"Darf ich bei dem ehemaligen Arbeitgeber eines Bewerbers Erkundigungen einholen?", fragt Winfried Gottschalk.

Sehr geehrter Herr Gottschalk,

viele Arbeitgeber vertrauen den Zeugnissen von Bewerbern immer weniger. Zum einen können positiv formulierte Zeugnisse Bestandteil eines Vergleichs zwischen Arbeitgeber und Mitarbeiter sein – das Arbeitsrecht fordert sogar wohlwollende Zeugnisse. Zum anderen zeigt ein prominentes Beispiel aus den letzten Wochen, dass Täuschungen nicht selten sind.

Daher greifen Personaler gerne zum Hörer, um bei ehemaligen Arbeitgebern Erkundigungen über Bewerber einzuholen. Auch wenn es keine eindeutige gesetzliche Regelung dazu gibt, sind Unternehmen gut beraten, wenn sie die Persönlichkeitsrechte des Arbeitnehmers sowie die datenschutzrechtlichen Bestimmungen beachten. Auf Nummer sicher gehen sie, wenn sie den Bewerber über das Telefonat vorab informieren und ihm zudem ihre Fragen zur Kenntnis reichen.

Dabei sind Fragen nach der Arbeitsleistung, der Qualifikation sowie dem Verhalten erlaubt. Nicht möglich sind hingegen Fragen nach dem Inhalt des ehemaligen Arbeitsvertrages sowie die Weitergabe der Personalakte.

Sind die Informationen aber falsch oder werden unzulässige Informationen weitergegeben und erhält der Bewerber daraufhin nicht den Job, müssen ehemalige Arbeitgeber unter Umständen Schadenersatz zahlen. Dazu muss der Bewerber allerdings beweisen können, dass diese Informationen zur Absage geführt haben, was oft schwierig sein kann.

Ihr Ulf Weigelt