Ich möchte Studenten als Praktikanten beschäftigen. Was muss ich beachten?, fragt Gunnar Beck.

Sehr geehrter Herr Beck,

möchten Sie als Arbeitgeber Studenten als Praktikanten beschäftigen, sollten Sie vorsichtig sein, denn die Sozialversicherung der Praktikanten ist äußerst unübersichtlich. Da gibt es das Pflichtpraktikum im Zuge einer Ausbildung, um erste berufliche Erfahrungen zu sammeln, oder das freiwillige Praktikum – unentgeltlich oder gegen Entgelt.

Diese Unterscheidung ist wichtig, denn wenn ein Praktikant im Zuge seiner universitären Ausbildung ein Praktikum bei Ihnen macht, müssen Sie unter Umständen keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen – auch wenn er dafür von Ihnen ein Entgelt erhält. Möchten Sie ihn für die Praktikumszeit nicht bezahlen, weil es ein Pflichtpraktikum ist, muss die Zeit im Unternehmen der Ausbildung dienen, diese muss im Vordergrund stehen. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Praktikant die Möglichkeit erhält, verschiedene Abteilungen zu durchlaufen, um praktische Kenntnisse und Erfahrungen zu erlangen.

Nicht selten setzen aber Unternehmen Studenten in den Semesterferien als Praktikanten ein und deklarieren die Zeit als Praktikum, um Sozialversicherungsbeiträge zu sparen. Davon ist aber grundsätzlich abzuraten, denn im Falle einer Betriebsprüfung wird stets genau kontrolliert, ob der Student tatsächlich ausgebildet wurde oder ob er lediglich gejobbt hat. Solche Konstellationen sind schlichtweg abhängige Beschäftigung, bei der die Bezeichnung Praktikum nur der Verschleierung eines Arbeitsverhältnisses dient.

Wird solch ein Fall später erst aufgedeckt, müssen Arbeitgeber nicht nur dem Praktikanten im Nachhinein einen angemessenen Lohn zahlen, sondern auch Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge nachentrichten. Und das kann sehr teuer werden. Ferner handelt es sich hier um einen Straftatbestand, der entsprechend geahndet wird.

Der Gesetzgeber unterscheidet sehr streng nach studentischem Praktikant, der ausgebildet wird, und Werkstudent, der als Aushilfe beschäftigt wird. Letzterer nämlich wird aus arbeitsrechtlicher Sicht als ganz normaler Mitarbeiter angesehen, weil die entgeltliche Arbeitsleistung im Vordergrund steht – unabhängig von seiner Beschäftigungsdauer. Der Werkstudent hat Anspruch auf den gesetzlichen Mindestlohn gemäß Paragraf 1 Absatz 2 MiLoG (Mindestlohngesetz).

Im Ergebnis haben Sie immer eigenständig zu prüfen, ob Sozialversicherungsbeiträge anfallen oder nicht. Hierfür sind allein Sie dann verantwortlich. In Zweifelsfällen können Sie sich an die Einzugsstelle (Krankenkassen) wenden, die dann im Einzelfall über die Versicherungs- und Beitragspflicht entscheidet.

Ihr Ulf Weigelt