Catharina van Delden gründete 2010 zusammen mit drei Studienkollegen in München das Unternehmen Innosabi, das Firmen dabei hilft, Kunden und Nutzer in die Produktentwicklung einzubinden. Ihre Firma in einer anderen Stadt mit niedrigeren Mieten und geringeren Gehältern zu gründen, kam Catharina van Delden und ihren Kollegen nicht in den Sinn. "Wir haben alle an der Technischen Universität München studiert und sind hier verwurzelt, wir wollten auf jeden Fall hier bleiben", erzählt die Unternehmerin. Auch die guten Rahmenbedingungen und starke Anziehungskraft Münchens haben die Gründer in ihrer Entscheidung bestärkt. "In München herrscht ein gutes Geschäftsklima für unsere Art von Dienstleistung, unser Angebot richtet sich an Unternehmen und hier sind viele große Konzerne angesiedelt." Inzwischen beschäftigt Innosabi 25 Mitarbeiter.

Viele denken beim Stichwort Start-ups zunächst an Berlin. Die Hauptstadt gilt als hip, die Mieten sind abgesehen von den Szenebezirken noch bezahlbar und viele junge, gut qualifizierte Menschen zieht es in die Metropole. München ruft ganz andere Assoziationen hervor. Weltweit verbinden viele Bier und Oktoberfest sowie hohe Mieten mit der Stadt. Spötter lästern gerne über das provinzielle Image des Dorfs an der Isar. Doch wer die Stadt besser kennt, weiß, dass das nur eine Seite der Medaille ist. In München und dem Umland haben sieben Dax-Konzerne ihren Firmensitz, viele Life-Science- und Dienstleistungsunternehmen sowie IT-Konzerne wie Microsoft haben hier ihre Deutschlandzentrale oder wichtige Forschungslabore, wie beispielsweise Google. Und auch hier gibt es eine erfolgreiche Start-up-Szene.

In München sind die Chancen von Frauen, die ein eigenes Unternehmen gründen wollen, besonders gut, wie die Studie Dell Women Entrepreneur Cities Index herausgefunden hat. In dem Ranking wurden Städte auf der ganzen Welt miteinander verglichen. München schaffte es als einzige deutsche Stadt in die Liste der Top 50. Frauen finden in der bayerischen Landeshauptstadt der Studie zufolge die besseren Rahmenbedingungen.

Hinter der Untersuchung steckt ein unabhängiges internationales Forscherteam. Es hatte weltweit Städte miteinander verglichen und untersucht, wie gut es ihnen gelingt, Frauen dabei zu unterstützen, eine Firma aufzubauen und erfolgreich zu führen. Dell lässt schon seit Jahren untersuchen, welche Länder weltweit Frauen gute Chancen bei der Gründung eines Unternehmens bieten. Die Auswertung für einzelne Städte ist hingegen neu.

Nur eine deutsche Großstadt schaffte es in die Top-50-Liste

Beurteilt wurde nach fünf Kriterien, die für den Erfolg von Unternehmensgründungen entscheidend sind: Märkte, Talent, Kapital, Kultur und Technologie. Außerdem achteten die Forscher darauf, wie hoch der Anteil der von Frauen geführten Start-ups ist. Unter den Top-50-Städten weltweit befindet sich der Untersuchung zufolge nur eine einzige deutsche Stadt: München. Die bayerische Landeshauptstadt kam sogar auf den elften Platz. Weitere europäische Städte, in denen es Frauen als Gründerin leichter haben als anderswo, sind London, Paris, Stockholm, Mailand und Istanbul.

Neben der guten wirtschaftlichen Lage könnten die umfangreichen Beratungsangebote einer der Gründe sein, weshalb München so gut abschneidet. Bereits seit 1998 gibt es das Münchner Büro für Existenzgründung, kurz MEB genannt. Die Gemeinschaftsinitiative der Stadt München und der Industrie- und Handelskammer bietet regelmäßig kostenlose Informationsveranstaltungen sowie individuelle Beratungstermine an und lotst die Gründungswilligen durch den nicht immer einfachen Dschungel auf dem Weg in die Selbständigkeit. Eine Website dient als erste Anlaufstelle mit Tipps in Deutsch und Englisch.

Speziell an Frauen richten sich die Beratungsangebote von Guide. Neben allgemeinen Informationen finden angehende Unternehmerinnen bei diesem Netzwerk auch günstige Seminare, beispielsweise wie sie einen Businessplan erstellen. Das Projekt versucht außerdem, die Gründerinnen miteinander zu vernetzen und ihnen eine Plattform zum Austausch zu bieten. Finanziell gefördert wird Guide mit Mitteln des Freistaats Bayern, der Stadt München und des Europäischen Sozialfonds.

Internationaler Spitzenreiter des Rankings ist übrigens New York, gefolgt von der Bay Area, London, Stockholm und Singapur. Berlin hat es gar nicht erst ins Ranking geschafft. Doch bei allem Lob für die Gewinner kritisiert die Studie auch, dass der Zugang zu Kapital für Frauen weltweit schwieriger ist. Auch Kredite für die Unternehmensgründung erhalten Frauen nicht überall, in manchen Ländern dürfen sie ohne Erlaubnis des Ehemannes nicht einmal ein eigenes Konto eröffnen. Gerade einmal drei Prozent der Gründerinnen erhalten Venture Capital.

Auch wenn sich Städte wie München um Unternehmensgründerinnen bemühen, kann die Stadt an der Isar von ganz vorne Platzierten noch lernen.


Ranking

1. New York 2. Bay Area 3. London 4. Stockholm 5. Singapur 6. Toronto 7. Washington, D.C. 8. Sydney 9. Paris 10. Seattle 11. München 12. Austin 13. Peking 14. Hongkong 15. Taipeh