheinigung von meinem vorherigen Arbeitgeber. Bringe ich die nicht, gewährt er mir auch erst einmal keinen Urlaub. Darf er das?, fragt Michael Hinrichs.

Sehr geehrter Herr Hinrichs,

wechselt ein Mitarbeiter den Arbeitgeber, so hat dieser bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses dem Arbeitnehmer nach § 6 Absatz 2 Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) eine Urlaubsbescheinigung über gewährten oder abgegoltenen Urlaub auszuhändigen.

Diese Bescheinigung dient dazu, dass Arbeitnehmer nicht doppelt Urlaub beanspruchen können. Bringt ein Mitarbeiter diese Bescheinigung nicht mit, hat der neue Arbeitgeber die Möglichkeit, den Urlaub im laufenden Kalenderjahr so lange zu verweigern, bis die Bescheinigung vorliegt. Der Arbeitnehmer hat hier eine Mitwirkungspflicht.

Solch eine Bescheinigung erleichtert Arbeitgebern, den Urlaubsanspruch eines neuen Mitarbeiters zu prüfen. Denn wenn ein Mitarbeiter seinen Jahresurlaub bereits bei seinem alten Arbeitgeber komplett genommen hat, dieser also voll erfüllt wurde, hat er beim neuen Arbeitgeber keinen Urlaubsanspruch mehr (§ 6 Abs. 1 BUrlG). Vorgenannte Norm enthält die Regelung, dass Anspruch auf Urlaub nicht besteht, soweit dem Arbeitnehmer für das laufende Kalenderjahr bereits von einem früheren Arbeitgeber Urlaub gewährt worden ist.

Daher sollte eine schriftliche Urlaubsbescheinigung enthalten, wie lange das Arbeitsverhältnis im laufenden Kalenderjahr bestanden hat, aus wie vielen Arbeitstagen der Jahresurlaub besteht und wie viele davon bereits gewährt oder abgegolten wurden. Dabei ist nicht auf den gesetzlichen Mindesturlaub, sondern auf den tatsächlichen Urlaubsanspruch aufgrund des Einzelarbeitsvertrags oder eines Tarifvertrags abzustellen.

Ihr Ulf Weigelt